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Freitag, 14. August 2026 · Berlin

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Pokémon-Karten werden zu Tokens – und der Markt dreht gerade richtig auf

Der PV100 ist 2026 um 27,9 Prozent gestiegen, während Blockchain-Plattformen den alten Booster-Kick mit digitalen Packs und echten Karten im Tresor verbinden.

Pokémon-Karten werden zu Tokens – und der Markt dreht gerade richtig auf
eBay

Wer Pokémon-Karten nur aus der Schulzeit kennt, muss sich an ein neues Vokabular gewöhnen: Index, Wallet, Token, Vault und Liquidität. Das Hobby ist 2026 mitten in einer Finanz- und Tech-Phase angekommen.

Der PokéViews-Index PV100, der 100 teure und aktiv gehandelte englische Pokémon-Karten abbildet, ist seit Jahresbeginn um 27,9 Prozent gestiegen. Der S&P 500 lag am 13. August bei plus 13,9 Prozent. Bitcoin war im selben Zeitraum deutlich im Minus.

Das klingt zunächst wie ein Börsenvergleich, ist aber nicht eins zu eins übertragbar. Der PV100 ist ein Referenzindex und kein Fonds. Er enthält ungegradete Karten, wird monatlich neu gewichtet und schließt versiegelte Produkte sowie nichtenglische Ausgaben aus. Eine echte Karte kann außerdem Kratzer haben, schwer zu verkaufen sein oder hohe Gebühren beim Kauf und Versand verursachen.

Genau deshalb ist die Blockchain-Idee so interessant. Eine geprüfte Karte kommt in ein gesichertes Lager. Danach erhält sie ein digitales Abbild, das gehandelt werden kann. Der Besitzer muss die Karte nicht nach jedem Verkauf verschicken. Wer sie wirklich ins Regal stellen will, kann den Token einlösen und sich das Original senden lassen.

Die Plattformen bauen darum ein Erlebnis, das extrem gut zu Pokémon passt: digitale Zufallspacks. Man zahlt, öffnet das Pack auf dem Bildschirm und bekommt eine real hinterlegte Karte. Danach kann man sie behalten, handeln oder je nach Anbieter sofort zurückverkaufen.

Das hat enorme Aktivität erzeugt. The Block meldete Anfang Mai etwa 7,4 Millionen Dollar Wochenumsatz auf tokenisierten Pokémon-Marktplätzen, 337 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Blockworks Research kam im Juni auf 324,6 Millionen Dollar Onchain-Ausgaben im Gacha-Segment tokenisierter Sammelkarten.

Collector Crypt allein stand für fast 65 Prozent dieser Juni-Ausgaben. Ein neues 2.500-Dollar-Pack trug stark dazu bei. Daran sieht man, dass es nicht mehr nur um günstige digitale Booster für Fans geht, sondern auch um sehr hohe Einsätze.

Genau hier beginnt die problematische Seite. Ein physischer Booster hat schon immer mit Zufall gearbeitet. Digital lässt sich derselbe Ablauf aber ohne Pause wiederholen: kaufen, aufdecken, verkaufen, noch einmal. Deshalb wird in der Sammelkartenbranche inzwischen häufiger darüber diskutiert, wie nah bestimmte Formate an Glücksspielmechaniken herankommen.

Der Markt ist groß genug, dass Tech-Firmen trotzdem weiter investieren. Mordor Intelligence schätzt den globalen Trading-Card-Game-Markt 2026 auf 15,11 Milliarden Dollar. Und Pokémon selbst liefert den nächsten Hype-Termin: Am 16. September erscheint die Jubiläums-Erweiterung 30th Celebration.

Für Nutzer bleibt ein wichtiger Realitätscheck. Die Karte ist trotz Token nicht „auf der Blockchain“. Sie liegt in einem echten Tresor. Wenn Lagerung, Versicherung oder Plattform versagen, hilft die digitale Besitzhistorie allein nicht weiter.

Die nächsten Monate zeigen deshalb, ob die Kombination aus Nostalgie, digitalen Packs und echter Einlösbarkeit mehr ist als ein Jubiläumstrend. Wenn sie funktioniert, könnte aus dem alten Tauschhof-Hobby dauerhaft ein hybrider Markt zwischen Sammelalbum und Wallet werden.

Moritz Albrecht

Autor

Redakteur vom Dienst

Moritz Albrecht berichtet für Junkr über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.