Wirtschaft 5 Min. Lesezeit Von Lukas Seifert
Warum Videospiele immer teurer werden
Die Preise für Videospiele sind so unterschiedlich wie nie: Zwischen 5-Euro-Indie-Titeln und 80-Euro-Blockbustern klafft eine große Lücke. Ein Blick auf die Strategien der Publisher und die Frage, was ein Spiel wirklich kosten darf.
Die Zeiten, in denen ein neues Spiel fast immer denselben Preis hatte, sind vorbei. Wer heute in den digitalen Stores oder im Handel nach Neuerscheinungen sucht, findet eine enorme Preisspanne: von wenigen Euro für kleine Indie-Titel bis zu 80 Euro für große Blockbuster. Die Branche befindet sich in einem Umbruch, und die Preisgestaltung ist zu einem zentralen Experimentierfeld geworden.
Als neuer Standard für große AAA-Produktionen hat sich in den vergangenen Jahren die 70-Euro-Marke etabliert. Doch es gibt Ausnahmen, die zeigen, dass Publisher zunehmend flexibler kalkulieren. Nintendo etwa verlangt für Mario Kart World stolze 80 Euro – ein Preis, der offenbar darauf ausgelegt ist, Spielerinnen und Spieler zum Kauf des Switch-2-Bundles zu bewegen, in dem das Spiel rechnerisch nur rund 50 Euro kostet. Auch für Grand Theft Auto 6 hat Rockstar einen Preis von 80 Euro für die Standard Edition angekündigt. Branchenbeobachter sehen darin einen Sonderfall: Rockstar weiß, dass es sich um ein generationsprägendes Ereignis handelt, und kann sich deshalb einen Aufpreis erlauben. Ob andere Publisher diesem Beispiel folgen werden, ist offen.
Ein Grund für die zunehmende Preisvielfalt ist die stärkere Aufspaltung des Marktes. Der frühere PlayStation-Chef Shawn Layden hat kürzlich die Rückkehr des sogenannten AA-Segments gefordert – also von Spielen mit mittlerem Budget, die nicht zwangsläufig zu riesigen Blockbustern werden müssen. Dieses Segment ist in den vergangenen Jahren kleiner geworden, weil große Publisher vor allem auf profitable Großproduktionen setzen. Ganz verschwunden ist es aber nicht: Mittlere Verlage wie Atlus, Saber Interactive oder THQ Nordic füllen die Lücke und veröffentlichen Titel mit geringerem Budget und entsprechend niedrigeren Preisen. Dazu gehören etwa Warhammer 40.000: Space Marine 2, Turok Origins oder Wreckfest.
Auch bei den großen Publishern gibt es Ausnahmen von der Risikoscheu. Capcom hat in diesem Jahr mit Pragmata eine komplett neue Marke gestartet und bereits angekündigt, dass der Titel erfolgreich genug war, um eine Fortsetzung zu rechtfertigen. Das Spiel kostete 60 Euro statt der üblichen 70 Euro – ein Signal, dass auch große Konzerne wieder mehr Raum für kleinere Projekte schaffen könnten. Nintendo experimentiert ebenfalls mit unterschiedlichen Preisen: Star Fox und Splatoon Raiders kosten in der physischen Version 60 Euro, digital sind sie für 50 Euro erhältlich. Allerdings sind Nintendos Preise traditionell starr, selbst ältere Titel behalten über Jahre ihren ursprünglichen Verkaufspreis.
Das größte Preisspektrum findet sich im Indie-Bereich. Dort gibt es Spiele für weniger als fünf Euro, aber auch etablierte Marken, die bis zu 40 Euro kosten. Hades 2, einer der erfolgreichsten Indie-Titel der letzten Jahre, wurde für 30 Euro veröffentlicht – ein bewusst niedriger Preis, der den Einstieg erleichtern soll. Auch große Publisher nutzen solche Preisregionen gelegentlich: Sony veröffentlichte sowohl Marathon als auch Helldivers 2 für 40 Euro. Lucy James, Kuratorin des Newsletters LookingFor.Game und frühere Produzentin bei GameSpot, beobachtet, dass die interessantesten Entwicklungen derzeit im AAA-Bereich stattfinden. „Die Unternehmen experimentieren mit Preiserhöhungen bei manchen Spielen, aber nicht bei anderen“, sagt sie. „Spiele, die früher 60 Euro gekostet hätten, erscheinen jetzt für 50 oder 40 Euro.“
Besonders auffällig ist der Trend zu sogenannten „Friendslop“-Spielen – einfachen, oft kooperativen Titeln, die für wenige Euro angeboten werden. „Viele dieser Spiele starten in der Preisspanne von fünf bis zehn Euro“, erklärt James. „Das ist ein verlockender Preis, weniger als ein Kinoticket, und es kann leicht ein Impulskauf sein. Bei 70 oder 80 Euro überlegt man dagegen lange, ob sich die Ausgabe lohnt. Bei günstigeren Spielen ist der wahrgenommene Wert niedriger, also ist es weniger schlimm, wenn man das Spiel nach kurzer Zeit wieder beiseitelegt.“
Insgesamt ergibt sich damit ein klares Bild: Kleine, meist unabhängige Spiele kosten zwischen fünf und 40 Euro, je nach Umfang und Bekanntheit. AA-Titel, Remakes und Neuerscheinungen für ein Nischenpublikum liegen bei 50 bis 60 Euro. Und die großen Blockbuster kosten meist 70 Euro, mit gelegentlichen Ausreißern nach oben auf 80 Euro. Wie sich die Preise in den kommenden Jahren entwickeln, hängt auch davon ab, ob sich weitere Publisher an den Experimenten beteiligen – oder ob die 80-Euro-Marke zum neuen Standard wird.



