Kultur 4 Min. Lesezeit Von Marlene Brandt
Biddy Blas aus Star Wars: Galactic Racer wird zum Internet-Phänomen
Der kleine reptilienartige Rennfahrer Biddy Blas aus Star Wars: Galactic Racer entwickelt sich dank unzähliger Memes und Fan-Videos zum viralen Star – und überstrahlt damit sogar die Bewertungen des Spiels. Sprecher Richard Summers-Calvert und Narrative Director Nathaniel Daw erklären, wie aus einer riskanten Improvisation eine der beliebtesten Figuren des Jahres wurde.
Biddy Blas, der kleinwüchsige Crocin-Rennfahrer aus Star Wars: Galactic Racer, hat sich innerhalb kürzester Zeit in einen der größten Internetstars des Jahres verwandelt. Fan-Videos, Memes und liebevoll absurde Sketche überschwemmen die sozialen Netzwerke und erreichen offenbar mehr Menschen als die wohlwollenden Kritiken des Spiels selbst. Die Figur, die mit ihrer schrillen Huttese-Stimme und ihrem überdimensionierten Ego für Aufsehen sorgt, wirkt dabei fast wie ein unfreiwilliges Marketinginstrument für den Titel.
Hinter der Stimme steckt der Schauspieler und Filmemacher Richard Summers-Calvert, der im Gespräch mit GameSpot erklärte, er habe schon während der Aufnahmen gespürt, dass hier etwas Besonderes entsteht. «Ich wusste, dass wir etwas geschaffen haben, das die Leute wirklich genießen würden», sagte er. «Und ich wusste, dass Blas sie ziemlich nerven würde.» Ein früher Instagram-Beitrag, in dem er vage von einer «wirklich schönen Session» schwärmte, wirke heute wie eine Prophezeiung. Dass der Hype derart positiv ausfallen würde, habe er dennoch nicht geahnt.
Auch Nathaniel Daw, Music and Narrative Director des Spiels, erinnert sich lebhaft an die ersten Aufnahmen. Die frühen Skripte trugen Codewörter, um das Star-Wars-Projekt geheim zu halten, und gaben Summers-Calvert kaum Anhaltspunkte – außer der Beschreibung einer winzigen Gestalt mit gewaltigem Selbstbewusstsein. Mitten in der Session habe der Schauspieler plötzlich ein markerschütterndes Lachen ausgestoßen, das heute als Biddys Markenzeichen gilt. «In dem Moment wussten wir: Das ist die Energie, die wir brauchen», so Daw. «Dieser manische, ständige Selbstbetrug – in seinem Kopf ist er der Beste, der je gelebt hat.»
Für Summers-Calvert war der mutige Auftritt zunächst ein Risiko. «Ich hatte keine Ersatzstimme geplant», sagte er. Als das Team lachte, habe er kurz gedacht: «Oh nein, was habe ich getan?» Doch die Reaktion sei positiv gewesen, und genau solche gewagten Entscheidungen führten oft zu den besten Performances. Der Kontrast zwischen der kleinen Erscheinung und der überbordenden Persönlichkeit mache Blas sofort komisch – eine Art Hofnarr, eine Rolle, mit der Summers-Calvert vertraut ist.
Denn der Schauspieler tritt auch als Profi-Wrestler unter dem Namen Charles Crowley auf, wo er als «Imp des professionellen Wrestlings» mit auffälligem Make-up, extravaganten Outfits und einem gehörnten Zylinder antritt. Statt der stärkste oder schnellste Wrestler zu sein, wolle er Charisma als Superkraft einsetzen. Diese Überzeugung prägt auch seine Arbeit an Biddy Blas. Dass er nicht mit diesem Selbstbewusstsein geboren wurde, betont Summers-Calvert selbst: Als Teenager sei er schüchtern und unbeholfen gewesen. Der frühe Tod seiner Mutter, einer Stuntfrau, Stand-up-Comedienne und Schauspielerin, als er 16 war, habe ihn jedoch gelehrt, ihre Energie und Lebensfreude in sich zu tragen. «Ich wollte diesen Teil von mir und diesen Teil von ihr umarmen», sagte er. «Ja, es kann albern wirken, aber mach es einfach – so wie Biddy.»
Diese Haltung zeigt sich auch im Umgang mit dem Internet-Hype. Auf Instagram und X reagiert Summers-Calvert freudig auf unzählige Blas-Witze und Fan-Kreationen. Besonders überrascht habe ihn eine offizielle PlayStation-Aktion, die die Figur aufgriff – ein Zeichen dafür, wie sehr der kleine Rennfahrer inzwischen über das Spiel hinausgewachsen ist. Für die Macher ist Biddy Blas damit ein Beispiel dafür, wie eine einzelne Figur mit der richtigen Mischung aus Wagemut, Charisma und Selbstironie eine ganze Community begeistern kann.
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