Vier Monate nach Beginn des Iran-Kriegs setzt US-Präsident Donald Trump seine militärische Eskalation fort, ohne dass ein klares strategisches Ziel erkennbar wäre. Nach der Tötung des obersten Revolutionsführers Ali Chamenei am ersten Kriegstag kündigte Trump nun das Rahmenabkommen auf, das zu einem Frieden mit dem Iran führen sollte, und ordnete neue Luftschläge an. Die jüngste Eskalation folgt einem bekannten Muster maximaler Härte, aber ohne erkennbare langfristige Strategie.

Die Beisetzung Chameneis an diesem Donnerstag in seinem Geburtsort Maschhad markiert das Ende einer Ära, die die Islamische Republik fast vier Jahrzehnte geprägt hat. In Teheran säumen Millionen Menschen die Straßen, schwarze Fahnen wehen über der Stadt, Lautsprecher übertragen Koranverse. Zwischen den Trauernden sind jedoch auch blutrote Fahnen zu sehen – im schiitischen Islam ein Symbol für Vergeltung. Sprechchöre richten sich gegen Israel und die Vereinigten Staaten, Redner fordern offen den Kopf von Donald Trump.

Zu Beginn des Krieges hatte Trump in einer Fernsehansprache die Ziele maximal abgesteckt: Teheran sollte dauerhaft auf Atomwaffen verzichten, die Unterstützung seiner verbündeten Gruppen wie Hisbollah und Hamas sofort einstellen, den Machtapparat der Revolutionsgarden zerschlagen und den Weg für einen Umbruch durch die iranische Bevölkerung freimachen. Doch was als vermeintlich stringenter Plan verkauft wurde, entpuppte sich schnell als Wunschzettel mit kaum Realitätsbezug. In den darauffolgenden Wochen begann ein gefährliches rhetorisches Schlingern; die Kriegsziele wechselten fast im Rhythmus von Trumps Posts auf seinem Sprachrohr Truth Social.

Die Frage, was dieser Krieg eigentlich erreicht hat, drängt sich auf. Wurde das iranische Atomprogramm dauerhaft gestoppt? Ist das Regime geschwächt, das Volk befreit? Wurde der Iran dauerhaft abgeschreckt, im Nahen Osten weiter zu eskalieren? Wenn das Ziel lautete, den Iran an der Entwicklung einer Atombombe zu hindern, fällt die Bilanz ernüchternd aus. Raketen können Anlagen zerstören, Zentrifugen vernichten und Labore in Schutt legen. Doch sie können weder das technische Wissen iranischer Wissenschaftler auslöschen noch die politischen Absichten des Regimes ändern.

Auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bremst inzwischen die Erwartungen. Zwar äußerte er sich im Gespräch mit dem US-Sender CNN zuversichtlich, dass Donald Trump das iranische Atomprogramm stoppen könne. Zugleich machte er deutlich, dass der dauerhafte Umgang mit Teheran nicht allein militärisch zu lösen sei und weitere politische Entscheidungen nötig würden. Selbst der engste Verbündete Washingtons zeichnet damit ein deutlich komplexeres Bild als die Rhetorik aus dem Weißen Haus und über Truth Social. Solange es keine belastbare Vereinbarung über Inspektionen und eine langfristige Begrenzung des Atomprogramms gibt, bleibt der militärische Erfolg vorläufig.

Vielleicht war das eigentliche Ziel gar nicht das Atomprogramm, sondern der Sturz des Regimes. Doch auch daran lässt sich der Krieg bislang nicht als Erfolg messen. Die Führung in Teheran steht zwar unter gewaltigem Druck. Die Wirtschaft leidet unter Sanktionen und ausufernder Inflation, der Krieg hat das Land zusätzlich geschwächt. Dennoch ist aus der erhofften Implosion bislang nichts geworden. Den USA mag es gelungen sein, Chamenei zu töten, doch das Regime existiert weiter. Es nutzt den Kriegszustand als perfekten Deckmantel, um die eigene Bevölkerung noch brutaler zu unterdrücken. Unter einer fast vollständigen Internetsperre, die das Land digital von der Außenwelt abschneidet, geht die Führung mit beispielloser Härte gegen Kritiker vor und lässt Regimegegner abseits der Weltöffentlichkeit hinrichten.

Der äußere Druck hat die Opposition nicht gestärkt, sondern die Repression perfektioniert. Gerade die Trauerfeier für Chamenei zeigt, wie geschickt das Regime versucht, aus der Krise politische Stärke zu gewinnen. Der Millionenauflauf demonstriert Kontinuität, nicht Schwäche. Modschtaba Chamenei, der designierte Nachfolger Ali Chameneis, fehlte bei den Trauerfeierlichkeiten in den vergangenen Tagen. Seine Abwesenheit nährt Spekulationen über seinen Gesundheitszustand und darüber, wie die Nachfolge tatsächlich geregelt werden soll. Das Regime will an diesem Tag jedoch nicht über offene Nachfolgefragen sprechen, sondern Stärke demonstrieren.

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Sportredakteur

Lukas Seifert berichtet für Junkr Party über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.