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Montag, 31. August 2026 · Berlin

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Herbsturlaub ohne Fernflug: Acht EU-Trips, die sich komplett anders anfühlen

Noch baden auf Gran Canaria, schon Nordlichter in Lappland oder heiße Quellen auf den Azoren: Für junge Reisende bietet der EU-Herbst mehr Abwechslung als viele Fernreisen.

Herbsturlaub ohne Fernflug: Acht EU-Trips, die sich komplett anders anfühlen
Simo Räsänen

Ein Wochenende am Meer, eine Woche in den Bergen oder nachts unter Nordlichtern stehen oft in völlig verschiedenen Reiseordnern. Im europäischen Herbst gehören sie fast zur selben Saison. Wer flexibel mit den Daten ist, kann im Oktober auf Gran Canaria bei sommerlichen Temperaturen unterwegs sein, im selben Monat goldene Lärchen in den Dolomiten sehen und in Finnisch-Lappland bereits auf dunkle Nächte mit Nordlichtchance treffen.

Das ist keine Nischenidee. Nach Eurostat machten 2024 fast 249 Millionen Menschen ab 15 Jahren in der EU mindestens eine private Reise mit Übernachtung. Rund 92 Prozent der touristischen Reisen blieben innerhalb der Union. Eine Inlandsreise kostete im Schnitt etwa 303 Euro, eine Auslandsreise 1.053 Euro. Natürlich sagt ein EU-Durchschnitt wenig über das Budget eines Studierenden in Berlin oder einer jungen Angestellten in Madrid. Er zeigt aber, warum kurze Wege und Reisezeiten außerhalb der Hauptsaison so viel ausmachen.

Die einfachste Flucht vor grauem Wetter sind die Kanaren. Für Oktober nennt die offizielle Tourismusseite im Schnitt etwa 26 Grad und zehn Stunden Tageslicht, im November noch rund 24 Grad. Man muss dort nicht sieben Tage am Pool liegen. Dünen auf Gran Canaria, Vulkane auf Teneriffa und Küstenwege liefern genug Programm, damit eine günstige Unterkunft wichtiger wird als ein All-inclusive-Armband.

Madeira ist die grünere Variante. September und Oktober sind meist angenehm, gleichzeitig wird die Insel nach dem Sommer ruhiger. Die Levadas und Bergwege sind das eigentliche Highlight. Weil Madeira viele Mikroklimata hat, kann es unten in Funchal sonnig sein und oben neblig oder nass. Wer das akzeptiert, bekommt eine Insel, die sich viel weiter weg anfühlt, als sie politisch und praktisch ist.

Für den kompletten Temperaturwechsel geht es nach Finnisch-Lappland. Die Nordlichtsaison beginnt Ende August, und September sowie Oktober gehören zu den aktiveren Monaten. Gegen Ende Oktober bleibt im Norden häufig der erste Schnee liegen. Das ist spannend, weil man nicht das teure Weihnachtsklischee kaufen muss. Eine einfache Hütte, Supermarkt statt tägliches Restaurant und ein paar gute Outdoor-Tage können das Budget wesentlich besser kontrollierbar halten.

Die Dolomiten und Österreich funktionieren anders: kein Flug-in-die-Sonne-Gefühl, dafür Wege, Hüttenorte und klare Herbstluft. In Südtirol färben sich die Lärchen ab Mitte September, die Sicht ist oft gut und die Wege werden ruhiger. Österreich bewirbt Ende September und Oktober ausdrücklich als entspanntere Wander- und Radsaison, in der es außerhalb der Spitzenzeiten auch günstigere Angebote geben kann. Nur die Lift- und Shuttlepläne sollte man vorher prüfen.

Wer eher auf warmes Wasser als auf Sonne steht, hat gleich mehrere Optionen. In Furnas auf São Miguel liegen fumarolenreiche Landschaften und Thermalbecken nebeneinander; die Quellen der Poça da Dona Beija haben etwa 39 Grad. Slowenien bietet zahlreiche Thermalresorts mit Hallenbädern, was an regnerischen Tagen ziemlich praktisch ist. Budapest bleibt ebenfalls ein Klassiker mit Széchenyi; das berühmte Gellértbad ist allerdings seit Oktober 2025 wegen Sanierung geschlossen und soll erst 2028 wieder öffnen.

Die beste Sparregel ist nicht „immer die billigste Stadt“. Sie lautet: zuerst entscheiden, was man erleben will. Für heiße Quellen reichen drei oder vier Nächte, für Madeira oder die Kanaren lohnt sich eher eine längere Woche, weil Anreisezeit und Flugpreis stärker ins Gewicht fallen. Wer Schulferien meidet, Handgepäck realistisch packt und nicht jeden Tag einen bezahlten Programmpunkt braucht, kann im EU-Herbst erstaunlich viel Weltgefühl bekommen, ohne eine Fernreise zu finanzieren.

Marlene Brandt

Autor

Kulturkorrespondentin

Marlene Brandt berichtet für Junkr über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.