Kultur 4 Min. Lesezeit Von Leonie Vogt
Nach BioWare-Aus: Shepard-Sprecherin Jennifer Hale hofft auf Mass Effect
Nach der Schließung von BioWare und der Absage des neuen Mass Effect reagiert Sprecherin Jennifer Hale mit Hoffnung. Eine Petition sammelt bereits über 65.000 Unterschriften, während Details zum eingestellten Spiel durchsickern.
Die Schließung des traditionsreichen Entwicklerstudios BioWare und die damit verbundene Absage des neuen Mass Effect haben in der Gaming-Community eine Welle der Trauer und des Protests ausgelöst. Besonders emotional reagiert Jennifer Hale, die Stimme von Commander Shepard aus der Originaltrilogie. Angesichts der durchgesickerten Szenen des Projekts, das offenbar den Namen Mass Effect Universe tragen sollte, sagte Hale: «Es ist außergewöhnlich.» Sie ergänzte: «Ich hege die Hoffnung, dass ein Wunder geschieht. Diese Community und ihr unglaublichen Fans habt das und noch mehr verdient.»
Die Wut und Enttäuschung der Anhänger entlädt sich derzeit in einer Online-Petition auf mit dem Titel «Save Mass Effect». Die Initiatoren fordern Publisher EA auf, «entschlossen zu handeln und sich zur Fortsetzung der Entwicklung von Mass Effect zu verpflichten». Mehr als 65.000 Menschen haben die Petition bislang unterzeichnet. Der finanzielle Hintergrund der Schließung ist indes ernüchternd: Alle großen Veröffentlichungen von BioWare im vergangenen Jahrzehnt – Mass Effect: Andromeda, Anthem und Dragon Age: The Veilguard – enttäuschten die kommerziellen Erwartungen. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist die Schließung des Studios daher nachvollziehbar, für die Millionen Fans der Marke jedoch ein herber Schlag.
Unterdessen sind neue Details zum eingestellten Mass Effect durchgesickert, die das Aus umso schmerzhafter machen. Wie der YouTube-Content-Creator Dantics berichtet, der als Mitglied des externen Mass Effect Council Einblick in die Entwicklung hatte, sollte das Spiel über 600 Jahre nach dem Reaper-Krieg spielen. Der Held oder die Heldin wäre ein individualisierbarer Agent mit experimenteller Technologie im Körper gewesen, vergleichbar mit einer Mischung aus John Wick und James Bond. Spielerinnen und Spieler hätten die Umgebung hacken, durch Wände sehen und tödliche Nahkampfmanöver ausführen können. Die Missionen sollten handgefertigt sein, aber eine «Hitman-artige Freiheit» bei der Herangehensweise bieten. Die Galaxie wäre in drei große Fraktionen geteilt gewesen – ein «galaktischer Kalter Krieg» statt einer erneuten Invasion. Auch die Rückkehr der beliebten Figur Liara als mächtige Asari-Matriarchin war offenbar geplant.
Die Reaktionen aus der Branche fallen unterschiedlich aus. Der Komponist Bear McCreary, bekannt für seine Arbeit an God of War und Call of Duty, zeigte sich zwar offen für die Idee, dass die entlassenen Entwickler das Projekt per Crowdfunding als «geistigen Nachfolger» vollenden könnten, hält dies aber für unrealistisch. «Ich will es glauben. Aber wie viele Beispiele gibt es, dass das wirklich funktioniert hat? Und wie viele davon waren ein Projekt von der Größe von Mass Effect?», so McCreary. Der kanadische Politiker Avi Lewis forderte unterdessen staatliche Unterstützung, damit die Beschäftigten das Studio selbst zurückkaufen können. «Das ist Private Equity, das ist es, was sie tut: Unternehmen aufkaufen, zugrunde richten und für kurzfristigen Profit auseinanderreißen», sagte Lewis.
Die Schließung von BioWare ist Teil einer umfassenderen Umstrukturierung bei EA. Der Publisher war zuvor an ein Investorenkonsortium verkauft worden, dem unter anderem der saudische Staatsfonds Public Investment Fund, Silver Lake und Affinity Partners angehören. Im Zuge dieser Neuordnung baute EA Stellen ab, strich Spiele und fuhr andere Bereiche zurück, während der Konzern mit einem umfangreichen Schuldenrückzahlungsplan konfrontiert ist. Das neue Mass Effect war bereits im Jahr 2020 angekündigt worden und befand sich seither in einer frühen Entwicklungsphase. Eine Mass-Effect-Serie für Prime Video bleibt indes weiterhin in Arbeit.
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