Der Taxifahrer Muhammad Afzal, der am Rosenmontag 2025 in Mannheim den Amokfahrer stoppte und damit weitere Todesopfer verhinderte, ist mit der Rettungsmedaille des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet worden. Innenminister Manuel Hagel (CDU) überreichte die hohe Auszeichnung in Mannheim und würdigte Afzals beherztes Eingreifen als «mutig und von unschätzbarem Wert». Der 48-jährige Pakistaner, der seit 19 Jahren in Deutschland lebt und ein eigenes Taxiunternehmen betreibt, hatte den Täter am 3. März 2025 in einer Sackgasse gestoppt, indem er sein Taxi hinter das Fluchtauto setzte.
Bei der Amokfahrt waren zwei Menschen getötet und 14 weitere verletzt worden. Der damals 40-jährige Deutsche aus Rheinland-Pfalz wurde später wegen zweifachen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt und in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen. Afzal hatte den Vorfall im Rückspiegel seines Taxis beobachtet, als er am Taxistand in der Mannheimer Fußgängerzone wartete. Ohne zu zögern, scherte er aus, hupte, warnte Passanten und folgte dem Fahrzeug. Als der Täter in eine Sackgasse einbog, blockierte Afzal die Flucht. Der Amokfahrer feuerte daraufhin mit einer Schreckschusswaffe auf Afzals Windschutzscheibe, flüchtete zu Fuß und wurde kurz darauf festgenommen.
Afzal selbst sieht sich nicht als Helden. In einem Gespräch in seiner Moschee sagte er: «Ich bin kein Held, ich kann nicht Held sein. Ich bin Muslim und meine Religion sagt: Es gibt keine Helden, alle Muslime sind gleich.» Die Religion gebe ihm Kraft. Der gläubige Muslim betonte, dass die Medaille für ihn eine große Ehre sei, weil sie zeige, dass Zivilcourage anerkannt werde – unabhängig von Herkunft oder Religion. Die Auszeichnung bedeute ihm und seiner Familie sehr viel. Er verwies auf eine Koran-Textstelle, nach der derjenige, der ein Menschenleben rette, handle, als hätte er die gesamte Menschheit gerettet.
Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht (CDU), der Afzal für die Medaille vorgeschlagen hatte, sprach von einer «vorbildlichen und mutigen Tat» und lobte dessen «fast übermenschliche Geistesgegenwart». Die Rettungsmedaille wird vom Land an Menschen verliehen, die unter besonders schwierigen und gefährlichen Umständen andere aus Lebensgefahr gerettet haben. Hagel betonte, Afzal habe sich selbst in Gefahr gebracht, um andere zu retten.
Afzal lebt mit seiner Frau und vier Kindern in Mannheim und führt seit sieben Jahren ein eigenes Taxiunternehmen. Die Erinnerungen an die Tat belasteten ihn lange. Erst zwei Monate nach dem Ereignis nahm er die Arbeit wieder auf, zunächst nicht in Vollzeit. Eine Therapie half ihm, das Erlebte zu verarbeiten. «Ich führe wieder ein weitgehend normales Leben», sagte er nun. Dennoch seien die Erinnerungen immer noch präsent, und die Ehrung erinnere ihn an den schrecklichen Tag. «Deshalb empfinde ich nicht nur Stolz, sondern denke vor allem an das, was damals geschehen ist.»
Beruflich hat Afzal mit den aktuellen wirtschaftlichen Schwierigkeiten in der Taxibranche zu kämpfen. Die Umsätze gingen zurück, das spüre er deutlich in seinem Unternehmen. Seine Familie und seine Gemeinde hätten ihm im vergangenen Jahr viel Halt gegeben. Der Generalsekretär seiner Ahmadiyya-Gemeinde, Daud Nasir, beschrieb Afzal als einen sehr bescheidenen und hilfsbereiten Menschen, der sich nie in den Vordergrund dränge. Dass ein Mitglied der Gemeinde so gehandelt habe, erfülle ihn mit Stolz. Auch Afzals Kinder seien stolz auf ihren Vater; wenn sie ihm sagten, dass ihr Lehrer finde, er habe alles richtig gemacht, motiviere ihn das.
Die Verleihung der Rettungsmedaille ist für Afzal eine öffentliche Anerkennung, die er nicht erwartet hatte. «Sie zeigt mir, dass mein Handeln gesehen und anerkannt wird, und diese Wertschätzung bedeutet mir und meiner Familie sehr viel», teilte er mit. Trotz der schweren Erinnerungen blickt er nach vorne und führt seinen Alltag so normal wie möglich weiter.



