Ein zweiter US-amerikanischer Mediziner, der sich im Kongo mit dem gefährlichen Ebola-Virus infiziert hat, wird in Deutschland behandelt. Der Patient oder die Patientin sei in der Nacht auf dem Frankfurter Flughafen gelandet und anschließend in die Universitätsklinik Frankfurt gebracht worden, bestätigte ein Sprecher des Bundesministeriums für Gesundheit. Der Zustand der erkrankten Person sei nach Angaben der behandelnden Ärzte stabil. Die Klinik äußerte sich nur zurückhaltend zu den genauen Umständen und persönlichen Daten des Patienten.

Der Leiter der Sonderisolierstation für hochpathogene Infektionserreger an der Universitätsmedizin Frankfurt, Timo Wolf, informierte am Nachmittag über den aktuellen Stand. Demnach befinde sich die Person seit drei Uhr morgens in Behandlung. Zu konkreten Symptomen sowie zu Alter und Geschlecht des Patienten wollte sich die Klinik nicht äußern. Es hieß lediglich, der Patient zeige die Symptome, die man bei Ebola erwarten würde. Die Krankheit sei seit der Ankunft nicht fortgeschritten. Um einen Trend anzugeben, sei es noch zu früh.

Zur Behandlung erklärte Wolf, die Person werde mit Flüssigkeit und Nährstoffen versorgt und je nach Symptomen behandelt. Wichtig sei die Virusmenge im Blut der Patienten und wie sich diese entwickele. Wie lange die Behandlung andauern werde, sei noch nicht absehbar. Die Kosten trügen in der Regel bestehende Versicherungen, sagte Klinikdirektor Jürgen Graf vor Journalisten. Für die Bevölkerung bestehe keinerlei Anlass zur Besorgnis. Wolf betonte, die Station habe mehrere Sicherheitsstufen, sodass nichts aus dem Krankenzimmer in die Umwelt gelangen könne. Auch die Mitarbeiter seien vor Ansteckung geschützt. Der Transport sei reibungslos verlaufen.

Die US-Gesundheitsbehörde CDC hatte mitgeteilt, dass ein US-Staatsbürger betroffen sei, der für eine humanitäre Organisation in der Demokratischen Republik Kongo arbeite. Die Person wurde positiv auf die dort derzeit grassierende Bundibugyo-Variante des Virus getestet. Ebola-Fieber ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Krankheit. Das Virus kann durch direkten Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen werden. Im Kongo in Zentralafrika, wo die beiden infizierten US-Ärzte tätig waren, ist der jüngste Ebola-Ausbruch besonders schwer einzudämmen. Einer der Gründe: Für den Bundibugyo-Typ gibt es bislang weder einen Impfstoff noch eine spezielle Therapie.

Für Transporte von Ebola-Patienten werden normalerweise Spezialflugzeuge eingesetzt. In Deutschland kommen die Patienten auf Sonderisolierstationen. Dabei handelt es sich um eine geschlossene, geschützte und vom regulären Klinikbetrieb getrennte Einheit, sodass Kontakt zu anderen Patienten ausgeschlossen werden kann. Auch laut Bundesgesundheitsministerium besteht daher weder für die Bevölkerung noch für andere Patienten Gefahr.

Der erste US-Arzt, der am 20. Mai nach Deutschland gekommen war, wurde in die Berliner Charité aufgenommen. Nach ärztlicher Auskunft war sein Zustand zwischenzeitlich lebensbedrohlich, vor allem zwischen dem Abflug in Afrika und der Ankunft in Deutschland. Nach gut zwei Wochen Behandlung wurde er schließlich aus dem Krankenhaus entlassen. Auch seine Frau und seine vier Kinder kamen als Hochrisikokontakte in die Charité, hatten aber keine Symptome und befanden sich in einem getrennten Teil der Station in Quarantäne. Bei Kindern könne Ebola sehr rasch zum Tode führen, sagte damals Charité-Arzt Leif Erik Sander, Direktor der Klinik für Infektiologie und Intensivmedizin.

Ende Juni war das Bundibugyo-Virus dann erstmals auch in Europa nachgewiesen worden. In Frankreich wurde ein aus dem Ostkongo zurückgekehrter Arzt einer humanitären Organisation positiv getestet. Nach Angaben des französischen Gesundheitsministeriums wurde der Mann unmittelbar nach seiner Ankunft isoliert. Anfang Juli wurde er nach negativen Tests und ohne Symptome aus dem Krankenhaus entlassen.

Die Lage im Kongo bleibt dramatisch. Inzwischen gibt es 702 bestätigte Todesfälle, 1.926 Fälle wurden bis Sonntag im Labor nachgewiesen. Nach Angaben der kongolesischen Regierung gelten 318 Patienten als genesen. Aktuell werden 753 Menschen in Krankenhäusern oder Isolierstationen behandelt. Gesundheitsexperten zufolge stiegen die Fallzahlen bei keinem früheren Ebola-Ausbruch so schnell an wie bei der derzeitigen Epidemie. In den Jahren 2014 und 2015 waren bei der bisher schwersten Ebola-Epidemie in Westafrika mehr als 11.000 Menschen gestorben. Schon damals wurden drei Ebola-Kranke zur Behandlung nach Deutschland gebracht: Ein Mediziner aus Uganda wurde in Frankfurt behandelt, ein Mann aus dem Senegal in Hamburg; ein UN-Mitarbeiter, der in Leipzig behandelt wurde, überlebte die Krankheit nicht.