Technologie 3 Min. Lesezeit Von Moritz Albrecht
CD Projekt räumt Fehler bei Cyberpunk-2077-Start ein
CD-Projekt-Chef Michał Nowakowski gibt zu, dass die Veröffentlichung von Cyberpunk 2077 im Dezember 2020 im unfertigen Zustand „mit Sicherheit falsch“ war. Er widerspricht jedoch der Theorie, dass Investoren das Studio zum Launch gedrängt hätten.
CD-Projekt-Co-CEO Michał Nowakowski hat eingeräumt, dass die Veröffentlichung von Cyberpunk 2077 im Dezember 2020 im damals schlechten technischen Zustand „mit Sicherheit falsch“ war. Gegenüber The Game Business erklärte er, es gebe „kein Leugnen“ daran, dass die Entscheidung zum Launch ein Fehler gewesen sei. Zugleich widersprach er jedoch der verbreiteten Annahme, das Studio habe das Spiel wegen des Drucks von Investoren vorzeitig herausgebracht.
Das Rollenspiel war bei seinem Erscheinen am 10. Dezember 2020 von zahlreichen technischen Problemen geplagt, darunter Abstürze und Performance-Schwierigkeiten auf Konsolen. Sony zog daraufhin die seltene Konsequenz, das Spiel vorübergehend aus dem PlayStation Store zu nehmen. Tausende Spieler forderten Rückerstattungen. Nowakowski sagte, die COVID-19-Pandemie sei ein Faktor für den desolaten Zustand gewesen, weil „das Team auf eine andere Art und Weise erschöpft war“. Auch hätten Außenstehende und Fans auf einen Launch gedrängt, und die Entwickler selbst hätten das Projekt „unbedingt fertigstellen“ wollen, da die langwierige Entwicklung „wirklich ermüdend“ gewesen sei.
Die These, dass Finanzinvestoren das Studio zu einem bestimmten Termin gedrängt hätten, wies Nowakowski zurück. „Es gab keine magischen Investoren, die uns gesagt haben: ‚Ihr müsst das jetzt rausbringen‘“, sagte er. Die Entscheidung sei „viel komplexer und psychologischer“ gewesen. Da CD Projekts Geschäftsjahr dem Kalenderjahr folgt und am 31. Dezember endet, hatte der Launch kurz vor Jahresfrist Spekulationen ausgelöst, das Studio habe einen Aufschub auf 2021 vermeiden wollen, um die Bilanz zu stützen. Dafür gibt es in der Branche durchaus Präzedenzfälle, doch Nowakowski bestritt einen solchen Zusammenhang.
Trotz des holprigen Starts war Cyberpunk 2077 kommerziell ein großer Erfolg. Kurz nach der Veröffentlichung wurden fast 14 Millionen Exemplare verkauft, was das Spiel zu einem der erfolgreichsten Rollenspiele der Geschichte machte. Führungskräfte und Entwickler von CD Projekt erhielten Millionen-Boni, die an den Verkaufserfolg gekoppelt waren. In den folgenden Jahren besserte das Studio das Spiel mit zahlreichen Updates auf, darunter das umfangreiche 2.0-Update im Jahr 2023, das gemeinsam mit der Erweiterung Phantom Liberty erschien. Bis heute wurden mehr als 40 Millionen Kopien von Cyberpunk 2077 abgesetzt.
Der kommerzielle Erfolg ebnete den Weg für eine Fortsetzung. Cyberpunk 2 befindet sich in Entwicklung, dürfte aber noch Jahre von der Veröffentlichung entfernt sein. Zuvor stehen bei CD Projekt andere Projekte an: In diesem Jahr erscheint The Witcher 3: Remastered, für 2027 ist die Erweiterung Songs of the Past für The Witcher 3 geplant und 2028 soll The Witcher 4 folgen. Fans, die auf das Remake des ersten Witcher-Teils warten, müssen sich derweil weiter gedulden. Zudem kündigte Microsoft an, dass Cyberpunk 2077 demnächst aus dem Xbox Game Pass verschwinden wird.



