Kultur 5 Min. Lesezeit Von Leonie Vogt
Fans fordern EA-Boykott nach Schließung von BioWare und Absage von Mass Effect
Nach der Schließung des Studios BioWare durch Electronic Arts und der Absage des nächsten Mass Effect-Teils wächst der Protest der Fans. Eine Petition hat mehr als 76.500 Unterschriften gesammelt, und in Foren wird zum Boykott aufgerufen.
Die Fans der Mass-Effect-Reihe fordern einen Boykott aller Produkte und Dienste von Electronic Arts (EA). Auslöser ist die Entscheidung des Konzerns, das Studio BioWare zu schließen und den nächsten Teil der Science-Fiction-Reihe einzustellen. Für viele Spieler ist das ein schwerer Schlag.
Am 21. Oktober hatte EA die Schließung von BioWare bekannt gegeben. Das Studio besteht seit rund 30 Jahren und gilt als einer der prägenden Entwickler von Rollenspielen im Westen. Zu seinen bekanntesten Titeln gehören Dragon Age, Jade Empire, Baldur’s Gate und eben Mass Effect. Kurz darauf teilte EA in einer Mitteilung mit, dass auch das nächste Spiel der Reihe offiziell abgesagt sei. Viele Spieler hatten auf Neuigkeiten zu diesem Projekt gewartet.
In den zwei Tagen nach der Ankündigung haben sich Fans zusammengeschlossen, um Druck auf EA auszuüben. Sie verlangen, dass der Konzern zumindest die Rechte an BioWares geistigem Eigentum an andere Studios verkauft, statt die Marken brachliegen zu lassen. Auf Reddit rufen mehrere Threads unter dem Hashtag #savemasseffect dazu auf, sich zu beteiligen und die Stimme zu erheben. Ein Nutzer schrieb, man müsse jetzt handeln, bevor das Thema an Aufmerksamkeit verliere und die Serie endgültig verschwinde. Ein anderer forderte eine Bewegung, die EA mit Nachrichten überhäufen solle, damit das Spiel fertiggestellt werde.
Besonders deutlich wird der Unmut in Beiträgen, die einen Boykott ausrufen. Ein Fan schrieb unter dem Titel „EA Boycott!“, Mass Effect gehöre zu den besseren Rollenspielen unserer Zeit. Solange das Franchise nicht an ein anderes Studio verkauft oder zurückgebracht werde, werde er kein Produkt von EA mehr kaufen. Der Beitrag nennt zahlreiche Marken des Konzerns, darunter Respawn Entertainment, DICE, Motive Studios, Criterion Games, Maxis, Full Circle, Cliffhanger Games und die EA-Sports-Titel. Er zeigt, wie breit der Protest inzwischen angelegt ist.
Parallel dazu läuft eine von Fans initiierte Petition. Sie fordert EA auf, die Rechte an den Marken an andere Entwickler zu verkaufen oder die Entwicklung von Mass Effect 5 an ein anderes Studio zu übergeben. Zum Zeitpunkt der Berichterstattung hatte die Petition mehr als 76.500 Unterschriften gesammelt, und es kamen immer weitere hinzu. Auch Branchenveteranen und Synchronsprecher aus den Mass-Effect-Spielen haben sich öffentlich geäußert und hoffen, das Spiel doch noch in die Läden zu bringen.
Der Nachfolger, der intern unter dem Namen Mass Effect Universe geführt wurde, scheint bereits weit in der Entwicklung gewesen zu sein. Ein vollständiger Trailer, der am Vortag online geleakt wurde, zeigte laut Berichten, wie weit das Projekt gediehen war. Viele Spieler hatten erwartet, dass das Spiel genau das liefern würde, was sie sich gewünscht hatten. Branchenanalysten und frühere BioWare-Verantwortliche halten es jedoch für unwahrscheinlich, dass EA auf die Forderungen der Fans eingeht.
Ein weiterer Aspekt betrifft den Inhalt des geplanten Spiels. Laut dem Content-Creator Dantics, der in einer Feedback-Gruppe von Videoerstellern das kleine BioWare-Team beraten hatte, sollte sich der Tonfall deutlich vom Vorgänger unterscheiden. Statt galaktischer Kriege standen verdeckte Operationen, Spionage und gelegentliche Schießereien im Vordergrund. Die Handlung sollte rund 600 Jahre nach dem Reaper-Krieg spielen. Die Spielerfigur, ein anpassbarer N7-Agent, sollte mehr auf List als auf Waffengewalt setzen, und das Arsenal war deutlich kleiner gehalten. Dantics beschrieb den Stil als Mischung aus John Wick und James Bond. Zudem hätte das Spiel Verbindungen zwischen der Milchstraße und der Andromeda-Galaxie enthalten, unter anderem durch Relaisstrukturen der Geth. Der Protest der Fans zeigt damit auch, wie stark die Bindung an eine Spielreihe sein kann, deren Zukunft nun offen ist.
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