Politik 4 Min. Lesezeit Von Leonie Vogt
Umfrage: 55 Prozent der Deutschen fordern Merz' Rücktritt
Nach den Wahlniederlagen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin wächst der Druck auf Bundeskanzler Friedrich Merz. Eine Forsa-Umfrage zeigt: Eine Mehrheit der Befragten will seinen Rücktritt, nur elf Prozent sind mit seiner Arbeit zufrieden.
Eine klare Mehrheit der Deutschen spricht sich für einen Rücktritt von Bundeskanzler Friedrich Merz aus. Das geht aus dem aktuellen Forsa-Trendbarometer im Auftrag von RTL und n-tv hervor. Demnach fordern 55 Prozent der Befragten, dass der CDU-Politiker sein Amt aufgibt. Nur elf Prozent zeigten sich mit seiner Arbeit zufrieden.
Die Ablehnung ist im Osten Deutschlands besonders ausgeprägt: Dort wünschen sich 68 Prozent der Befragten einen Rücktritt. Im Westen spricht sich immer noch jeder Zweite (53 Prozent) dafür aus. Besonders deutlich fällt die Kritik bei den Wählern der AfD (89 Prozent) und der Linken (65 Prozent) aus. Doch auch bei den Anhängern anderer Parteien sinken die Sympathiewerte: 39 Prozent der Grünen-Wähler und 43 Prozent der SPD-Wähler wollen, dass Merz zurücktritt. In den eigenen Reihen hat er dagegen noch Rückhalt: Nur 21 Prozent der Unionswähler wünschen sich einen anderen Kanzler.
Die Umfrage fällt in eine Phase wachsender politischer Turbulenzen für den Kanzler. Nach dem Wahldebakel in Sachsen-Anhalt vor zwei Wochen war die Kritik in der eigenen Partei an Merz bereits deutlich gewachsen. Am vergangenen Sonntag flog die CDU auch in Mecklenburg-Vorpommern aus dem Landtag. In Berlin wurde sie zudem von der Linken von Platz eins im Parlament verdrängt. Der Kanzler steht damit unter erheblichem Druck – auch weil Umfragen aus den vergangenen Wochen zeigen, dass Merz so unbeliebt ist wie kein Bundeskanzler vor ihm.
Würde am kommenden Sonntag gewählt, käme die AfD laut RTL/ntv-Trendbarometer auf 27 Prozent. Die Union folgt unverändert mit 20 Prozent. Bündnis 90/Die Grünen verlieren einen Punkt und liegen bei 17 Prozent – damit weiterhin klar vor SPD und Linken, die sich mit jeweils 12 Prozent Platz vier teilen. Eine schwarz-rote Koalition käme zusammen auf 32 Prozent und wäre damit weit von einer Mehrheit entfernt. Das BSW stagniert bei 3 Prozent, die FDP bleibt bei 4 Prozent und damit unter der Fünfprozenthürde.
Regierungssprecher Stefan Kornelius hatte erst in der vergangenen Woche die Seriosität von Umfragen infrage gestellt, die Merz geringe Beliebtheitswerte bescheinigen. Seiner Meinung nach sei es finanziell kaum möglich, solche Daten in kurzen Abständen zu erheben. «Keines dieser Institute, die in dieser Frequenz Umfragen auf den Tisch legen, haben die Finanzressourcen, um solche Umfragen zu machen. Also sollten wir vielleicht alle mal sehr vorsichtig mit diesem Instrument umgehen», sagte Kornelius. Manfred Güllner, Gründer des Meinungsforschungsinstituts Forsa, reagierte mit Unverständnis auf diese Äußerungen.
Für die Erhebung zum Rücktritt des Bundeskanzlers befragte Forsa zwischen dem 15. und 21. September bis zu 2.500 Bürger. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei plus/minus 2,5 Prozentpunkten. Zur politischen Kompetenz wurden rund 1.000 Menschen befragt. Wahlumfragen sind generell mit Unsicherheiten behaftet: Nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen erschweren den Meinungsforschern die Gewichtung der Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen auf den Wahlausgang.
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