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Tim Curry ist tot: Von Pennywise bis Red Alert prägte er Generationen

Tim Curry ist mit 80 Jahren gestorben. Der britische Schauspieler wurde mit «Rocky Horror» und «It» zur Kultfigur – und später auch für Games wie «Red Alert 3» und «Dragon Age: Origins».

Tim Curry ist tot: Von Pennywise bis Red Alert prägte er Generationen
SYFY

Man kann Tim Curry kennen, ohne zuerst einen seiner berühmtesten Filme gesehen zu haben. Manche begegneten ihm als Pennywise in «It», andere als Dr. Frank-N-Furter in «The Rocky Horror Picture Show». Für eine jüngere Gaming-Generation war er der völlig überdrehte sowjetische Premier Anatoly Cherdenko aus «Command & Conquer: Red Alert 3». Der britische Schauspieler ist im Alter von 80 Jahren gestorben. TMZ meldete seinen Tod am Mittwoch; People und weitere US-Medien griffen die Nachricht anschließend auf.

Kaum ein Schauspieler seiner Generation hat so viele unterschiedliche Popkultur-Ecken miteinander verbunden. Curry war Musical-Star, Horror-Ikone, Comedy-Darsteller, Synchronsprecher und Game-Bösewicht. Dabei wirkte er selten so, als wolle er sich möglichst unsichtbar in eine Rolle einfügen. Meist passierte das Gegenteil: Er machte Figuren größer, seltsamer und dadurch oft unvergesslich.

Seine Karriere begann Ende der 1960er Jahre. 1968 stand Curry in der Londoner Produktion von «Hair» auf der Bühne. Den Durchbruch brachte 1973 «The Rocky Horror Show», in der er Dr. Frank-N-Furter spielte. Zwei Jahre später übernahm er die Rolle auch in der Filmversion «The Rocky Horror Picture Show».

Der Film wurde nicht auf klassische Weise zum Hit. Er entwickelte sich über Mitternachtsvorstellungen zum Kult. Fans kamen verkleidet ins Kino, riefen Antworten auf Dialoge in den Saal und spielten Szenen vor der Leinwand nach. Frank-N-Furter wurde damit nicht nur zu einer Filmfigur, sondern zum Mittelpunkt einer Fantradition, die bis heute weiterlebt.

Wer Curry vor allem aus Horror kennt, denkt dagegen an «It». In der TV-Miniserie von 1990 nach Stephen Kings Roman spielte er Pennywise. Sein Clown brauchte keine digitalen Effekte, um unheimlich zu sein. Curry konnte in einem Satz von scheinbar freundlich zu bedrohlich wechseln. Für viele Zuschauer blieb genau diese Version von Pennywise jahrzehntelang die prägende.

Dazwischen und danach tauchte Curry in erstaunlich vielen Filmen auf. In «Annie» spielte er Rooster Hannigan, in «Clue» den Butler Wadsworth und in «Home Alone 2: Lost in New York» den misstrauischen Concierge des Plaza Hotels. Dazu kamen Rollen in «The Hunt for Red October», «Muppet Treasure Island» und «Scary Movie 2».

Für Gamer ist seine spätere Karriere besonders spannend. In «Command & Conquer: Red Alert 3» spielte Curry 2008 den sowjetischen Premier Anatoly Cherdenko in den bewusst kitschigen Live-Action-Zwischensequenzen. Das Spiel setzte auf übertriebene Inszenierung, und Curry passte perfekt hinein. Eine bestimmte Szene, in der sein Cherdenko eine dramatische Pause kaum zu kontrollieren scheint, wurde Jahre später immer wieder als Meme und Clip geteilt.

Ein Jahr später sprach er in BioWares Rollenspiel «Dragon Age: Origins» Arl Rendon Howe, einen der zentralen Gegenspieler. Damit landete seine unverwechselbare Stimme in zwei sehr verschiedenen Gaming-Welten: einmal in einer absichtlich absurden Alternativgeschichte, einmal in düsterer Fantasy.

Auch als Synchronsprecher arbeitete Curry über Jahrzehnte. Für «Peter Pan and the Pirates» erhielt er einen Daytime Emmy. Seine Stimme war damit für viele Menschen vertraut, die seinen Namen vielleicht erst später mit einem Gesicht verbanden.

2012 erlitt Curry einen schweren Schlaganfall. Er war danach teilweise gelähmt und musste das Sprechen neu lernen. Seine öffentlichen Auftritte wurden seltener, ganz zog er sich aber nicht zurück. Er übernahm weiterhin ausgewählte Sprechrollen und nahm an Fanveranstaltungen teil. 2025 veröffentlichte er seine Memoiren «Vagabond».

Drei Tony-Nominierungen und zwei Olivier-Nominierungen zeigen, wie wichtig auch das Theater für seine Laufbahn war. Trotzdem lässt sich Currys Wirkung kaum nur über Preise erklären. Seine Rollen leben weiter, weil sie ständig neu entdeckt werden.

Ein Clip aus «Red Alert 3», ein Halloween-Pennywise oder eine «Rocky Horror»-Vorführung kann heute immer noch der erste Kontakt mit Tim Curry sein. Genau deshalb endet seine Popkultur-Präsenz nicht mit seinem Tod. Die Plattformen wechseln, die Figuren bleiben.

Marlene Brandt

Autor

Kulturkorrespondentin

Marlene Brandt berichtet für Junkr über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.