Die Ukraine hat ihre Angriffe auf russische Ölanlagen im Ostseeraum ausgeweitet und dabei Ziele nahe St. Petersburg ins Visier genommen. Der Gouverneur des Umlands der Millionenmetropole, Alexander Drosdenko, berichtete, dass in der Nacht 67 feindliche Drohnen abgeschossen worden seien. Eine unabhängige Bestätigung dieser Zahl gab es nicht, doch deutet die Größenordnung auf einen bedeutenden Angriff hin. Im Hafen von Wyssozk am Finnischen Meerbusen, wo sich ein großes Terminal zur Ölverladung befindet, seien Teile von Drohnen abgestürzt, sagte Drosdenko der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass.
Videos, die in russischen und ukrainischen Telegramkanälen kursierten, legen nahe, dass auch der Ölhafen von St. Petersburg selbst getroffen wurde. Die Führung der Stadt machte dazu keine Angaben. Das russische Verteidigungsministerium bestätigte lediglich Angriffe auf das Umland, nicht aber auf das Stadtgebiet. Landesweit seien über Nacht insgesamt 389 ukrainische Kampfdrohnen abgefangen worden. Die Region liegt mehr als 1.000 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt und ist ein zentraler Knotenpunkt für russische Ölexporte über die Ostsee.
Erst Anfang Juni hatte die Ukraine Tanks im Ölhafen von St. Petersburg in Brand geschossen, zeitgleich mit dem Beginn des Internationalen Wirtschaftsforums, das Kremlchef Wladimir Putin ausrichtete. Die damaligen Angriffe unterbrachen den Betrieb des Hafens und sorgten für erhebliche logistische Störungen. Die erneute Attacke zeigt, dass die ukrainischen Streitkräfte ihre Fähigkeit zu weitreichenden Drohnenoperationen weiter ausbauen und gezielt gegen die russische Energieinfrastruktur vorgehen, die eine wichtige Einnahmequelle für den Krieg darstellt.
Parallel zu den Angriffen auf russischem Boden setzt Moskau seinen Beschuss ukrainischer Städte fort. In der nordostukrainischen Großstadt Sumy wurden am Freitagabend mindestens vier Menschen durch einen russischen Bombenangriff getötet, wie Präsident Wolodymyr Selenskyj mitteilte. 27 weitere Personen erlitten Verletzungen. Nach Angaben der Gebietsverwaltung von Sumy hatte die russische Luftwaffe das Stadtzentrum mit sechs Gleitbomben angegriffen. Diese Waffen werden von Kampfjets noch im eigenen Luftraum abgeworfen und über Dutzende Kilometer ins Ziel gelenkt, was sie für die ukrainische Luftabwehr besonders schwer abfangbar macht. In den Trümmern eines Wohnhauses wurden noch Verschüttete vermutet.
Die Angriffe auf die Ölanlagen bei St. Petersburg sind Teil einer strategischen Kampagne der Ukraine, die darauf abzielt, die russische Treibstoffversorgung und die Exporteinnahmen zu beeinträchtigen. Die Ostseehäfen sind für Russland von zentraler Bedeutung, da über sie ein großer Teil der Rohöl- und Produktexporte abgewickelt wird. Ein erfolgreicher Angriff auf das Terminal in Wyssozk oder den Hafen von St. Petersburg könnte kurzfristig die Verladung stören und langfristig die Versicherungsprämien für Schiffe erhöhen, die russische Häfen anlaufen. Die ukrainische Führung hat wiederholt erklärt, dass sie legitime militärische Ziele auf russischem Territorium angreifen werde, um den Druck auf Moskau zu erhöhen.
Die russische Seite reagiert auf die zunehmenden Drohnenangriffe mit einer verstärkten Luftverteidigung, insbesondere um die Hauptstadt und strategisch wichtige Industrieanlagen. Die hohe Zahl von 389 abgefangenen Drohnen in einer einzigen Nacht deutet darauf hin, dass die Ukraine ihre Produktionskapazitäten für solche Waffen erheblich gesteigert hat. Gleichzeitig bleibt die Zivilbevölkerung in der Ukraine das Hauptleid des Krieges ausgesetzt. Der Angriff auf Sumy mit Gleitbomben, die präzise und aus großer Entfernung eingesetzt werden können, zeigt die anhaltende Bedrohung für städtische Zentren. Die internationalen Reaktionen auf die jüngsten Entwicklungen sind verhalten, während beide Seiten ihre militärischen Kapazitäten weiter ausbauen.



