Am Samstagabend hat ein 21-jähriger Mann mit einem weißen Kastenwagen am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin eine Menschenmenge gerammt. Dabei wurde eine polnische Staatsangehörige getötet, 29 weitere Menschen erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Nach dem Zusammenstoß verließ der Fahrer das Fahrzeug und griff laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt mit einer Machete weitere Menschen an. Der mutmaßliche Täter, Abdul B., konnte am Sonntagabend in einer Kleingartenanlage in Berlin-Spandau von der Polizei aufgespürt werden. Als er mit einer Stichwaffe auf die Beamten des Spezialeinsatzkommandos zulief, schossen sie auf ihn. Der 21-Jährige starb noch am Einsatzort.

Abdul B. wurde 2005 in Berlin geboren und wuchs dort als Deutscher mit libanesischem Hintergrund auf. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden war er Teil der islamistischen Szene und hatte sich radikalisiert. Bereits 2024 veröffentlichte er auf Instagram Videos mit IS-Symbolen und Glaubensliedern. Ein Jahr später versuchte er, sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anzuschließen. Er reiste über die Türkei in den Libanon, um von dort nach Syrien zu gelangen. Dort wurde er im Juli 2025 festgenommen und von einem Militärgericht wegen Anstiftung zu religiösen und konfessionellen Konflikten zu drei Monaten Haft verurteilt.

Nach seiner Entlassung kehrte B. im November 2025 nach Deutschland zurück und wurde am Berliner Flughafen erneut festgenommen. Im Mai 2026 verurteilte ihn das Amtsgericht Tiergarten wegen versuchten Anschlusses an den IS zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein, sodass das Urteil nicht rechtskräftig wurde. Das Gericht hob den Haftbefehl auf, weil die Untersuchungshaft nicht als vorweggenommene Strafe dienen sollte. Bereits 2022 war B. wegen Körperverletzung und Raubes zu einer Jugendstrafe verurteilt worden.

Nach der Schule hatte B. mehrere Praktika im Handwerk absolviert und zeitweise im Wachschutz gearbeitet. Laut einem Gerichtsurteil lebte er 2026 ohne eigenes Einkommen von Sozialleistungen. Er war tiefgläubiger Muslim und gehörte der schiitischen Richtung an, was zu Konflikten mit seiner sunnitischen Verwandtschaft führte. Der Extremismus-Berater Thomas Mücke vom Violence Prevention Network beschrieb B. als gefassten, vorsichtigen und kontrollierten jungen Mann, bei dem Sozialarbeiter schwer an ihn herankamen.

Trotz der eindeutigen Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund ist das konkrete Motiv der Tat noch nicht abschließend geklärt. Auch der genaue Tatablauf bleibt unklar. Die Ermittlungen dauern an. Der Vorfall ereignete sich auf der Höhe des Ahornsteigs, einem Parkweg parallel zur Lennéstraße nahe dem Potsdamer Platz, wo der CSD stattfand. Die getötete Frau war mit ihrer Tochter in Berlin zu Besuch. Mehrere der Verletzten schwebten zunächst in Lebensgefahr, konnten aber stabilisiert werden.