Kultur 4 Min. Lesezeit Von Lukas Seifert
Paradox zeigt „Afterworld“: Erster Blick auf das neue Grand-Strategy-Spiel
Paradox Interactive hat erstmals „Afterworld“ vorgespielt, das erste neue Grand-Strategy-Franchise seit „Imperator: Rome“. Der Early-Access-Build ist noch sehr früh, zeigt aber ein ambitioniertes Konzept aus RTS- und Strategie-Elementen in einer postapokalyptischen Welt.
Paradox Interactive hat mit „Afterworld“ sein erstes neues Grand-Strategy-Franchise seit „Imperator: Rome“ aus dem Jahr 2019 angekündigt. Das Spiel spielt in einer nahen Zukunft Nordamerikas, das von einer bewusst vage gehaltenen Katastrophe verwüstet wurde. Es kombiniert Echtzeit-Strategie mit Grand-Strategy-Elementen und erlaubt es den Spielerinnen und Spielern, die Welt nach ihren eigenen Vorstellungen wieder aufzubauen – von Terraforming bis hin zu Kannibalismus.
Eine erste Vorschauversion wurde nun der Presse gezeigt. Der Build ist ausdrücklich als Alpha zu verstehen und wirkt an vielen Stellen noch unfertig. Mehrere Systeme, darunter der Kampf, durften noch nicht gezeigt werden. Die Entwickler betonten, dass sie das Spiel jetzt in die Hände der Öffentlichkeit geben, um frühzeitig Feedback zu sammeln, bevor die Systeme endgültig festgezurrt werden. Dennoch war der Eindruck gemischt: Die Grundstruktur ist erkennbar – man besiedelt die Ödnis, interagiert mit rivalisierenden Fraktionen und muss sich mit internen Konflikten auseinandersetzen – aber die Balance ist noch nicht ausgereift.
Das Spiel beginnt mit der Auswahl einer Herkunft für die eigene Gruppe von Überlebenden, ähnlich wie in „Stellaris“. In der Vorschauversion war nur die Herkunft der „Shelterborn“ verfügbar, die an die Vault-Bewohner aus „Fallout“ erinnern. Sie haben rund 100 Jahre unter der Erde verbracht und müssen nun an die Oberfläche, weil ihre Lebenserhaltungssysteme versagen. Eine kurze Entscheidungssequenz im Stil von „Choose Your Own Adventure“ legt fest, ob die Gruppe als nostalgische Wiederaufbauer das alte Amerika restaurieren will oder als blutrünstige Kannibalen auftritt.
Diese Entscheidungen prägen Traditionen, Werte und Bräuche der Gruppe. Traditionen bestimmen die Basiswerte, etwa wie gut die Gruppe im Überleben oder im langfristigen Heimaufbau ist. Werte spiegeln die Haltung zu Ideologien wider: „Reclamation“ steht für den Wiederaufbau Amerikas, „Wanderlust“ für einen nomadischen Lebensstil, der es erlaubt, Siedlungen zu packen und zu verlegen. Bräuche erklären, woher Traditionen und Werte kommen, und können im Laufe des Spiels durch Stolz oder Traumata erworben werden.
Um die Ödnis zu zähmen, müssen weitere Gruppen rekrutiert oder erobert werden. Diese bringen eigene Werte mit, die mit den eigenen kollidieren können und den Zusammenhalt der größeren Gemeinschaft beeinflussen. Werden die Konflikte nicht gelöst, droht eine Krise. Assimilierte Gruppen sind der einzige schnelle Weg, um Arbeitskräfte für Ressourcen, Industrie, Krieg und Logistik zu gewinnen. Daraus entwickelt sich ein Regierungssystem, in dem Gruppen in herrschende Eliten, vollwertige Bürger, unterdrückte Unterschicht und – je nach Werten – sogar Sklaven aufgeteilt werden können.
Die mächtigsten Akteure in der Ödnis sind die „Ancients“, riesige Gestalten, die als die faszinierendsten Bewohner der Einöde beschrieben werden. Während die eigenen Ranger die zerstörte Welt erkunden, treffen sie auf diese Wesen, deren Rolle im Spiel noch weitgehend im Dunkeln liegt. Die Vorschauversion ließ viele Fragen offen, machte aber deutlich, dass „Afterworld“ ein komplexes Systemgeflecht bietet, wie man es von Paradox gewohnt ist.
Ob das Spiel noch in diesem Jahr erscheint, ist unklar. Die Entwickler selbst deuteten an, dass eine Veröffentlichung vor dem vierten Quartal des nächsten Jahres unwahrscheinlich ist. Die Vorschau endete mit der Hoffnung, dass das Team sich die nötige Zeit nimmt, um das Spiel in einen Zustand zu bringen, der den hohen Erwartungen der Fans gerecht wird.



