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Montag, 31. August 2026 · Berlin

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Warum Merz gerade bei Jüngeren kaum Vertrauen gewinnt

Rente, längere Erwerbszeiten, flexible Arbeitsregeln und mehr Verteidigung: Viele Reformen der Regierung betreffen die Generationenfrage direkt. Trotzdem schafft es Merz kaum, jungen Menschen einen glaubwürdigen Gewinn für ihre Zukunft zu vermitteln.

Warum Merz gerade bei Jüngeren kaum Vertrauen gewinnt
Stenbocki maja

Friedrich Merz will Deutschland umbauen. Doch politisch kommt davon vor allem eines an: Streit. Im August sind laut ZDF 75 Prozent mit seiner Arbeit als Kanzler unzufrieden. Beim ARD-DeutschlandTREND liegt seine Zustimmung bei nur 14 Prozent. Das ist mehr als ein schlechter Monat. Es zeigt, dass der Kanzler gerade die Generation kaum erreicht, der viele seiner Reformen eigentlich eine stabilere Zukunft versprechen sollen.

Nirgendwo ist der Widerspruch so sichtbar wie bei der Rente. Deutschland wird älter, immer weniger Beschäftigte finanzieren immer mehr Rentnerinnen und Rentner. Wer Anfang zwanzig ist, kann deshalb nicht einfach darauf vertrauen, dass das heutige System in vierzig Jahren unverändert funktioniert. Die Regierung will gegensteuern: längere Erwerbszeiten, mehr Kapitaldeckung und weniger Anreize für einen frühen Ausstieg aus dem Job.

Auf dem Papier ist das eine Generationenfrage. Politisch wirkt es aber oft wie eine Debatte darüber, ob ältere Beschäftigte länger arbeiten müssen. Im DeutschlandTREND erwartet nur eine Minderheit, dass die Reform wirklich mehr Generationengerechtigkeit schafft; bei den Unter-35-Jährigen ist die Skepsis besonders groß. Das ist für Merz ein Warnsignal. Wenn selbst jene, die langfristig profitieren sollen, den Plan nicht als fair empfinden, reicht der Verweis auf Demografie nicht.

Ähnlich beim Arbeitsmarkt. Die Regierung will Unternehmen mehr Flexibilität geben, etwa bei befristeten Verträgen und der Verteilung der Arbeitszeit über die Woche. Für Firmen kann das Einstellungen erleichtern. Für Berufseinsteiger klingt mehr Befristung jedoch schnell nach weniger Planbarkeit: schwerer eine Wohnung finden, schwieriger einen Kredit bekommen, später eine Familie planen. Eine Reform, die Beschäftigung schaffen soll, kann sich im Alltag trotzdem wie zusätzliche Unsicherheit anfühlen.

Das fällt in eine Phase, in der die wirtschaftliche Stimmung ohnehin angespannt ist. Mehr als drei Viertel der Deutschen machten sich im Juli Sorgen um den Wirtschaftsstandort, fast jeder vierte Erwerbstätige um den eigenen Job. Wer in so einer Lage von mehr Leistung, längeren Erwerbsbiografien und flexibleren Regeln spricht, muss sehr konkret erklären, was junge Beschäftigte im Gegenzug bekommen.

Merz versucht genau das teilweise über Steuern: niedrigere und mittlere Einkommen sowie Familien sollen entlastet werden. Gleichzeitig bleiben Sozialbeiträge hoch. Deshalb entscheidet nicht das Reformpapier, sondern die Lohnabrechnung darüber, ob Menschen tatsächlich einen Unterschied spüren.

Dazu kommt die Sicherheitspolitik. Deutschland investiert mehr in Verteidigung, baut die militärische Erfassung junger Jahrgänge neu auf und unterstützt die Ukraine weiter in großem Umfang. Angesichts des Krieges in Europa ist das strategisch begründbar. Für junge Menschen stellt sich trotzdem eine sehr direkte Frage: Warum werden von ihrer Generation gleichzeitig mehr Beiträge, längere Arbeitszeiten und potenziell mehr Verantwortung für die Verteidigung verlangt, während Wohnen, Bildung und soziale Sicherung weiter als ungelöste Baustellen erscheinen?

Genau hier scheitert Merz häufig an seiner Sprache. Im Mai kritisierten laut ARD acht von zehn Befragten seine Kommunikation. Der Kanzler formuliert Konflikte gern hart und zugespitzt. Das kann Klarheit erzeugen, aber auch das Gefühl, Politik werde gegen bestimmte Gruppen gemacht statt mit ihnen. Bei Rente, Migration und Sozialleistungen führten einzelne Begriffe immer wieder zu Debatten, die seine eigentliche Botschaft überlagerten.

Für jüngere Wähler ist das besonders riskant. Sie erleben politische Kommunikation nicht nur in langen Interviews, sondern in kurzen Clips, Headlines und sozialen Netzwerken. Eine unglückliche Formulierung reist schneller als eine 34-Punkte-Reformagenda. Wer dort als belehrend oder konfrontativ wahrgenommen wird, verliert die Chance, komplexe Entscheidungen später noch ausführlich zu erklären.

Merz' eigentliches Problem ist daher nicht, dass jede Reform falsch wäre. Einige sind gerade wegen der demografischen Entwicklung kaum vermeidbar. Sein Problem ist, dass er die Zukunftsdividende nicht glaubwürdig verkauft. Junge Menschen hören, was sie länger leisten sollen. Sie sehen aber weniger klar, was dadurch für sie sicherer, günstiger oder planbarer wird.

Wenn die Regierung diesen Eindruck drehen will, braucht sie mehr als neue Slogans. Sie muss zeigen, wie Rentenbeiträge stabilisiert werden, wie Berufseinsteiger schneller in sichere Beschäftigung kommen, wie Wohnen bezahlbarer wird und wie zusätzliche sicherheitspolitische Lasten fair verteilt werden. Ohne diese konkrete Gegenleistung bleibt vom Reformkanzler vor allem die Botschaft hängen: Ihr müsst mehr tun. Politisch ist das eine schlechte Ausgangslage für eine Generation, die ohnehin zweifelt, ob die großen Systeme noch für sie funktionieren.

Moritz Albrecht

Autor

Redakteur vom Dienst

Moritz Albrecht berichtet für Junkr über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.