Junkr

Freitag, 14. August 2026 · Berlin

Suche

Technologie 4 Min. Lesezeit Von

„This is Хорошо“ macht Schluss – und der alte YouTube-Katalog bröckelt

Stas Davydov beendet eines der bekanntesten russischsprachigen YouTube-Formate. Dahinter steckt auch ein Problem, das viele alte Remix- und Reaction-Videos betrifft: Rechte wechseln, Claims bleiben.

„This is Хорошо“ macht Schluss – und der alte YouTube-Katalog bröckelt

Ein Stück früher YouTube-Kultur verschwindet langsam. Stas Davydov, Moderator von „This is Хорошо“, hat angekündigt, dass das Projekt endet. Gleichzeitig rechnet er damit, dass viele ältere Folgen nach und nach von YouTube verschwinden werden.

Der Grund ist nicht einfach „YouTube ist vorbei“ und auch nicht nur eine einzelne Copyright-Beschwerde. Davydov beschreibt vielmehr jahrelangen Stress rund um Rechte an viralen Clips, die in den alten Folgen auftauchten. Firmen kaufen solche Videos, lizenzieren sie weiter und können anschließend Ansprüche gegen andere Uploads geltend machen, in denen das Material verwendet wurde.

Anfang August mussten nach Davydovs Angaben mehr als 200 Videos wegen Forderungen von ViralHog gelöscht werden. In seinem aktuellen Video spricht er davon, dass insgesamt deutlich mehr als 400 Videos des Projekts von solchen Eingriffen betroffen gewesen seien.

ViralHog sei dabei nicht der eine entscheidende Auslöser, sagt Davydov. Die Sache sei eher ein weiterer Tropfen in einem ohnehin vollen Glas. Sein Satz zum Ende klingt deshalb weniger nach Drama als nach Erschöpfung: Das Team sei es leid, ständig um die Existenz des Kanals kämpfen zu müssen.

Wer „This is Хорошо“ nicht kennt: Das Format startete 2010 und gehörte zu den großen russischsprachigen YouTube-Shows der frühen Plattformjahre. Davydov zeigte Ausschnitte aus lustigen, absurden oder schlicht viralen Videos und kommentierte sie mit Witzen, Schnitten und eigenen Pointen. Genau diese Mischung machte das Format groß.

Doch das Internet von 2010 funktioniert wirtschaftlich anders als das Internet von heute. Damals wurden virale Clips oft einfach weitergereicht, eingebettet und kommentiert. Inzwischen sind viele dieser Videos handelbare Medienrechte. Firmen suchen Urheber, schließen Lizenzverträge und vermarkten die Aufnahmen an Sender, Webseiten oder Plattformen.

Schon 2021 berichtete ausführlich über ViralHog und ähnliche Unternehmen. Davydov erklärte damals, dass Rechtefirmen einen großen Teil der Monetarisierung alter „This is Хорошо“-Folgen beanspruchten. Das Problem eines Review-Formats liegt auf der Hand: Eine Folge kann mehrere Clips enthalten, und jeder davon kann einen anderen Rechteinhaber haben.

YouTube selbst weist in seinen Copyright-Regeln darauf hin, dass ein Löschantrag ein rechtlicher Vorgang ist. Wer ihn stellt, soll mögliche Ausnahmen wie Fair Use, Gemeinfreiheit oder vergleichbare Regelungen berücksichtigen. Trotzdem bedeutet das nicht, dass ein Creator automatisch Ruhe hat, sobald sein Video kommentierend oder parodistisch ist. Solche Fragen können bei jedem einzelnen Clip neu entstehen.

Für junge Creator ist die Geschichte interessant, weil sie zeigt, wie sehr sich das Risiko eines Kanals mit der Zeit verändern kann. Ein Video kann jahrelang online sein und erst später zum Problem werden, wenn Rechte verkauft, neu verwaltet oder anders durchgesetzt werden. Ein Archiv mit Hunderten Folgen wird dadurch zu einer Dauerbaustelle.

„This is Хорошо“ ist deshalb nicht nur ein nostalgischer Fall. Der Abschied zeigt, wie Plattformkultur, Copyright und Geschäftsmodelle ineinandergreifen. Das Format lebte davon, vorhandenes Internetmaterial in etwas Eigenes zu verwandeln. Jahre später wird genau dieses Ausgangsmaterial zum schwersten Teil des Erbes.

Davydov erwartet, dass alte Folgen eher schrittweise verschwinden als auf einen Schlag. Für Fans bedeutet das: Wer bestimmte Klassiker im Kopf hat, kann nicht davon ausgehen, dass sie dauerhaft erreichbar bleiben. Was am Ende vom Kanalarchiv übrig bleibt, hängt von weiteren Claims und den Entscheidungen des Teams ab.

Moritz Albrecht

Autor

Redakteur vom Dienst

Moritz Albrecht berichtet für Junkr über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.