Politik 4 Min. Lesezeit Von Moritz Albrecht
Trump und Musk sind wieder okay – nach dem wildesten Politik-Beef des Jahres
Erst Wahlkampf-Bromance, dann Vertragsdrohungen und eine neue Partei, jetzt wieder Telefonate und Millionen für die Republikaner: So kam es zum Comeback.
Wenn man die Beziehung zwischen Donald Trump und Elon Musk nur über Social Media verfolgt, wirkt sie wie ein endloser Beef zwischen zwei extrem berühmten Männern. Tatsächlich hängt daran viel mehr. Trump ist US-Präsident, Musk kontrolliert Tesla, SpaceX und X und kann mit seinem Vermögen Wahlkämpfe massiv beeinflussen. Deshalb war ihre öffentliche Eskalation 2025 nicht bloß Internet-Drama — und ihr Comeback 2026 ist es ebenso wenig.
Gerade reden sie wieder miteinander. Laut Wall Street Journal ungefähr einmal im Monat. Es geht um KI, China und Weltpolitik. Musk plant außerdem mindestens 100 Millionen Dollar für eine Kampagne, die republikanische Wähler zu den Midterms mobilisieren soll. Das ist ziemlich weit entfernt von dem Moment im Juni 2025, als beide offen darüber stritten, ob Musks Firmen ihre staatlichen Verträge verlieren könnten.
Die Vorgeschichte ist überraschend lang. 2016 fand Musk Trump ungeeignet fürs Präsidentenamt. Nach der Wahl saß er trotzdem in Wirtschaftsbeiräten des Weißen Hauses, bis er 2017 aus Protest gegen den Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen ging. 2020 wurde es freundlicher: Trump lobte Musk und stellte sich im Streit um die Wiedereröffnung des Tesla-Werks in Kalifornien hinter ihn.
2022 war davon wieder wenig übrig. Trump beleidigte Musk, Musk sagte sinngemäß, Trump solle endlich seinen Hut nehmen. 2023 half Musk dann ausgerechnet Ron DeSantis beim Start seiner Präsidentschaftskampagne auf Twitter Spaces. DeSantis wollte Trump die republikanische Nominierung abnehmen. Bis dahin war Musk also eher ein mächtiger Plattformbesitzer mit eigener Agenda als ein Trump-Loyalist.
Der große Switch kam nach dem Attentatsversuch auf Trump im Juli 2024. Musk unterstützte ihn sofort öffentlich. Danach folgte ein langes Gespräch auf X, später stand Musk auf Trumps Bühne in Butler. Und es blieb nicht bei Posts: Musk steckte mindestens rund 250 Millionen Dollar in Trump und republikanische Wahlkampfprojekte.
Nach Trumps Sieg wurde aus Online-Support echte Regierungsnähe. Musk wurde Seniorberater im Weißen Haus und das berühmteste Gesicht von DOGE. Formal war er nicht Chef des U.S. DOGE Service und durfte nicht eigenständig Regierungsentscheidungen treffen. Trotzdem war er ständig mit dem Projekt verbunden. Im März 2025 ging die Symbiose so weit, dass Trump Teslas am Weißen Haus präsentierte und ankündigte, selbst einen zu kaufen.
Dann kam der Mega-Crash. Musk hasste Trumps großes Steuer- und Ausgabenpaket. Trump drohte, staatliche Verträge und Subventionen seiner Firmen zu streichen. Musk unterstützte einen Impeachment-Aufruf, drohte kurz damit, die Dragon-Kapsel von SpaceX stillzulegen, und postete eine unbelegte Behauptung über Trump und Epstein-Unterlagen. Später löschte er sie und sagte, einige Posts seien zu weit gegangen.
Im Juli 2025 kündigte Musk sogar eine America Party an. Klingt nach endgültiger Trennung — war es aber nicht. Im September trafen sich beide bei der Gedenkveranstaltung für Charlie Kirk. Im November war Musk wieder im Weißen Haus. Anfang 2026 spendete er erneut Millionen an republikanische Wahlkampforganisationen.
Im Mai saß er dann mit Trump auf dem Weg nach China in der Air Force One. Hinter den Kulissen halfen JD Vance und Susie Wiles dabei, die Verbindung wiederherzustellen. Musk sagt heute selbst, er habe sich zu sehr in Politik hineingesteigert. Trump soll die Beziehung nicht mehr so eng sehen wie früher.
Vielleicht ist genau das die neue Regel: weniger „best friends“-Vibes, mehr klarer Deal. Musk liefert Geld, Reichweite und Tech-Gewicht. Trump liefert Zugang und politische Macht. Solange beide davon profitieren, hält die neue Version ihrer Beziehung. Ob das auch nach den Midterms so bleibt, ist die spannendere Frage als jedes nächste Meme.



