Nach dem massenhaften Grenzübertritt Zehntausender Migranten in die spanische Exklave Ceuta ziehen mehrere europäische Staaten Konsequenzen. Frankreich verstärkt seine Kontrollen an der Grenze zu Spanien und schickt zusätzliche Soldaten, Polizisten und Einheiten der Gendarmerie dorthin, wie Innenminister Nuñez mitteilte. Auch Italien setzt den Schengen-Raum aus. In Deutschland will Bundesinnenminister Alexander Dobrindt die Kontrolle der Landesgrenzen über September hinaus verlängern.

Ceuta liegt an der Nordküste Afrikas und gehört zu Spanien. Nach Regierungsangaben sind in den vergangenen Tagen rund 50.000 Menschen irregulär in die Exklave an der Meerenge von Gibraltar gelangt, viele davon schwimmend. Die Regionalregierung von Ceuta schätzte die Zahl der Ankömmlinge sogar auf mehr als 60.000; unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben nicht. Bis zum Freitagnachmittag hatten nach Angaben des Innenministeriums in Madrid bereits 37.500 Menschen die Exklave wieder Richtung Marokko verlassen. Das entspricht etwa drei Vierteln der offiziell genannten Ankömmlinge. Tausende Migranten hielten sich demnach weiterhin in Ceuta auf. Auch an der zweiten spanischen Exklave in Nordafrika kam es in der Nacht zu Freitag zu massenhaften Grenzübertritten.

Auf dem Weg von Marokko nach Ceuta sind nach Informationen des staatlichen Fernsehsenders RTVE mindestens 57 Menschen ums Leben gekommen. Die meisten seien ertrunken, als sie die Exklave schwimmend erreichen wollten, hieß es unter Berufung auf einen Sprecher des Innenministeriums in Madrid. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez bezeichnete den Migrantenandrang als «Angriff» auf Spanien.

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha wirft Russland vor, die Lage in Ceuta für eine Propagandakampagne zu nutzen, um in Europa Ängste vor einer Migrationskrise zu schüren. Auf der Plattform X verwies er auf ukrainische Analysten, wonach russische Propaganda seit Donnerstag mehr als 1.500 Beiträge auf verschiedenen Seiten veröffentlicht habe, orchestriert von den Medien «Pravda» und «Russia Today». Allein die spanische Onlineausgabe von «Pravda» habe fast 300 Beiträge zu Ceuta veröffentlicht, in allen anderen Sprachausgaben seien es mindestens 25 gewesen. Sybiha forderte die europäischen Länder auf, sämtliche russischen Propagandaseiten vom Netz zu nehmen.

Die Linke forderte Deutschland auf, Migranten aus Ceuta aufzunehmen. «Jetzt zählt zuerst, dass niemand mehr stirbt», sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Clara Bünger. Die Menschen müssten medizinisch versorgt werden, Wasser und einen sicheren Ort erhalten. «Damit darf Spanien nicht allein bleiben. Deutschland und die EU stehen in der Pflicht, bei der Versorgung zu helfen und Schutzsuchende aufzunehmen.» Bünger warnte zugleich vor einer Politik der Abschottung: Solange es keine sicheren und legalen Wege gebe, würden Menschen weiter in Lebensgefahr getrieben. Die Situation in Ceuta sei keine Naturkatastrophe, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen. Menschen flöhen vor Krieg, Armut und Klimakrise; höhere Mauern hielten sie nicht auf, sondern machten die Flucht nur tödlicher.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) kündigte an, die deutschen Binnengrenzkontrollen über September hinaus zu verlängern. Die bisherigen Erfolge beim Zurückdrängen der illegalen Migration müssten durch «flexible und angepasste Binnengrenzkontrollen» erhalten werden. Seit dem 16. September 2024 wird wieder an allen deutschen Grenzen kontrolliert. Die damalige Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hatte dies angeordnet, um unerlaubte Einreisen einzudämmen. Trotz wachsender Kritik wurde die Regelung dreimal verlängert, zuletzt bis Mitte September 2026. «Die Situation in Ceuta verdeutlicht die volatile Lage bei der illegalen Migration», erklärte Dobrindt zur Begründung. Auch US-Präsident Donald Trump nannte die Lage in Ceuta «schrecklich» und warnte vor einem ähnlichen Szenario in den USA.