Am Samstagabend ist es am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin zu einem verheerenden Angriff gekommen. Ein Lieferwagen fuhr in eine Menschenmenge und tötete eine Frau. Mehrere weitere Menschen wurden verletzt, einige von ihnen schwer. Die Polizei fahndet nach dem 21-jährigen Tatverdächtigen Abdul B., der der islamistischen Szene zugerechnet wird und polizeibekannt ist. Die Ermittler gehen von einem mutmaßlichen Attentat aus.

Die queere Community in Deutschland reagierte mit Entsetzen und tiefer Trauer. Der Verband Queere Vielfalt LSDV+ schrieb auf Instagram: «Der Regenbogen hat heute einen Riss bekommen. Das ist ein dunkler Tag für unsere Community und unser Land.» Der CSD in Berlin, eines der größten queeren Feste Europas, war kurz vor dem Attentat noch von ausgelassener Stimmung geprägt. Sängerin Sarah Connor, die zuvor auf der Bühne stand, berichtete in einem Instagram-Video, dass sie und andere Künstler nach dem Vorfall aus dem Backstage-Bereich evakuiert wurden. Sie sagte: «Umso furchtbarer, dass wir dann kurz danach aus dem Backstage evakuiert wurden, weil wieder irgendein Vollidiot ausgerastet ist und diese Amokfahrt gemacht hat in Berlin. Mein Beileid an die Angehörigen und die Verletzten.»

Moderator Jochen Schropp, der durch den CSD führte, beschrieb den Tag als «so schönen Tag, voll mit Liebe» und zeigte sich fassungslos. Seine Kollegin Richarda Hofmann schrieb: «Das, was heute in Berlin passiert ist, ist an Abscheulichkeit nicht zu übertreffen.» Auch Rapperin Ikkimel, die Teil des Programms war, rief auf Instagram zum Zusammenhalt auf: «Liebe ist niemals der Fehler, Angst und Hass niemals eine Antwort. Ich hoffe, dass viele Menschen jetzt realisieren, wie wichtig es ist, dass wir streng zusammenhalten – jetzt noch mehr als sonst.» Schauspielerin Ruth Moschner forderte: «Lasst uns Berlin mit Regenbögen pflastern und unendlich viel Liebe verbreiten, damit die von Hass Getriebenen aus ihren dunklen Löchern kommen und sich aus unserer Stadt verpissen.» Ballermann-Star Mia Julia zeigte sich ebenfalls tief betroffen und schrieb von «Weltschmerz» angesichts des Kontrasts zwischen der friedlichen Feier und der Gewalttat.

Politiker verurteilten die Tat scharf. Die Thüringer Landesvorsitzenden der Linken, Katja Maurer und Ralf Plötner, sowie Fraktionschef Christian Schaft sprachen den Opfern und Angehörigen ihr Mitgefühl aus und betonten, dass CSD-Veranstaltungen für Freiheit, Selbstbestimmung und gleiche Rechte für alle Menschen stünden. Sie würden seit Jahren aus rechten oder fundamentalistisch-religiösen Kreisen bedroht, diffamiert oder angegriffen. Der Thüringer Bundestagsabgeordnete und Vizepräsident des Bundestags, Bodo Ramelow, nannte den Angriff einen «Anschlag auf eine offene Welt» und rief dazu auf, gemeinsam gegen Hass und Gewalt einzustehen. Die queere Community und Demonstrationen wie den CSD zu schützen, sei eine politische und gesellschaftliche Pflicht.

Die queere Community in Thüringen organisiert für Sonntagabend eine Mahnwache am Erfurter Hauptbahnhof, um den Opfern zu gedenken. Das Bündnis aller Thüringer CSDs rief in sozialen Medien dazu auf, Raum für gemeinsames Gedenken, Trauern und Solidarität zu schaffen. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr. Auch aus anderen Städten wurden Solidaritätsbekundungen und geplante Mahnwachen gemeldet.

Der Angriff wirft ein Schlaglicht auf die anhaltende Bedrohung queerer Menschen durch Hasskriminalität. CSD-Veranstaltungen gelten als Symbole der Toleranz und Vielfalt, werden aber immer wieder zum Ziel von Anschlägen und Anfeindungen. Die Ermittlungen der Berliner Polizei konzentrieren sich auf den flüchtigen Tatverdächtigen, der offenbar aus dem islamistischen Milieu stammt. Die Sicherheitsbehörden bitten die Bevölkerung um Hinweise zu seinem Aufenthaltsort. Derweil versucht die queere Gemeinschaft, die tödliche Gewalttat zu verarbeiten und den Zusammenhalt zu stärken.