Bei einer Veranstaltung zum Christopher Street Day (CSD) im Berliner Tiergarten ist am Samstagabend ein Lieferwagen in eine Menschenmenge gefahren. Dabei kam nach Polizeiangaben mindestens eine Person ums Leben, etwa 15 Menschen wurden verletzt, einige von ihnen schwer. Die Hintergründe des Vorfalls sind noch unklar, die Ermittlungen laufen.
Der Vorfall ereignete sich am Rande der CSD-Feierlichkeiten, die jedes Jahr Tausende Menschen anziehen. Der Christopher Street Day gedenkt der Stonewall-Aufstände von 1969 in New York und steht für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und anderen queeren Menschen. In Berlin wird der CSD traditionell mit einer großen Parade und weiteren Veranstaltungen begangen, die für Diversität und Toleranz werben. Der Tiergarten, ein zentraler Park in der Hauptstadt, war einer der Schauplätze dieses Jahres.
Ein Sprecher der Polizei bestätigte, dass es sich bei dem Fahrzeug um einen Lieferwagen handelte. Der Fahrer sei vor Ort festgenommen worden, so die Beamten. Die Polizei hat umfangreiche Absperrungen eingerichtet, um die Unfallstelle zu sichern und die Ermittlungen zu ermöglichen. Rettungskräfte waren mit einem Großaufgebot vor Ort, um die Verletzten zu versorgen. Einige von ihnen wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht.
Zeugen berichteten gegenüber der Polizei auch von Stichverletzungen, die bei dem Vorfall aufgetreten sein sollen. Die Behörden gehen diesen Hinweisen nach. Es ist noch nicht geklärt, ob der Fahrer absichtlich in die Menge steuerte oder ob es sich um einen Unfall handelte. Die Polizei hat eine Sonderkommission eingerichtet, die den Fall untersucht.
Die Berliner Senatsverwaltung für Inneres zeigte sich bestürzt über den Vorfall. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) sprach den Angehörigen des Opfers ihr Mitgefühl aus und dankte den Einsatzkräften für ihre schnelle Reaktion. Auch der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) äußerte sich betroffen und forderte eine lückenlose Aufklärung. Die CSD-Organisatoren riefen zu Solidarität auf und betonten, dass solche Gewalttaten die queere Gemeinschaft nicht einschüchtern dürften.
Der Vorfall erinnert an ähnliche Zwischenfälle in den vergangenen Jahren in Europa, bei denen Fahrzeuge gezielt in Menschenmengen gesteuert wurden. Die Sicherheitsbehörden sind alarmiert und haben ihre Maßnahmen bei Großveranstaltungen bereits in den letzten Jahren verschärft. In Berlin wird die Sicherheitslage nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz im Jahr 2016 besonders sensibel betrachtet.
Die Polizei bittet Zeugen, die sachdienliche Hinweise geben können, sich zu melden. Die Ermittlungen konzentrieren sich derzeit auf die Motive des Fahrers und die genauen Umstände der Tat. Die Behörden schließen weder einen terroristischen Hintergrund noch eine psychische Ausnahmesituation des Fahrers aus.
Die Veranstaltungen zum CSD in Berlin wurden nach dem Vorfall vorübergehend unterbrochen, aber später wieder aufgenommen. Viele Teilnehmende zeigten sich erschüttert, aber auch entschlossen, den CSD fortzusetzen. Die Polizei hat ihre Präsenz bei den verbleibenden Veranstaltungen verstärkt, um die Sicherheit der Teilnehmenden zu gewährleisten.



