Die spanische Exklave Ceuta hat sich nach dem massenhaften Zustrom von Migranten weitgehend geleert. Nach Angaben des spanischen Innenministeriums befinden sich nur noch rund 1.700 der etwa 50.000 Menschen in der nordafrikanischen Enklave, die in den vergangenen Tagen irregulär eingereist waren. Bis Freitagabend 18 Uhr wurden demnach mehr als 48.300 Ausreisen in Richtung Marokko gezählt.
Bereits am Nachmittag hatten den Behörden zufolge rund 37.500 Menschen das Gebiet wieder in Richtung Marokko verlassen – das entsprach drei Vierteln der etwa 50.000, die nach Regierungsangaben an der Meerenge von Gibraltar die Grenze überwunden hatten. Die Regionalregierung Ceutas hatte die Zahl der Ankömmlinge sogar auf mehr als 60.000 geschätzt. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben nicht. Die meisten Migranten waren den offiziellen Angaben zufolge schwimmend an der Küste der Exklave angekommen. In der Nacht zu Freitag war es auch in der zweiten spanischen Exklave in Nordafrika zu massenhaften Grenzübertritten gekommen.
Der Weg in die Exklave war für viele Menschen tödlich: Auf der Strecke von Marokko nach Ceuta sind nach einem Bericht des staatlichen Fernsehsenders RTVE mindestens 57 Menschen ums Leben gekommen, die meisten ertranken beim Versuch, die spanische Enklave schwimmend zu erreichen. Der Sender berief sich auf einen Sprecher des Innenministeriums in Madrid. Das Ministerium erklärte, ein Großteil der Menschen sei bereits freiwillig nach Marokko zurückgekehrt.
Die Ereignisse haben auch europäische Folgen: Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez hatte den Migrantenandrang als »Angriff« auf Spanien bezeichnet. Italien setzte nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters das Schengen-Abkommen mit Spanien aus; zuvor hatte Regierungschefin Giorgia Meloni scharfe Kritik an der spanischen Regierung geübt.
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha warnte unterdessen vor einer russischen Propagandakampagne, die mit dem Thema Ängste in Europa schüren solle. Ukrainischen Analysten zufolge habe die russische Propaganda seit Donnerstag mehr als 1.500 Beiträge auf verschiedenen Seiten veröffentlicht, orchestriert von den Propagandamedien »Pravda« und »Russia Today«. Allein die spanische Onlineausgabe von »Pravda« habe fast 300 Beiträge zu Ceuta veröffentlicht. »Jahrelang hat Moskau die Migration und andere sensible Themen instrumentalisiert, um Ängste zu schüren und europäische Länder zu destabilisieren«, schrieb Sybiha auf der Plattform X. Europäische Länder, die ihre nationale Sicherheit ernst nähmen, sollten sämtliche russischen Propagandaseiten vom Netz nehmen.
In Deutschland forderte die Linke die Bundesregierung auf, Migranten aus Ceuta aufzunehmen. »Jetzt zählt zuerst, dass niemand mehr stirbt«, erklärte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Clara Bünger. Die Menschen müssten medizinisch versorgt werden, Wasser bekommen und einen sicheren Ort finden. »Damit darf Spanien nicht allein bleiben. Deutschland und die EU stehen in der Pflicht, bei der Versorgung zu helfen und Schutzsuchende aufzunehmen.« Solange es keine sicheren, legalen Wege gebe, würden Menschen weiter in Lebensgefahr getrieben. Die Situation in Ceuta sei keine Naturkatastrophe, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen, sagte Bünger.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt will angesichts der Lage an den Kontrollen der deutschen Landesgrenzen festhalten. »Wir werden die Möglichkeit der Binnengrenzkontrollen über den September hinaus verlängern«, kündigte der CSU-Politiker an. Um die bisherigen Erfolge beim Zurückdrängen der illegalen Migration zu erhalten, müssten flexible und angepasste Binnengrenzkontrollen aufrechterhalten werden. Seit dem 16. September 2024 wird an allen deutschen Grenzen kontrolliert; die damalige Innenministerin Nancy Faeser hatte dies angeordnet. Die Regelung wurde dreimal verlängert, zuletzt bis Mitte September 2026. »Die Situation in Ceuta verdeutlicht die volatile Lage bei der illegalen Migration«, begründete Dobrindt die erneute Verlängerung.
US-Präsident Donald Trump warnte vor einem ähnlichen Szenario in den USA wie derzeit in Ceuta. »Das ist schrecklich. Erinnert euch an dieses Bild«, wurde er zitiert.



