Im Zoo Basel ist es zu einem tragischen und ungewöhnlichen Vorfall gekommen: Ein aggressiver Silberrücken-Gorilla hat zwei Artgenossen totgebissen. Der Vorfall ereignete sich am Donnerstag und sorgte sowohl bei Tierpflegern als auch bei Besuchern für Entsetzen. Die genauen Umstände der Attacke werden derzeit untersucht, doch erste Berichte deuten auf ein ungewöhnlich aggressives Verhalten des dominanten Männchens hin.
Nach Angaben des Zoos handelte es sich bei den getöteten Tieren um einen jüngeren männlichen Gorilla und ein Weibchen. Der Silberrücken, der normalerweise als Beschützer der Gruppe gilt, biss die Artgenossen in den Genitalbereich, was zu schweren Verletzungen führte. Trotz sofortiger tierärztlicher Hilfe konnten die beiden Tiere nicht gerettet werden. Der Vorfall ereignete sich im Innenbereich des Affenhauses, wo die Tiere für Besucher normalerweise gut zu beobachten sind.
Der Zoo Basel betonte, dass es sich um einen «unbeabsichtigten Biss» gehandelt haben könnte, wie es in einer ersten Stellungnahme hieß. Diese Einschätzung wird jedoch von externen Primatenexperten angezweifelt, die auf die gezielte und wiederholte Attacke hinweisen. «Ein Biss in den Genitalbereich ist bei Gorillas ein Zeichen extremer Dominanz und Aggression», erklärte eine Verhaltensbiologin gegenüber Medien. «Es ist sehr ungewöhnlich, dass ein Silberrücken so massiv gegen eigene Gruppenmitglieder vorgeht.»
Der Vorfall im Zoo Basel ist nicht der erste seiner Art in diesem Jahr. Bereits im Mai hatte ein Gorilla in einem deutschen Zoo sein eigenes Baby getötet, was ebenfalls als «unbeabsichtigter Biss» eingestuft wurde. Diese Häufung von tödlichen Angriffen unter Gorillas in Menschenobhut wirft Fragen zur Haltung und zum Sozialverhalten der Tiere auf. Experten diskutieren, ob die künstliche Gruppenzusammensetzung in Zoos oder äußere Stressfaktoren wie Besucherandrang zu solchen Aggressionsausbrüchen führen könnten.
Gorillas gelten in freier Wildbahn als eher friedliche Tiere, die in stabilen Familiengruppen leben. Ein Silberrücken, benannt nach dem silbrig-grauen Fell auf seinem Rücken, ist das dominante Männchen einer Gruppe und normalerweise für den Schutz und die Führung verantwortlich. Tödliche Auseinandersetzungen zwischen Gorillas sind in der Natur äußerst selten und kommen meist nur beim Kampf um die Führung einer Gruppe vor. In Zoos hingegen kann es durch die begrenzte Fläche und die künstliche Zusammensetzung der Gruppen zu Spannungen kommen.
Der Zoo Basel hat nach dem Vorfall das Affenhaus vorübergehend geschlossen, um die verbliebenen Tiere zu beruhigen und die Situation zu analysieren. «Wir sind tief betroffen von diesem Vorfall», sagte ein Zoosprecher. «Unsere Priorität ist nun das Wohl der verbliebenen Gorillas und die Aufklärung der genauen Umstände.» Die Tiere werden derzeit von Tierpflegern und Verhaltensforschern beobachtet, um weitere Konflikte zu vermeiden.
Der Vorfall hat auch eine Debatte über die Haltung von Menschenaffen in Zoos neu entfacht. Tierschutzorganisationen fordern strengere Auflagen für die Haltung von Primaten und weisen auf die psychischen Belastungen hin, denen die Tiere in Gefangenschaft ausgesetzt sind. «Gorillas sind hochsoziale und intelligente Tiere, die in Zoos oft nicht artgerecht gehalten werden können», kritisierte ein Sprecher einer Tierschutzorganisation. Der Zoo Basel hingegen verweist auf seine langjährige Erfahrung in der Gorillahaltung und die erfolgreiche Zucht mehrerer Jungtiere.
Die genaue Ursache für das aggressive Verhalten des Silberrückens ist noch unklar. Eine Obduktion der getöteten Tiere soll Aufschluss über die genauen Todesursachen geben. Auch das Verhalten des angreifenden Gorillas wird genau dokumentiert. Es ist derzeit nicht absehbar, ob der Silberrücken in der Gruppe bleiben kann oder ob er abgegeben werden muss. Der Zoo Basel steht vor der schwierigen Entscheidung, wie es mit der Gorillagruppe weitergehen soll.
In den sozialen Medien und in der lokalen Bevölkerung löst der Vorfall große Bestürzung aus. Viele Besucher, die die Gorillas im Zoo Basel über Jahre hinweg beobachtet haben, zeigen sich fassungslos. Der Zoo hat ein Kondolenzbuch für die getöteten Tiere ausgelegt und bietet Gespräche mit Tierpflegern an, um die Fragen der Besucher zu beantworten. Die Zukunft der Gorillahaltung im Zoo Basel wird nun neu bewertet werden müssen.



