Bei einem israelischen Luftangriff auf eine Trauerfeier im Gazastreifen sind am Donnerstag nach Angaben von Ärzten und palästinensischen Berichten acht Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt worden. Der Angriff ereignete sich, als Trauernde zur Beerdigung einer Person zusammenkamen, die zuvor bei einem israelischen Militäreinsatz getötet worden war. Das israelische Militär erklärte, der Luftangriff habe einer Terrorzelle gegolten, die sich unter den Trauernden befunden habe.
Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums im Gazastreifen wurden bei dem Angriff auf die Trauerfeier in der Stadt Deir al-Balah acht Leichen und Dutzende Verletzte in Krankenhäuser gebracht. Die genaue Zahl der Verletzten konnte zunächst nicht unabhängig überprüft werden. Augenzeugen berichteten von Chaos und Panik unter den Trauernden, als die Raketen einschlugen. Die israelische Armee teilte mit, man habe präzise Informationen gehabt, dass sich bewaffnete Kämpfer unter die Trauergemeinde gemischt hätten, und betonte, man bemühe sich, zivile Opfer zu vermeiden.
Der Vorfall ist der jüngste in einer Reihe von Angriffen, die die humanitäre Lage im Gazastreifen weiter verschärfen. Seit Beginn der israelischen Militäroperationen als Reaktion auf den Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums mehr als 40.000 Menschen im Gazastreifen getötet worden. Die Vereinten Nationen und internationale Hilfsorganisationen haben wiederholt die hohe Zahl ziviler Opfer kritisiert und beide Konfliktparteien zur Einhaltung des humanitären Völkerrechts aufgerufen.
Die israelische Armee rechtfertigt ihre Luftangriffe im Gazastreifen mit dem Ziel, die militärische Infrastruktur der Hamas zu zerstören und deren Führungskräfte auszuschalten. Kritiker werfen Israel jedoch vor, bei seinen Angriffen nicht ausreichend zwischen Kombattanten und Zivilisten zu unterscheiden. Die Trauerfeiern im Gazastreifen sind in den letzten Monaten wiederholt zum Ziel von Angriffen geworden, was die ohnehin angespannte Lage in der Region weiter anheizt.
Die internationale Gemeinschaft hat mit Besorgnis auf die jüngsten Entwicklungen reagiert. Die Europäische Union und mehrere UN-Mitgliedsstaaten forderten eine sofortige Untersuchung des Vorfalls und erneuerten ihre Forderung nach einer Waffenruhe. Vermittlungsbemühungen zwischen Israel und der Hamas, die unter anderem von Ägypten, Katar und den USA vorangetrieben werden, sind bisher ohne Durchbruch geblieben. Die Gespräche stocken vor allem wegen der unterschiedlichen Vorstellungen über einen dauerhaften Waffenstillstand und die Zukunft des Gazastreifens nach dem Krieg.
Der Angriff auf die Trauerfeier reiht sich ein in eine Serie von Vorfällen, bei denen zivile Einrichtungen und Zusammenkünfte im Gazastreifen getroffen wurden. In den vergangenen Wochen wurden mehrfach Schulen, Krankenhäuser und Wohngebäude bei israelischen Luftangriffen beschädigt oder zerstört. Die israelische Armee wirft der Hamas vor, diese Einrichtungen als Deckung für militärische Operationen zu missbrauchen. Die Hamas bestreitet dies.
Die humanitäre Lage im Gazastreifen ist katastrophal. Nach Angaben des UN-Hilfswerks für Palästinaflüchtlinge (UNRWA) sind mehr als 1,9 Millionen Menschen – rund 80 Prozent der Bevölkerung – innerhalb des Küstenstreifens vertrieben. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Wasser und medizinischen Gütern ist unzureichend. Die israelische Blockade des Gazastreifens verschärft die Not der Zivilbevölkerung zusätzlich. Internationale Hilfsorganisationen warnen vor einer Hungersnot und fordern einen ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe.



