Kultur 4 Min. Lesezeit Von Marlene Brandt
Yakuza 0 bleibt auch elf Jahre nach Release ein perfektes Wohlfühlspiel
Ein Redakteur von IGN erklärt, warum Yakuza 0 auch nach elf Jahren noch immer ein großartiges Spiel ist. Die Mischung aus ernster Yakuza-Soap und absurden Nebenmissionen sowie die 80er-Jahre-Ästhetik machen den Titel zum perfekten Wohlfühlspiel.
Yakuza 0 ist auch elf Jahre nach seiner Veröffentlichung ein herausragendes Spielerlebnis. Das findet zumindest Justin Davis, Redakteur bei IGN, der das Spiel nun zum dritten Mal durchgespielt hat. In einem persönlichen Rückblick beschreibt er, wie ihn der Titel immer wieder in seinen Bann zieht – besonders in stressigen Zeiten.
Davis, der seit 15 Jahren bei IGN arbeitet und dort das Redaktionsteam leitet, erzählt, dass er das Spiel nicht bewusst ausgewählt habe. Nach langen Arbeitstagen, vollen Messen und dem Stress der Spielebranche habe sich sein Gehirn einfach abgeschaltet und der Steam-Download sei gestartet. Schon wenige Minuten später lief das ikonische Intro des Spiels. Ein Teil seiner Spielzeit verbrachte er sogar auf Flügen zur Gamescom, wo er sich fragte, was sein Sitznachbar im Anzug wohl von den Kämpfen und Verfolgungsjagden auf seinem Bildschirm hielt.
Nicht alles an dem Spiel hat beim erneuten Durchspielen gleich gut gealtert. Davis erinnert sich an ein extrem langsames, gesprächiges und stark von Tutorials geprägtes Intro, das sich gefühlt ewig hinzieht. Auch die seltsamen sepiafarbenen, nicht animierten Zwischensequenzen mit Sprachausgabe seien ein Stolperstein. Doch genau hier liege auch eine Stärke des Spiels: Fans nennen die Serie liebevoll „Asset-Reuse: The Game“, weil viele Schauplätze und Elemente in den verschiedenen Teilen wiederverwendet werden. Dadurch erlebe man, wie die fiktiven japanischen Stadtviertel wie Kamurocho von Spiel zu Spiel verfallen und sich modernisieren. Diese Stadt sei wie eine Figur, die man immer wieder besuchen wolle.
Ein großer Teil des Reizes von Yakuza 0 liegt für Davis in der Ästhetik der 1980er-Jahre. Das Spiel spielt auf dem Höhepunkt der japanischen Immobilienblase, als die Grundstückspreise in wenigen Jahrzehnten um bis zu 5.000 Prozent stiegen. Neonlichter, schicke Anzüge, dekadentes Nachtleben, Tanzen, Karaoke und edle Cabaret-Clubs prägen die Atmosphäre. Geld spielt eine zentrale Rolle: Man schlägt es seinen Gegnern buchstäblich aus dem Leib, als wären sie Geld-Piñatas, und es dient gleichzeitig als Highscore.
Die besondere Stärke der Serie sieht Davis in der Balance zwischen der ultra-ernsten Yakuza-Seifenoper der Hauptgeschichte und den völlig absurden Nebenmissionen. Man könne einem Rivalen eine Minute lang ein Fahrrad über den Kopf ziehen und im nächsten Moment ein Huhn anheuern, um Teile eines Immobilienimperiums zu verwalten. Diese Mischung mache das Spiel zu einem perfekten „Comfort Food“-Erlebnis, zu dem man immer wieder zurückkehren kann.
Für Davis war der Moment entscheidend, als Kiryu und Nishiki sich in einer Schlüsselszene die Hemden vom Leib reißen und ihre unvollständigen Rücken-Tattoos im Neonlicht von Kamurocho glänzen. Diese Mischung aus Pathos, Freundschaft und Stil habe ihn dazu gebracht, seine Gedanken zum Spiel aufzuschreiben. Yakuza 0 sei ein Spiel, das man auch nach über einem Jahrzehnt noch lieben könne – trotz einiger holpriger Stellen.



