Kultur 5 Min. Lesezeit Von Marlene Brandt
Gears of War E-Day soll 500 Millionen Dollar gekostet haben
Laut Berichten hat das Actionspiel von The Coalition nach Angaben von The Verge bislang nur rund 400.000 Exemplare verkauft. Die angeblichen Entwicklungskosten machen es zu einem der teuersten Videospiele überhaupt.
Das Actionspiel Gears of War: E-Day soll in der Entwicklung rund 500 Millionen Dollar gekostet haben. Gleichzeitig berichtet The Verge, dass sich das Spiel bislang nur gut 400.000 Mal verkauft hat. Für einen Triple-A-Titel dieses Umfangs und mit diesem Renommee wäre das eine schwache Bilanz, für Microsoft und das Studio The Coalition könnte die Lage noch ungünstiger sein.
E-Day erschien ausschließlich für Xbox Series X und S sowie für den PC. Nach dem Amtsantritt von Asha Sharma als Xbox-Chefin entschied sich Microsoft für den Weg der Konsolen-Exklusivität. Als Microsoft-Studios-Produktion war das Spiel zudem am ersten Veröffentlichungstag im Abo-Dienst Xbox Game Pass verfügbar. Die Verkaufszahlen beziehen sich deshalb nur auf Käufe über Konsole und PC.
Die Budgetangabe stammt ursprünglich von Kotaku, das die Summe als Entwicklungskosten ohne Marketing bezifferte. Bloomberg-Reporter Jason Schreier bestätigte die Zahl in einem Video, in dem er sich mit der Einstellung von Mass Effect 5 und der Schließung von BioWare befasste. Er sagte, dass Triple-A-Spiele heute gerade in Nordamerika enorm teuer seien und Spielefirmen dazu bringen, Stellen abzubauen, Kosten zu senken, Entwicklung ins Ausland zu verlagern und sich nur noch auf die größten Franchises mit möglichst geringem Risiko zu konzentrieren.
Mit 500 Millionen Dollar gehört E-Day zu den teuersten Videospielen überhaupt, die Kosten liegen laut den Berichten etwa doppelt so hoch wie bei einigen Konkurrenzprodukten. Bungies kürzlich erschienener Extraction-Shooter Marathon soll ein Budget von über 250 Millionen Dollar gehabt haben. Die anfängliche Entwicklungsvereinbarung für Concord lag laut Kotaku bei rund 200 Millionen Dollar. Auch The Last of Us Part II und Horizon Forbidden West sollen jeweils mehr als 200 Millionen Dollar gekostet haben, wie Dokumente aus dem Verfahren der US-Handelsaufsicht FTC gegen Microsoft 2023 zufällig offenlegten. Für Call of Duty: Black Ops Cold War nannte ein Gerichtsdokument 700 Millionen Dollar, allerdings bezogen auf den gesamten Lebenszyklus des Spiels.
Laut einer Schätzung des Analysehauses Alinea Analytics von Rhys Elliott hatte E-Day eine Woche nach Veröffentlichung rund 42,1 Millionen Dollar umgesetzt, bei etwa 311.000 verkauften Exemplaren auf Steam und Xbox. Elliott verwies zudem auf einen Anstieg bei den Game-Pass-Abonnements, der offenbar mit dem Start von E-Day zusammenhing. Er bedauerte allerdings, dass es keine PS5-Version gibt, die zusätzliche Einnahmen hätte bringen können.
Offen bleibt, ob sich das Spiel für Microsoft finanziell rechnet. Die Frage lautet, ob der Effekt auf Game Pass die enttäuschenden Verkaufserlöse ausgleichen kann und ob ein Budget in dieser Größenordnung jemals als profitabel gelten kann. Sharma verwies in dieser Woche bei der Schilderung der finanziellen Schwierigkeiten des Xbox-Geschäfts auf Rekorde von Minecraft und World of Warcraft Forever sowie auf die gute Kritik für Call of Duty: Modern Warfare 4. Gears of War: E-Day wurde dabei nicht erwähnt.
Auch die Zukunft der Reihe ist ungewiss. Anfang des Monats reagierte der Leiter von The Coalition auf Berichte, wonach Beschäftigte des Studios um ihre Jobs fürchteten. Er versprach, dass das nächste Gears-Spiel nicht so lange in Entwicklung sein werde. Eurogamer hatte zuvor berichtet, dass intern Sorge herrsche, nach dem Release von E-Day könnten Entlassungen folgen. Ein Insider sagte, die Stimmung sei, das Spiel erst drei Monate nach Veröffentlichung zu feiern, was sehr ungewöhnlich sei. Ein anderer erwartete die nächste Entlassungswelle oder eine Neuordnung unter Activision.
Der von Xbox-Chefin Asha Sharma angestoßene Neuanfang im Gaming-Geschäft hat in diesem Geschäftsjahr bereits fast 2.000 Stellen gekostet, weitere Kürzungen sind angekündigt. Mehrere Studios haben das Geschäft verlassen oder befinden sich in der Schließung. Microsoft hat außerdem seine Studiostruktur neu geordnet: Rare, Entwickler von Halo und Sea of Thieves, ist nun unter Activision angesiedelt, Obsidian, Entwickler von Grounded, unter Bethesda, dem Studio hinter Fallout. Mike Crump, Leiter von The Coalition, sagte der BBC, Erfolg bemesse sich bei E-Day nicht nur an Verkäufen. Ziel sei es, das bestaussehende Spiel auf der Xbox zu liefern und zu zeigen, was die eigene Hardware leisten kann.
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