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Berkshire gibt Milliarden aus statt nur Cash zu horten
Der Buffett-Nachfolger Greg Abel hat den fast 400 Milliarden Dollar schweren Cashberg erstmals deutlich verkleinert und Milliarden in Alphabet sowie eigene Aktien gesteckt.
Fast 400 Milliarden Dollar Cash klingt wie ein Cheatcode für Unternehmen. Genau so groß war ungefähr das Liquiditätspolster von Berkshire Hathaway Ende März. Im zweiten Quartal 2026 passierte dann etwas, das Anleger lange vermisst hatten: Der Konzern begann, deutlich mehr davon auszugeben.
Berkshire kaufte Aktien für rund 23,5 Milliarden Dollar und verkaufte nur für etwa 3,7 Milliarden Dollar. Netto gingen damit ungefähr 19,8 Milliarden Dollar in den Aktienmarkt. Das ist deshalb interessant, weil Berkshire zuvor 14 Quartale in Folge netto verkauft hatte. Der Konzern war also jahrelang eher im Modus Sammeln als Shoppen.
Der größte bekannte Kauf heißt Alphabet. Eine Berkshire-Tochter investierte 10 Milliarden Dollar in neue Aktien des Google-Mutterkonzerns. Alphabet braucht riesige Summen für Rechenzentren und KI-Infrastruktur. Berkshire kaufte dabei mehr als 28 Millionen Aktien aus zwei Aktienklassen.
Das ist kein kleiner Tech-Ausflug. Zehn Milliarden Dollar sind selbst für Berkshire eine große Einzelentscheidung. Gleichzeitig passt Alphabet in ein Problem, das Berkshire bei seiner Größe hat: Kleine Ideen bringen kaum noch etwas. Wenn ein Unternehmen hunderte Milliarden Dollar verwalten muss, braucht es Investments, die sehr viel Kapital aufnehmen können.
Auch die eigenen Berkshire-Aktien landeten wieder im Warenkorb. Die Rückkäufe starteten am 4. März nach fast zwei Jahren Pause. Im zweiten Quartal gab Berkshire dafür rund 4,5 Milliarden Dollar aus. Praktisch sinkt dadurch die Zahl der ausstehenden Aktien, sodass die verbleibenden Eigentümer einen größeren Anteil am Konzern halten.
Dann gibt es noch Taylor Morrison. Berkshire vereinbarte die Übernahme des amerikanischen Hausbauers. In vielen Meldungen steht 6,8 Milliarden Dollar, aber das ist der Eigenkapitalwert. Der gesamte Unternehmenswert liegt bei rund 8,5 Milliarden Dollar. Wichtig: Der Deal wurde erst am 24. Juli abgeschlossen. Er gehört deshalb nicht einfach in die Cash-Rechnung des zweiten Quartals.
Das Ergebnis all dieser Bewegungen: Die Liquidität sank von etwa 397,4 Milliarden Dollar Ende März auf ungefähr 365 Milliarden Dollar Ende Juni. Das ist immer noch extrem viel. Berkshire hat zudem eine Sicherheitsregel: Mindestens 30 Milliarden Dollar sollen in Cash, Cash-ähnlichen Mitteln und kurzfristigen US-Staatsanleihen verfügbar bleiben.
Auch die Unternehmen unter dem Berkshire-Dach verdienen weiter kräftig. Der operative Gewinn stieg im Quartal um etwa 16 Prozent auf 12,98 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn lag bei rund 25,67 Milliarden Dollar und damit mehr als doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor. Ein Teil dieses Sprungs kam allerdings aus Anlagegewinnen, die bei Börsenbewegungen auch wieder kleiner werden können.
Warum reden jetzt alle über Strategie? Weil Greg Abel seit Anfang 2026 CEO ist. Warren Buffett hat den Chefposten abgegeben, bleibt aber Vorsitzender. Jahrzehntelang war Buffett selbst die Marke hinter fast jeder großen Investmententscheidung. Jetzt muss Berkshire beweisen, dass die berühmte Geduld auch als System funktioniert und nicht nur als Talent einer Person.
Michael Burry ist nicht überzeugt. MarketWatch berichtet, dass er Berkshire künftig nicht mehr für eine attraktive Anlage hält. Das ist eine Meinung über die Zukunft, kein Beweis dafür, dass die neuen Investments scheitern werden.
Man muss sich trotzdem nicht zwischen Fanclub und Untergang entscheiden. Ein Quartal reicht nicht, um eine ganze Investmentphilosophie umzuschreiben. Berkshire hat immer noch rund 365 Milliarden Dollar liquide Mittel. Das ist alles andere als ein All-in.
Die spannendere Veränderung ist einfacher: Das Geld bewegt sich wieder. Nach Jahren des Hortens fließt es in Alphabet, andere Aktien, Buybacks und einen großen Hausbau-Deal. Ob daraus ein neuer Dauerzustand wird, entscheidet sich erst über mehrere Jahre.
Was bedeutet so ein Cashberg eigentlich? Er ist nicht einfach ein riesiges Bankkonto, auf dem Geld nutzlos herumliegt. Berkshire hält einen großen Teil in kurzfristigen US-Staatsanleihen. Das gibt Sicherheit und macht das Geld schnell verfügbar. Der Nachteil: Wenn bessere Investments möglich wären, kann zu viel defensive Liquidität die langfristige Rendite bremsen.
Genau deshalb ist die neue Aktivität spannend. Berkshire tauscht einen Teil der maximalen Flexibilität gegen mögliche höhere Rendite. Bei Alphabet setzt der Konzern auf ein bereits riesiges Unternehmen, das Milliarden für KI-Infrastruktur braucht. Beim buyback setzt er auf sich selbst. Bei Taylor Morrison geht es um einen echten operativen Betrieb im Hausbau. Drei verschiedene Wetten, drei verschiedene Risiken.
Auch die berühmte $6,8-Milliarden-Zahl braucht Kontext. Sie bezeichnet nicht einfach «das, was Berkshire bezahlt hat und sofort aus dem Q2-Cash verschwunden ist». Der Deal wurde erst im Juli geschlossen, und der Unternehmenswert lag bei rund $8,5 Milliarden. Solche Details wirken nerdig, verhindern aber, dass aus einer komplexen Bilanzgeschichte eine falsche Additionsaufgabe wird.
Für junge Anleger ist vielleicht die wichtigste Lektion: Viel Cash ist weder automatisch gut noch schlecht. Es ist eine Option. Wer Geld hat, kann in einer Krise kaufen. Wer zu lange wartet, verpasst möglicherweise Rendite. Wer zu schnell kauft, kann zu viel bezahlen. Berkshire ist gerade interessant, weil der neue CEO genau dieses Dreieck im gigantischen Maßstab lösen muss.
Der Start der Abel-Ära hat jetzt also etwas, das sich messen lässt: weniger Cash und mehr investiertes Kapital. Ob daraus ein smarter Generationenwechsel oder nur ein auffällig aktives Quartal wird, zeigt sich erst später. Der nächste wichtige Moment ist nicht zwingend der nächste Milliarden-Deal — sondern vielleicht die Entscheidung, bei einer schlechten Gelegenheit wieder einfach nichts zu tun.


