Abdul El-Sayed hat die Vorwahl der Demokraten um den Senatssitz in Michigan gewonnen. Der progressive Kandidat setzte sich in einem hart umkämpften Rennen durch und führt die Partei bei den Kongresswahlen im Herbst an. Donald Trump greift ihn bereits an – der Wahlkampf droht zum Richtungsstreit über die Zukunft der US-Demokraten zu werden.
El-Sayed rief nach seinem Sieg zum Kampf gegen Trump auf. Seine wichtigsten Wahlversprechen: eine staatliche Krankenversicherung und ein Stopp von Waffenlieferungen an Israel. Damit spricht er vor allem den linken Flügel der Partei an. Dieser Flügel hat in Michigan in den vergangenen Jahren deutlich an Einfluss gewonnen.
Die Vorwahl, zunächst als Randnotiz eingestuft, entwickelte sich zu einem national beachteten Machtkampf. Was zunächst wie eine unwichtige Vorwahl wirkte, entpuppte sich als Gradmesser für ein grundlegendes Problem der Demokraten. Michigan zählt zu den umkämpftesten Bundesstaaten: Beide Parteien müssen dort um nahezu jede Stimme ringen. Trump hat El-Sayed bereits attackiert und versucht, ihn als zu extrem für den Bundesstaat darzustellen. Beobachter sehen in dem Duell einen Vorgeschmack auf den allgemeinen Wahlkampf.
Bis zuletzt hatte sich das Rennen als Krimi entwickelt. Erst einen Tag nach der Abstimmung stand der Sieger fest. Rund 60 Millionen Dollar, die in den Wahlkampf geflossen waren, halfen am Ende nicht. Der Erfolg des progressiven Kandidaten fiel knapp aus – und das Ergebnis hat weitreichende Folgen.
Nach Ansicht von politischen Beobachtern zeigt der Ausgang zweierlei: Progressive Themen stoßen in Michigan auf Resonanz, gleichzeitig bleibt die Partei tief gespalten. Der Richtungsstreit zwischen linkem und gemäßigtem Lager gefährdet das Comeback der Demokraten im Herbst. In einem Bundesstaat mit knappen Mehrheitsverhältnissen kann bereits eine kleine Verschiebung bei der Mobilisierung über Sieg oder Niederlage entscheiden.
Strategen warnen davor, dass ein ausgesprochen linker Kandidat unabhängige und gemäßigte Wähler verschrecken könnte. El-Sayed müsse nun beweisen, dass er nicht nur die Vorwahl gewinnen, sondern im Herbst auch die Republikaner schlagen kann. Genau darauf zielt die Angriffslinie Trumps ab, der den Wahlkampf als Richtungsentscheidung inszenieren will.
El-Sayed gilt als entschlossener Verfechter einer umfassenden Gesundheitsreform. Seine Forderung nach einer staatlichen Krankenversicherung stößt in der Bevölkerung auf geteiltes Echo. Kritiker verweisen auf hohe Kosten, Befürworter auf Vorbilder in anderen Industriestaaten. Auch seine Haltung zu Waffenlieferungen an Israel sorgt für Kontroversen. Sie unterscheidet ihn von vielen etablierten Demokraten und könnte den Wahlkampf zusätzlich aufladen.
Die parteiinterne Konkurrenz war in den vergangenen Wochen mit harten Bandagen ausgetragen worden. Nun muss El-Sayed die Anhänger der unterlegenen Kandidaten hinter sich vereinen. Gelingt ihm das nicht, könnte Trump die Gräben im gegnerischen Lager für sich nutzen. Er hat bereits angekündigt, die innerparteilichen Gegensätze der Demokraten zum Thema des Wahlkampfs zu machen.
In Michigan zeigt sich, wie tief der Riss in der Demokratischen Partei tatsächlich ist. Der Bundesstaat gilt als Gradmesser für die politische Stimmung im Land. El-Sayed verspricht, den Wahlkampf gegen Trump entschlossen zu führen. Ob ihm das gelingt, wird maßgeblich über die Chancen der Partei im Herbst entscheiden.
Für den linken Flügel der Demokraten ist die Kandidatur ein Test. Kommentatoren sprechen bereits von möglicherweise weitreichenden Folgen für die Kongresswahlen. Der Ausgang in Michigan wird damit weit über den Bundesstaat hinaus beobachtet.



