Technologie 3 Min. Lesezeit Von Lukas Seifert
PlayStation argumentiert: „Vernünftige Verbraucher“ wissen, dass sie digitale Spiele nicht besitzen
Sony verteidigt sich in einem Klassenrechtsstreit mit dem Argument, dass „vernünftige Verbraucher“ bereits wüssten, dass sie digitale Spiele nur als Lizenz erwerben. Der Konzern treibt derweil seinen Plan voran, physische Discs bis 2028 abzuschaffen – und reagiert mit einer neuen Richtlinie gegen Kundenbelästigung auf den wachsenden Unmut.
Im Rechtsstreit um den digitalen Spieleverkauf beruft sich Sony auf die Einsicht der Käufer: „Vernünftige Verbraucher“ wüssten bereits, dass sie digitale Spiele nicht tatsächlich besitzen, argumentieren die Anwälte des Konzerns. Die Aussage fällt inmitten der Pläne des Unternehmens, die Produktion physischer Spiel-Discs einzustellen – ein Schritt, der bei Spielerinnen und Spielern für erheblichen Unmut sorgt.
Hintergrund ist eine Sammelklage gegen Sony, die dem Unternehmen vorwirft, nicht klar genug zu kommunizieren, dass Käufer im PlayStation Store lediglich eine widerrufliche Lizenz erwerben und kein Eigentum am Spiel. Sonys Verteidigung: Im digitalen Zeitalter sei es „nicht plausibel“ anzunehmen, dass vernünftige Verbraucher beim Kauf eines digitalen Spiels von Eigentum ausgingen. Die Klage ist Teil einer Reihe rechtlicher Auseinandersetzungen, mit denen sich der Konzern konfrontiert sieht.
Parallel dazu hat Sony Japan eine neue Richtlinie gegen Kundenbelästigung veröffentlicht. Das Papier, das Anfang September auf der offiziellen Website erschien, listet Beispiele für unangemessenes Verhalten auf – darunter wiederholte oder überzogene Forderungen, Beleidigungen, Drohungen sowie unerlaubte Besuche in Unternehmensräumen. Bei Verstößen droht Sony, den Kundenservice einzuschränken oder rechtliche Schritte einzuleiten. Das Unternehmen betont, die Würde und Sicherheit der Mitarbeiter schützen zu wollen.
Die Maßnahme folgt auf heftige Kritik an der Entscheidung, die Disc-Produktion bis Januar 2028 einzustellen. Auch der Umgang mit der laufenden Klage sorgte für Diskussionen. Sony ist damit eines von mehreren japanischen Unternehmen, die ihre Belegschaft stärker absichern. Ein im Oktober 2025 verabschiedetes Gesetz verpflichtet Arbeitgeber im Land, Maßnahmen gegen Belästigung durch Kunden zu ergreifen – ein kultureller Wandel weg vom Grundsatz „Der Kunde ist König“ hin zu mehr Arbeitnehmerschutz.
Neben der US-Klage sieht sich Sony mit weiteren juristischen Problemen konfrontiert. Eine niederländische Verbraucherorganisation und die Bewegung „Stop Killing Games“ haben gemeinsam Klage eingereicht, weil Sony auf dem holländischen PlayStation Store höhere Preise verlangt als in anderen Ländern. In Mexiko wiederum werfen Gesetzgeber dem Unternehmen „wettbewerbswidrige Praktiken“ vor, da der PlayStation Store als einzige Bezugsquelle für digitale Spiele den Wettbewerb mit anderen Händlern einschränke.
Ungeachtet des Widerstands hält Sony an seiner Strategie fest. Finanzvorstand Lin Tao kündigte an, den Plan zur Abschaffung der Discs trotz „starker Meinungen“ der Spieler „vorsichtig voranzutreiben“. Die Zukunft des Unternehmens liegt demnach klar im digitalen Vertrieb – auch wenn die rechtlichen und öffentlichen Debatten darüber noch längst nicht abgeschlossen sind.



