Junkr

Donnerstag, 27. August 2026 · Berlin

Suche

Kultur 4 Min. Lesezeit Von

«Chronicles: Medieval»: Taktik-Simulation mit historischem Anspruch

Auf der gamescom 2026 präsentierte sich «Chronicles: Medieval» als dichte Strategie-Simulation über den Hundertjährigen Krieg. Das Spiel verbindet Echtzeit-Gefechte mit Rollenspiel-Elementen und setzt auf historische Genauigkeit – inklusive dreier Fraktionen und hunderter Regionen.

«Chronicles: Medieval»: Taktik-Simulation mit historischem Anspruch
Chronicles: Medieval Is Exactly as Dense and Complicated as You Thought It Would Be | gamescom 2026

«Chronicles: Medieval» entpuppt sich als genau die Art von Strategiespiel, die auf den ersten Blick einschüchtert: dicht, detailliert und kompliziert. Der Titel des Entwicklerstudios Raw Power Games, der auf der gamescom 2026 vorgestellt wurde, kombiniert Elemente aus Rollenspiel, Action und klassischer Strategie. Im Mittelpunkt steht der Hundertjährige Krieg, in dem Spielerinnen und Spieler die Rolle eines Heerführers für eine von drei Fraktionen übernehmen: England, Frankreich oder das Heilige Römische Reich.

Die Präsentation zeigte eine 30-minütige Demo, die in der sogenannten Erkundungskarte begann. Diese bietet eine Makro-Ansicht der Welt mit 209 Regionen, die jeweils mindestens eine Siedlung und eine Burg enthalten. Neben den historisch verankerten Wappen der jeweiligen Herrscher gibt es dynamische Orte von Interesse, darunter Banditenlager, anheuerbare Söldner und Handelsmöglichkeiten. Gegnerische Armeen ziehen ebenfalls über die Karte und stellen eine ständige Bedrohung dar.

Das Herzstück des Spiels sind die großen Schlachten im Stil von Total War. In der Demo standen sich Soldaten des Heiligen Römischen Reiches und eine gleich große französische Einheit in den Hügeln Burgunds gegenüber. Die Detailtiefe ist beachtlich: Jeder einzelne Soldat kann inspiziert werden, um Ausrüstung und Stärke zu bewerten. Besonders interessant ist die Unterteilung der Truppen in drei Kategorien: Haushaltstruppen, Söldner und Aufgebote. Haushaltstruppen stammen aus adligen Familien, sind am besten ausgerüstet, aber auch am teuersten und schwersten zu trainieren. Söldner sind professionelle Kämpfer mit mittlerem Potenzial, während Aufgebote zwangsverpflichtete Bauern sind, die oft nur mit landwirtschaftlichen Geräten wie Mistgabeln ausgerüstet sind.

Die zentrale Statistik ist die Kohäsion, die bestimmt, wie gut Truppen zusammenarbeiten. Haushaltstruppen mit hoher Kohäsion stehen eng und effizient in Formation und können anstürmende Kavallerie besser abwehren. Aufgebote hingegen stehen weit verstreut, brechen bei Angriffen leicht auseinander und sind anfällig für Panik. Diese Unterschiede in der Interaktion der Truppentypen machen die Schlachten laut Vorschau besonders faszinierend zu beobachten.

Die Strategiephase ähnelt klassischen Sandbox-Strategiespielen: Spieler schweben über dem Schlachtfeld und erteilen Befehle an einzelne Armeeteile. Kavallerie kann etwa losgeschickt werden, um den Feind zu flankieren, während Infanterie in Spezialformationen wie der Speerwand gegen berittene Einheiten aufgestellt wird. Auch die Aufstellung lässt sich anpassen: Eine dünnere Linie bietet bessere Abdeckung, macht die Truppen aber anfälliger für Durchbrüche. Sobald die Schlacht beginnt und die Pfeile fliegen, können weitere Befehle in Echtzeit erteilt werden.

Ein besonderes Feature ist der Wechsel in die Third-Person-Perspektive: Spieler können direkt in die Rolle eines Kommandanten schlüpfen und selbst ins Gefecht eingreifen. Dabei zeigte der Entwickler einen berittenen Kommandanten mit einer Stangenwaffe – historisch nicht unbedingt üblich, aber offenbar ein Zugeständnis an den Spielspaß. Die Entwickler betonten, dass historische Genauigkeit wichtig sei, aber nicht auf Kosten des Unterhaltungswerts gehen solle.

«Chronicles: Medieval» soll im kommenden Jahr in den Early Access gehen. Die Vorschau macht deutlich, dass das Spiel zu diesem Zeitpunkt noch einige Baustellen haben dürfte. Wer sich vor dem vollständigen Release 1.0 einsteigt, sollte sich auf ein unfertiges Erlebnis einstellen. Für Geschichtsinteressierte und Strategie-Fans, die bereit sind, sich in komplexe Systeme zu vertiefen, scheint der Titel jedoch vielversprechend zu sein.

Leonie Vogt

Autor

Gesellschaftsreporterin

Leonie Vogt berichtet für Junkr über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.