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Freitag, 14. August 2026 · Berlin

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Gen Z ghostet jetzt auch Arbeitgeber – aber die 54 Prozent sind irreführend

Eine US-Umfrage zeigt 41 Prozent selbst eingeräumtes Arbeitgeber-Ghosting bei Gen Z. Die zweite große Zahl stammt dagegen von Personalern.

Gen Z ghostet jetzt auch Arbeitgeber – aber die 54 Prozent sind irreführend
Tima Miroshnichenko / Pexels

Ghosting kennt man vom Dating: Chat läuft, Treffen vielleicht auch – und plötzlich ist die andere Person weg. Im Jobmarkt funktioniert das inzwischen ähnlich. Bewerber antworten nach Interviews nicht mehr, nehmen ein Angebot an und tauchen nicht auf. Unternehmen wiederum lassen Kandidaten nach Bewerbungen oder Gesprächsrunden ohne Antwort hängen. Gen Z fällt in neuen US-Umfragen besonders auf, aber die viralen Zahlen brauchen Kontext.

NumberBarn befragte im Januar 2025 insgesamt 1.510 Menschen in den 30 größten US-Metropolregionen. 41 Prozent der Gen-Z-Befragten gaben zu, einen potenziellen Arbeitgeber während des Bewerbungs- oder Interviewprozesses schon einmal geghostet zu haben. Bei Millennials waren es 37 Prozent, bei Gen X 26 Prozent und bei Boomern 22 Prozent.

Was 41 Prozent nicht bedeutet: dass all diese Leute schon einen Vertrag oder ein Angebot hatten. Das konnte auch früher im Prozess passieren. Genau hier wird oft eine zweite Zahl falsch dazugemischt. Resumeorg fragte 1.115 US-Hiring-Manager. 54 Prozent von ihnen sagten, dass sie mindestens einmal von einem Gen-Z-Kandidaten nach einem Jobangebot geghostet worden seien. 54 Prozent sind also die Manager, nicht die jungen Bewerber.

Und ja, manche Fälle sind ziemlich extrem. Personalverantwortliche berichteten von Kandidaten, die zusagten, dann die Unterlagen nicht fertig machten, am ersten Arbeitstag nicht erschienen oder kurz nach dem Start ohne Nachricht verschwanden. Das ist für ein Unternehmen nervig und teuer. Es kann aber auch ein Zeichen dafür sein, dass Bewerber bis zuletzt mehrere Optionen offenhalten.

NumberBarn fragte nach den Gründen. 49 Prozent der Kandidaten, die einen Arbeitgeber geghostet hatten, sagten, sie hätten ein anderes Jobangebot bekommen. 28 Prozent hatten einfach das Interesse verloren. Gleichzeitig hatten 61 Prozent aller Befragten selbst erlebt, dass ein potenzieller Arbeitgeber sie ghostete.

Damit wird das Ganze weniger zu einer Story über „die unhöfliche Gen Z“ und mehr zu einer Story über einen Bewerbungsmarkt, in dem sich beide Seiten wie Profile behandeln. Business Insider beschrieb 2025 junge Leute, die Hunderte Bewerbungen verschicken und nach mehreren Runden trotzdem manchmal keine endgültige Absage bekommen. Wer ständig ins Leere schreibt, investiert irgendwann weniger in jede einzelne Bewerbung.

Beweisen lässt sich daraus nicht, dass Unternehmen Gen Z das Ghosting beigebracht haben. Aber Indeed fand schon 2023: 54 Prozent der befragten US-Arbeitgeber glaubten, bessere Kommunikation und mehr Transparenz könnten Ghosting reduzieren. 43 Prozent nannten kürzere Bewerbungsprozesse. Jobsuchende wünschten sich vor allem bessere Bezahlung, klare Gehaltsangaben und stärkere Benefits.

Die Zahlen stammen aus den USA und lassen sich nicht einfach auf Deutschland übertragen. Das Muster ist trotzdem leicht zu verstehen: Wenn ein Prozess ewig dauert und niemand klar sagt, was als Nächstes passiert, sinkt die Bindung. Der Gegenentwurf ist fast altmodisch: schnell entscheiden, ehrlich absagen, kurz Bescheid geben. Genau das wirkt heute plötzlich modern.

Leonie Vogt

Autor

Gesellschaftsreporterin

Leonie Vogt berichtet für Junkr über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.