Der geplante zehnte Transport eines Castor-Behälters mit hochradioaktivem Atommüll vom ehemaligen Forschungsreaktor Jülich ins Zwischenlager Ahaus ist in der Nacht zum Donnerstag wegen eines technischen Defekts am Transportfahrzeug abgesagt worden. Wie die Polizei mitteilte, verließ der Spezialbehälter das gesicherte Gelände in Jülich nicht. Der Defekt beschränkte sich auf die Zugmaschine, sodass von dem Behälter oder der Ladung zu keiner Zeit eine Gefahr ausging.
Der Transport war für die Nachtstunden geplant, um den öffentlichen Straßenverkehr möglichst wenig zu beeinträchtigen. Nachdem die Techniker den Schaden an dem Spezialfahrzeug begutachtet hatten, stellte sich heraus, dass eine zeitnahe Reparatur oder ein spontaner Austausch der Zugmaschine nicht möglich war. Die Polizei entschied daraufhin, die Fahrt komplett abzusagen. Fahrzeug und Castor-Behälter blieben auf dem gesicherten Gelände des Forschungszentrums in Jülich zurück.
Erst in der vorangegangenen Nacht war ein weiterer Castor-Transport ohne Zwischenfälle von Jülich nach Ahaus verlaufen. An beiden Tagen gab es kleinere Proteste von Atomkraftgegnern, die sich entlang der nicht öffentlich gemachten Route versammelt hatten. Die genauen Fahrtrouten und Alternativstrecken werden aus Sicherheitsgründen grundsätzlich nicht vorab bekannt gegeben. Die Polizei begleitet die Transporte in der Regel mit einem Großaufgebot.
Bei der Verlagerung der insgesamt 152 Castor-Behälter handelt es sich um einen der größten Atommüll-Transporte auf der Straße seit Jahrzehnten. In den Spezialbehältern sind rund 300.000 Brennelement-Kugeln aus dem ehemaligen Forschungsreaktor in Jülich eingepackt. Der Abtransport des Atommülls aus Jülich ist Teil eines langjährigen Projekts zur Räumung des stillgelegten Reaktors und zur sicheren Zwischenlagerung des radioaktiven Materials in Ahaus.
Das Zwischenlager Ahaus in Nordrhein-Westfalen ist bereits seit Jahren ein zentraler Punkt für die Aufbewahrung von Atommüll aus deutschen Forschungs- und Leistungsreaktoren. Die Castor-Behälter sind speziell dafür konstruiert, auch bei Unfällen oder äußeren Einwirkungen die Radioaktivität sicher einzuschließen. Dennoch sind die Transporte regelmäßig von Protesten begleitet, bei denen Umweltschützer und Anwohner auf die Risiken der Atomenergie und der Endlagerung aufmerksam machen.
Wann der abgesagte zehnte Transport nachgeholt werden soll, ist noch unklar. Die Polizei und die zuständigen Behörden müssen zunächst die Reparatur oder den Austausch der Zugmaschine organisieren. Ein neuer Termin wird aus Sicherheitsgründen vermutlich erst kurzfristig bekannt gegeben. Die bisherigen Transporte verliefen größtenteils ohne größere Störungen, abgesehen von kleineren Blockadeversuchen und Protestaktionen.
Der Forschungsreaktor Jülich wurde bereits vor Jahren stillgelegt, die Räumung der radioaktiven Abfälle zieht sich jedoch über viele Jahre hin. Die Castor-Behälter werden nach und nach in das Zwischenlager Ahaus gebracht, wo sie bis zur endgültigen Entsorgung in einem noch nicht gefundenen Endlager zwischengelagert werden. Die Debatte um die Endlagerung von Atommüll ist in Deutschland seit Jahrzehnten politisch umstritten und wird von Bürgerinitiativen und Umweltverbänden kritisch begleitet.



