Der Gesundheitszustand des langjährigen US-Senators Mitch McConnell gibt in Washington weiterhin Rätsel auf. Der 84-jährige Republikaner wurde Mitte Juni in ein Krankenhaus eingeliefert und befindet sich seit nunmehr vier Wochen in stationärer Behandlung. Offizielle Angaben zu seiner Erkrankung oder seinem aktuellen Befinden liegen nicht vor, was in der US-Hauptstadt eine Welle von Spekulationen ausgelöst hat.
Ein Sprecher McConnells erklärte auf Anfrage lediglich, der Senator sei „dankbar für die große Welle der Unterstützung, die ihm während seiner weiteren Genesung im Krankenhaus zuteil wird“. Konkrete medizinische Details wurden nicht genannt. Medienberichten zufolge waren Rettungskräfte wegen einer bewusstlosen Person zu McConnells Wohnadresse gerufen worden und hätten Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet. Diese Angaben wurden jedoch von offizieller Seite weder bestätigt noch dementiert.
Besondere Aufmerksamkeit erregte ein Beitrag der politischen Aktivistin Laura Loomer, die dem Lager von Präsident Donald Trump nahesteht. Sie schrieb auf der Plattform X, sie habe aus dem Weißen Haus erfahren, dass McConnell „hirntot“ sei. „Er kommt nicht zurück“, zitierte sie eine anonyme Quelle. Diese Behauptung stieß jedoch auf Widerspruch. Der Publizist und frühere McConnell-Berater Scott Jennings erklärte, er habe mit dem Senator fast 20 Minuten telefoniert und dabei aktuelle politische Themen besprochen. „Ich habe ihm gesagt, dass wir ihn so schnell wie möglich wieder bei der Arbeit sehen wollen“, schrieb Jennings.
Der republikanische Senator Mike Lee aus Utah kommentierte die Lage mit den Worten: „Viele von uns äußern sich nicht zu Mitch McConnells Gesundheitszustand, weil wir nichts über seinen Zustand wissen.“ Diese Zurückhaltung ist bemerkenswert, da McConnells Abwesenheit politische Konsequenzen haben könnte. Der Senat befindet sich derzeit in der Sitzungspause, soll aber ab kommender Woche wieder tagen. Die Republikaner verfügen in der Kongresskammer nur über eine knappe Mehrheit von 53 zu 47 Sitzen. Präsident Trump drängt unter anderem auf die Verabschiedung eines umstrittenen Wahlgesetzes, für das jede Stimme zählt.
Mitch McConnell zählt seit Jahrzehnten zu den einflussreichsten Republikanern im Kongress. Der Politiker aus dem Bundesstaat Kentucky gehört dem Senat seit 1985 an. Von 2007 bis 2015 war er zunächst Minderheitsführer seiner Partei, bevor er zwischen 2015 und 2021 sein Karriereziel erreichte und Mehrheitsführer des Senats wurde. In dieser Funktion prägte er maßgeblich die konservative Agenda und setzte gemeinsam mit Präsident Trump zahlreiche Vorhaben um, darunter die umstrittene Steuerreform und die Bestätigung konservativer Richter am Obersten Gerichtshof.
Nach Trumps Wahlniederlage 2020 distanzierte sich McConnell jedoch zunehmend von dessen Betrugsbehauptungen und machte den Rechtspopulisten für die Kapitol-Erstürmung vom 6. Januar 2021 verantwortlich. Nach Trumps erneuter Vereidigung vor rund anderthalb Jahren trat McConnell als innerparteilicher Widersacher auf. Er verweigerte dem umstrittenen Verteidigungsminister Pete Hegseth und anderen Kabinettsmitgliedern seine Stimme. Trump revanchierte sich mit harscher Kritik und bezeichnete McConnell als „üblen Typen“, der „miserabel in seinem Job“ gewesen sei.
Im vergangenen Jahr kündigte McConnell an, Anfang 2027 in den Ruhestand gehen zu wollen. Ob er dieses Ziel erreichen kann, ist angesichts der aktuellen gesundheitlichen Unsicherheit fraglich. Die politische Landschaft in Washington beobachtet die Entwicklung mit Spannung, denn McConnells Ausfall könnte die ohnehin fragile Machtbalance im Senat weiter verschieben. Sollte er sein Amt nicht mehr ausüben können, müsste der Gouverneur von Kentucky einen Nachfolger ernennen – ein Prozess, der in einem politisch gespaltenen Umfeld für zusätzliche Konflikte sorgen könnte.
Bis zur offiziellen Klärung von McConnells Gesundheitszustand bleibt die Gerüchteküche in Washington in vollem Gang. Die widersprüchlichen Aussagen von Trump-Vertrauten und ehemaligen Beratern tragen ebenso zur Verunsicherung bei wie das Schweigen der offiziellen Stellen. Klarheit wird es wohl erst geben, wenn der Senator entweder selbst Stellung nimmt oder sein Büro genauere Informationen veröffentlicht.



