Kultur 5 Min. Lesezeit Von Lukas Seifert
Einige GTA-Klone machten vieles besser als die Vorlage selbst
Mehrere Spiele, die oft als bloße Imitate der Grand-Theft-Auto-Reihe gelten, bieten Ideen und Stärken, die Rockstars Serie in Teilen nicht hat. Ein Überblick über fünf dieser Titel.
Die Grand-Theft-Auto-Reihe gilt als Maßstab für große Open-World-Spiele. Trotzdem haben zahlreiche Entwickler versucht, das Konzept zu kopieren. Solche Titel werden häufig als «GTA-Klone» abgetan, also als minderwertige Nachahmungen. Dabei zeigen einige von ihnen Stärken, die über die Vorlage hinausgehen, und in Einzelfällen gleichen sie Schwächen der Serie sogar aus.
Ein frühes Beispiel ist «Mafia» aus dem Jahr 2002. Das tschechische Studio Illusion Softworks setzte auf eine Welt, die man eher als eine Art begehbares Filmset beschreiben kann als als offene Spielwiese. Die Stadt Lost Heaven ist in den 1930er-Jahren angesiedelt, und die Missionen führen die Spielerinnen und Spieler von einem Auftrag zum nächsten. Das Spiel verzichtet auf wahllose Freiheit zugunsten einer dichten Erzählung über den Aufstieg und Fall eines einfachen Mannes in der Unterwelt. Auch bei der Realitätsnähe setzte es Akzente: Fahrzeugschäden wirken in Echtzeit, und das Polizeisystem unterscheidet zwischen kleinen und schweren Vergehen. Das Stern-System von GTA kennt diese Abstufung in dieser Form nicht.
Deutlich schriller ist «Scarface: The World Is Yours» aus dem Jahr 2006. Das Spiel lizenziert den Stoff des Films mit Al Pacino und lässt die Figur Tony Montana in einer alternativen Fortsetzung weiterleben, nachdem der Film endet. Die Stimme stammt von André Sogliuzzo, den Pacino selbst ausgewählt haben soll. Das Spiel führte mechanische Neuerungen ein, darunter ein ausgefeilteres Zielsystem und ein Geldwäschesystem, das Einfluss auf die Aufmerksamkeit von Polizei und rivalisierenden Banden hat. Außerdem gibt es einen sogenannten Balls-Anzeiger, der sich durch provozierende Aktionen füllt und dann einen Wutmodus aktiviert. Dieses Prinzip taucht später in ähnlicher Form in GTA 5 bei der Figur Trevor wieder auf.
Auch «Saints Row 2» aus dem Jahr 2008 verfolgte einen eigenen Weg. Während GTA 4 auf eine gedämpfte, realistische Tonalität setzte, ging die Reihe von Volition in die entgegengesetzte Richtung: überdreht, schrill und ohne Anspruch auf Realismus. Die Spielerinnen und Spieler konnten ihre Hauptfigur weitgehend selbst gestalten, inklusive eines vollständig vertonten weiblichen Charakters. Das war zur damaligen Zeit auffällig, denn Rockstar brachte seine erste spielbare Protagonistin erst fast zwei Jahrzehnte später heraus.
Zu den persönlichen Favoriten zählt «Sleeping Dogs» aus dem Jahr 2012. Das Spiel verlegt das Open-World-Schema nach Hongkong. Die Stadt ist nicht geografisch exakt abgebildet, doch Atmosphäre, Stimmengewirr auf Kantonesisch und die neonbeleuchteten, feuchten Straßen vermitteln ein dichtes Bild. Stärker als GTA ist das Spiel im Nahkampf, der sich an Kampfsport orientiert und brutale Finishing-Animationen bietet. Auch die Schießereien mit Deckungssystem und Zeitlupe erinnern an Actionfilme im Stil von John Woo. Die Fahrphysik gilt als arcadehaft, was man aber verzeihen kann, wenn man aus einem rasenden Auto springt, um ein anderes zu kapern.
Schließlich nennt der Text «Yakuza 5» aus dem Jahr 2012. Die Serie hat mit GTA wenig gemein, wird aber dennoch oft verglichen. Ihr Vorteil liegt in der Dichte statt in der Größe: Der Stadtteil Kamurocho orientiert sich am Tokioter Rotlichtviertel Kabukicho und wirkt beim Erkunden überraschend intim. Zahlreiche Geschäfte und Lokale lassen sich betreten, statt dass die Umgebung nur als Kulisse dient. Der Beitrag verweist darauf, dass die Serie mit ihren vielen Teilen eine Auswahl bietet, bei der sich neuere Ausgaben mit besserer Grafik und einer Ego-Perspektive für die Erkundung anbieten.
Die Beispiele zeigen, dass eine Imitation nicht zwingend schwächer sein muss als das Original. Mit GTA 6 wird Rockstar erneut Maßstäbe setzen. Dennoch kann laut dem Beitrag auch in einem dieser Konkurrenztitel ein Element stecken, das spannender wirkt als das Vorbild.
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