Kultur 3 Min. Lesezeit Von Lukas Seifert
DayZ-Schöpfer Dean Hall: „Es war, als würde ich sterben“
Dean Hall, Erfinder des Zombie-Survival-Spiels DayZ, spricht über die zwiespältigen Gefühle gegenüber seinem größten Erfolg. Der Mod-Entwickler beschreibt, wie der Hype sein altes Leben beendete und warum er sich selbst bis heute als Modder sieht.
Dean Hall, der Schöpfer des Zombie-Survival-Spiels DayZ, hat in einem Interview mit PC Gamer über die ambivalente Beziehung zu seinem größten Erfolg gesprochen. Der Neuseeländer, der heute das Studio RocketWerkz leitet, verglich den Durchbruch des Spiels mit einem einschneidenden Erlebnis: „Als DayZ passierte, war es, als würde ich sterben. Es beendete mein altes Leben. Meine Beziehung zu allen, die ich bis dahin kannte, hat sich komplett verändert.“
DayZ entstand 2012 als Modifikation für das Militär-Simulationsspiel Arma 2 und dessen Erweiterung Operation Arrowhead. Die Mod, die Spieler in eine von Zombies überrannte post-sowjetische Landschaft versetzte, wurde binnen weniger Monate zu einem Phänomen. Millionen Spieler stürzten sich auf das Survival-Erlebnis, das durch permantenten Charaktertod und knappe Ressourcen bestach. Der Erfolg war so überwältigend, dass der damalige Arma-2-Entwickler Bohemia Interactive nur wenige Monate später eine eigenständige Version ankündigte – mit Hall als Projektleiter.
Trotz des Ruhms betont Hall, dass er sich nie als klassischer Spieleentwickler gesehen habe. „Die Leute denken, ich bin ein Spieleentwickler, der aus einem Modder hervorgegangen ist, aber ich würde sagen, ich bin ein Modder, der tagsüber Spiele macht“, erklärte er. „Ich wurde als Modder geboren und werde als Modder sterben. Wenn es eine Lektion für angehende Spieleentwickler gibt, dann ist es: Moddet Spiele. Ihr lernt dabei sogar schneller, als wenn ihr selbst Spiele entwickelt.“
Im Februar 2014 zog sich Hall aus der Projektleitung von DayZ zurück und gründete sein eigenes Studio RocketWerkz. Seitdem veröffentlichte das Unternehmen unter anderem die VR-Strategie Out Of Ammo und die Weltraum-Überlebenssimulation Icarus. Aktuell arbeitet das Team an Kitten Space Agency, einer Raumfahrt-Simulation, die gleichzeitig als Proof of Concept für Halls Modell der beitragsbasierten Entwicklung dient. „Kitten Space Agency ist komplett kostenlos“, sagte Hall. „Es wird vollständig durch Beiträge finanziert. Das stellt die Spieler vor die Frage: Wenn du willst, dass dieses Spiel existiert, wie viel ist es dir wert? Denn es liegt ganz bei dir.“
Hall, der seine Karriere als Modder begann, sieht in diesem Modell eine direkte Fortsetzung seiner Wurzeln. Die Community entscheidet durch ihre Zahlungsbereitschaft, ob und wie das Spiel weiterentwickelt wird. Obwohl er den Erfolg von DayZ nie wiederholen konnte, bleibt er dem Prinzip treu, Spiele gemeinsam mit der Community zu entwickeln. „Ich habe das Machen der Mod geliebt, und ich liebe dieses Gefühl, und ich jage ihm seitdem hinterher“, gestand er.



