Schwere Gewitter haben am Nachmittag in Teilen Sachsen-Anhalts zu zahlreichen Einsätzen von Feuerwehr und Rettungskräften geführt. Nach Angaben der Leitstellen gab es mindestens 70 Alarmierungen wegen vollgelaufener Keller, überfluteter Straßen und umgestürzter Bäume oder herabgefallener Äste auf Fahrbahnen. Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand.

Besonders heftig traf es die Stadt Dessau-Roßlau. Dort gingen bei der Feuerwehr nach einem heftigen Unwetter mit Starkregen und Gewitter fast im Minutentakt Meldungen über überflutete Keller und Straßen sowie Wassereinbrüche über Dächer ein, wie die Stadt mitteilte. Betroffen waren neben zahlreichen Wohngebäuden auch Kindertagesstätten, eine Schule und ein Einkaufszentrum, das vorsorglich geräumt wurde. Bis 20:00 Uhr verzeichnete die Feuerwehr insgesamt 121 Einsätze zu Hilfeleistungen und acht Brandeinsätze, die das Unwetter erforderte. Zeitweise waren knapp 170 Einsatzkräfte von Berufsfeuerwehr und Freiwilligen Feuerwehren im Einsatz. Obwohl das Unwetter nach Angaben der Stadt nur etwa 20 Minuten dauerte, seien die Folgen erheblich gewesen. „So viele Einsätze in so kurzer Zeit hatten wir schon seit Ewigkeiten nicht mehr“, wurde Feuerwehrmitarbeiter Marcel Koppehel in der Mitteilung zitiert.

Im Harz sorgten Starkregen und Hagel ebenfalls für erhebliche Behinderungen. In Derenburg standen nach einem heftigen Regenguss Straßen unter Wasser, auch Hagel ging nieder. Einsatzkräfte der Feuerwehr rückten aus, um überflutete Fahrbahnen zu reinigen. In Ermsleben stand die Bundesstraße 185 im Bereich der Endorfer Straße unter Wasser und musste gesperrt werden. Im Burgenlandkreis liefen nach Angaben der Leitstelle mehrere wetterbedingte Einsätze. In Weißenfels wurden die Menschen zur Warnung über Sirenen auf das Unwetter aufmerksam gemacht. Im Salzlandkreis war die Straße zwischen Mehringen und Freckleben wegen umgestürzter Bäume gesperrt.

Auf der Autobahn A36 in Höhe der Anschlussstelle Aschersleben Ost kam es zu einem Unfall. Nach Polizeiangaben war ein Auto mit mehreren Insassen in Richtung Bernburg unterwegs, als es aufgrund von Aquaplaning ins Schleudern geriet. Verletzt wurde dabei niemand. Wie der Wetterdienst des MDR berichtete, fielen in Aschersleben bei Starkregen bis zu 62 Liter Niederschlag je Quadratmeter. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte für mehrere Regionen Sachsen-Anhalts vor schweren Gewittern mit orkanartigen Böen, heftigem Starkregen und Hagel gewarnt.

Ruhig blieb es dagegen trotz der Unwetterwarnungen im Jerichower Land. Nach Angaben der Leitstelle gab es dort keine unwetterbedingten Einsätze. Die heftigen Gewitter waren Teil einer Unwetterlage, die mehrere Regionen Deutschlands betraf. In Berlin kam es zu einem Unfall einer S-Bahn, die mit einem umgestürzten Baum kollidierte, sowie zu Einschränkungen im S-Bahn-Verkehr. Die Feuerwehren in den betroffenen Gebieten waren stundenlang im Einsatz, um die Schäden zu beseitigen und die Verkehrswege wieder freizumachen.

Die Einsatzkräfte in Sachsen-Anhalt arbeiten weiterhin daran, die Folgen des Unwetters zu bewältigen. Besonders in Dessau-Roßlau sind die Aufräumarbeiten noch im Gange. Die Stadtverwaltung rief die Bürger dazu auf, Keller und tiefer gelegene Räume zu kontrollieren und bei weiteren Problemen die Feuerwehr zu verständigen. Die Wetterlage bleibt nach Angaben des DWD angespannt, weitere Gewitter sind nicht ausgeschlossen.