Technologie 4 Min. Lesezeit Von Moritz Albrecht
Die Reichen laden sich jetzt KI für den Weltuntergang herunter
Wamani in Argentinien hat 32.000 Hektar, Kuppeln, eine Landebahn und einen Plan für Offline-KI. Drei virale Details sind allerdings falsch oder überholt.
Wenn das Internet ausfällt, hilft dir ein KI-Chatbot normalerweise genau gar nicht: Die meisten großen Modelle laufen auf Servern irgendwo in einem Rechenzentrum. Auf der argentinischen Ranch Wamani denkt man deshalb schon einen Schritt weiter. Die Eigentümer prüfen, große Sprachmodelle auf lokalen Rechnern zu speichern und diese mit Solarstrom zu betreiben.
Wamani liegt in Mendoza am Rand der Anden und ist riesig: 32.000 Hektar. In den vergangenen zwei Jahren sind dort kleine Häuser, geodätische Kuppeln und eine Landebahn entstanden. Solarpanels gehören zur Energieversorgung. Die offizielle Website sagt außerdem, dass Starlink für die normale Internetverbindung genutzt wird.
Hinter dem Projekt stehen sechs sehr reiche Unternehmer. Martín Varsavsky besitzt die Hälfte. Unter seinen fünf Partnern sind OLX-Mitgründer Alec Oxenford und Kind-Gründer Dan Lubetzky. Und hier kommt schon die erste Meme-Korrektur: Lubetzky ist Milliardär, Varsavskys Vermögen liegt laut Financial Times bei ungefähr 700 Millionen Dollar. „Milliardärs-Arche“ klingt gut, ist aber nicht für jeden Besitzer exakt.
Korrektur Nummer zwei: Die Gruppe hat nach Varsavskys eigener Aussage fast 10 Millionen Dollar ausgegeben. Nicht mehr als 10 Millionen, wie es in vielen Posts heißt. Weil weitergebaut wird, kann die Marke irgendwann fallen. Aktuell ist sie aber noch nicht die belegte Zahl.
Die Offline-KI dagegen ist tatsächlich Teil des Plans. Die Idee: Wenn globale Server nicht mehr erreichbar sind, sollen lokale Modelle weiterhin auf gespeicherte Informationen zugreifen und Aufgaben erledigen können. Das wäre kein neues Internet. Ohne Verbindung gäbe es keine aktuellen Posts, Nachrichten oder Daten von außen. Es wäre eher eine gigantische smarte Offline-Bibliothek, die mit dem arbeiten kann, was vorher gespeichert wurde.
Natürlich reicht ein Laptop mit KI nicht zum Überleben. Deshalb denkt Wamani auch an die analoge Seite. Vieh soll auf das Gelände kommen. Mit zusätzlicher Fläche könnten später Pflanzen angebaut werden. Es gibt Quellen und Bäche. Gleichzeitig ist Mendoza trocken, und heftige Andenwinde können regelmäßig nerven oder sogar gefährlich werden. Der Weltuntergangsmodus hat also ganz normale Probleme wie Wasser, Wartung und Wetter.
Und jetzt die dritte Korrektur: „Man kommt nur rein, wenn man die richtigen Leute kennt“ ist inzwischen nicht mehr richtig. Wamani hat eine öffentliche Website mit einer Verfügbarkeitsanfrage. Dort werden Übernachtungen, Essen, Trekking, Mountainbike, Reiten und Transfers angeboten. Sogar private Flüge können organisiert werden. Die Financial Times schreibt, dass Airbnb als zusätzliche Einnahmequelle diskutiert wird.
Das Ganze ist deshalb weniger ein geheimer Bunker als ein seltsamer Mix aus Luxus-Ranch, Abenteuerhotel und Backup-System. In normalen Zeiten soll der Ort genutzt werden und Geld verdienen. Im Krisenfall hoffen die Eigentümer, dass Land, Energie, Transport, Nahrung und gespeicherte digitale Tools ihnen mehr Unabhängigkeit geben.
Der interessanteste Punkt ist, wie schnell KI in diese Liste gerutscht ist. Vor ein paar Jahren hätte man bei „Vorräte für die Krise“ an Wasser, Konserven und Batterien gedacht. Jetzt gehört für Tech-Unternehmer offenbar auch ein Sprachmodell dazu. Das sagt nicht nur etwas über Wamani, sondern darüber, wie selbstverständlich wir digitale Dienste inzwischen behandeln.
Ob eine lokale KI in einer echten globalen Katastrophe der Gamechanger wäre, kann niemand wissen. Aber Wamani zeigt bereits, wie sich Luxus verändert: Nicht nur mehr Komfort, sondern mehr Auswege. Und falls der Weltuntergang ausbleibt, bleibt immerhin eine 32.000-Hektar-Ranch mit Bergen, Kuppeln und ziemlich gutem Gesprächsstoff.



