Kultur 4 Min. Lesezeit Von Marlene Brandt
«Buddy»: Casper Kellys neuer Film ist der wahre Nachfolger von «Too Many Cooks»
Casper Kelly, Regisseur des Kult-Kurzfilms «Too Many Cooks», bringt mit «Buddy» einen neuen Horrorfilm in die Kinos, der als harmlose Kindersendung beginnt und in einen surrealen Albtraum abgleitet. Der Film startet am 28. August in den deutschen Kinos.
Mit «Buddy» liefert Regisseur Casper Kelly den lang erwarteten geistigen Nachfolger seines Kult-Kurzfilms «Too Many Cooks» ab. Der Film startet am Freitag, den 28. August, in den Kinos und präsentiert sich zunächst als Folge einer verlorenen Kindersendung im Stil von «Barney & Friends», bevor er in einen clever inszenierten Abstieg in den Wahnsinn übergeht. Kelly, der 2014 mit «Too Many Cooks» für Aufsehen sorgte, als der Kurzfilm mitten in der Nacht auf Adult Swim ausgestrahlt wurde, nutzt auch diesmal die süßlichen Elemente des Kinderfernsehens als Vehikel für eine düstere und subversive Geschichte.
Im Zentrum steht Buddy, ein orangefarbenes Einhorn, gesprochen von Keegan-Michael Key, das liebevoll auf eine Gruppe von Kindern aufpasst, die ihre Zeit in einem Clubhaus verbringen. Gemeinsam mit anderen vermenschlichten Gegenständen bringt Buddy den Kindern angeblich wichtige Lektionen bei, etwa über Tanzen oder den verantwortungsvollen Umgang mit Haushaltsreinigern. Doch schon bald wird klar, dass hinter der freundlichen Fassade weitaus bösartigere Absichten stecken. Key gelingt es dabei meisterhaft, die liebevolle Stimme des Einhorns mit einer unterschwelligen Bedrohung zu unterlegen, sodass die ersten Gewaltausbrüche überraschend und unangenehm wirken.
Die junge Schauspielerin Delaney Quinn überzeugt als Freddy, ein Kind, das schnell das Interesse an Buddy verliert und dessen Neugier die Handlung vorantreibt. Quinns schauspielerische Kontrolle ist bemerkenswert, da sie den Ton des Films nie überzieht. Auch die Nebenfiguren, darunter Strappy (Patton Oswalt), Mr. Mailbox (Eric Bauza) und Charlie the Train (Michael Shannon), tragen zur düsteren Atmosphäre bei. Oswalt sticht dabei besonders hervor, da er jeder seiner wenigen Zeilen Gewicht verleiht. Shannon übernimmt gleich zwei Rollen und ist Teil eines Cameo-Auftritts, der eine andere Art von Kinderprogramm parodiert und in einem ohnehin schon absurden Film besonders verrückt wirkt.
Die Produktionsgestaltung von Anna Kathleen und das Puppendesign von Devon Hawkes Ludlow sind entscheidend für den Erfolg des Films. Die grellen Primärfarben und die klobige, cartoonhafte Optik des Sets treffen genau den Ton von Kellys offensichtlichen Inspirationen, ohne dass ein einzelnes Element zu dominant wirkt. Ludlows Puppenarbeit bietet eine äußerst ansprechende Fassade, die im Inneren Platz für allerlei Eingeweide und Widerwärtigkeiten lässt, die immer wieder befriedigend ans Licht kommen. Die Musik, erneut von Shawn Coleman komponiert, der schon für «Too Many Cooks» die Ohrwurm-Melodien schrieb, ist ein weiterer wichtiger Bestandteil der Identität des Films.
Trotz der klaren und starken Tonalität hat «Buddy» mit einem Pacing-Problem zu kämpfen. Die frühe Betonung der visuellen Sprache von Kindersendungen nutzt sich schnell ab, und die 96-minütige Laufzeit fühlt sich streckenweise länger an, als sie ist. Die Handlung, in der die Kinder zunehmend hinterfragen, warum sie so viel Zeit in Buddays Clubhaus verbringen, führt zu einem Stop-and-Start-Rhythmus, der die Dynamik des Films beeinträchtigt. Zudem fallen bei genauem Hinsehen visuelle Inkonsistenzen auf, etwa wenn das im 4:3-Format gedrehte Buddy-Fernsehprogramm später auf modernen 16:9-Bildschirmen gezeigt wird. Dennoch beweist Kelly mit «Buddy», dass er weiterhin an der Spitze seines Fachs steht, wenn es darum geht, lächelnde, leere Positivität in einen dunklen Funhouse-Spiegel zu verwandeln.



