Kultur 3 Min. Lesezeit Von Moritz Albrecht
«Resonance: A Plague Tale Legacy»: Prequel schwächelt im Kampf, überzeugt aber bei Rätseln
Das neue Prequel zur «Plague Tale»-Reihe wechselt von Ratten-Schwärmen zu antiken Horrorszenarien und setzt auf Nahkampf statt Stealth. Die Geschichte um Sophia überzeugt nur teilweise, während Rätsel und Atmosphäre stark bleiben.
Das neue Spiel «Resonance: A Plague Tale Legacy» wagt einen mutigen Schritt: Statt der ikonischen Ratten-Schwärme setzt das Prequel auf antike, unerforschte Schrecken und rückt mit Sophia eine Nebenfigur aus «A Plague Tale: Requiem» in den Mittelpunkt. Doch der Wechsel von Stealth zu direktem Nahkampf trägt nicht – die Kämpfe bleiben zu simpel, um die zwölfstündige Kampagne zu tragen. Dennoch bieten die stimmungsvollen Rätsel und die dichte Atmosphäre Momente, die an die Stärken der Reihe erinnern.
Sophia, in «Requiem» noch eine eher blasse Außenseiterin mit Herz aus Gold, bekommt hier ihre eigene Vorgeschichte. Was als Schatzsuche im Stil von «Uncharted» beginnt, entwickelt sich zu einem düsteren Endzeitszenario, das thematisch an die Vorgänger erinnert. Die Entwickler versuchen, Sophias Charakter Tiefe zu verleihen – mit mäßigem Erfolg. Sie beginnt und endet als dieselbe abenteuerlustige Schatzsucherin, ohne echten Wandel. Dafür entpuppt sich die antike Geschichte, die in Rückblenden enthüllt wird, als eigentliches Highlight: Die Geheimnisse der längst untergegangenen Zivilisation fesseln mehr als Sophias persönliche Reise.
Die Nebenfiguren bleiben ebenfalls blass. Leni, eine glücksabhängige Taschendiebin, hat wenig Interessantes beizutragen, und Kapitän Faro überzeugt vor allem durch seine unfreiwillig komische Ausstrahlung. Die Beziehung zwischen Hugo und Amicia, das Herzstück der bisherigen Spiele, wird hier schmerzlich vermisst. Die neue Besetzung füllt diese Lücke nicht aus – sie ist nicht schlecht, hinterlässt aber kaum Eindruck.
Der größte Bruch mit der Reihe ist das Kampfsystem. Statt sich an gepanzerten Gegnern vorbeizuschleichen, stellt sich Sophia nun mit dem Schwert dem Kampf. Paraden, Ausweichmanöver und einfache Angriffskombinationen bestimmen das Geschehen. Doch die Kämpfe wirken schnell eintönig: Es gibt nur wenige Gegnertypen mit wenigen Angriffsmustern, und die Arenen sind eng. Ein Talentbaum bietet zwar Verbesserungen wie einen stärkeren Tritt oder kurzen Schutz nach Kills, doch diese Aufwertungen machen die Kämpfe nur schneller, nicht unterhaltsamer.
Positiv hervorzuheben sind die Rätsel, die einfach, aber unterhaltsam sind, sowie die wunderschön gestalteten Umgebungen. Auch die spannenden Stealth-Abschnitte, die später im Spiel auftauchen, zeigen, wo die Stärken der Reihe liegen. Ein Ärgernis: Die Begleiter rufen die Lösungen der Rätsel oft schon nach wenigen Sekunden aus – zum Glück lässt sich diese Funktion in den Optionen abschalten.
Insgesamt wirkt «Resonance: A Plague Tale Legacy» wie ein Seitenpfad, der mehr Schritte zurück als nach vorn macht. Die Geschichte um Sophia und die antiken Geheimnisse hat Potenzial, wird aber von schwachen Kämpfen und blassen Figuren ausgebremst. Für Fans der Reihe, die mehr von der Welt sehen wollen, lohnt sich der Ausflug dennoch – wer jedoch die Magie von «Innocence» und «Requiem» erwartet, wird enttäuscht.



