Der ehemalige medizinische Chefberater von US-Präsident Joe Biden, Anthony Fauci, hat sich vor einem US-Senatsausschuss auf sein Aussageverweigerungsrecht berufen. In der Anhörung des Ausschusses für Innere Sicherheit und Regierungsangelegenheiten versuchten republikanische Senatoren, dem renommierten Immunologen Antworten zum Ursprung des Coronavirus zu entlocken. Fauci machte von seinem Recht Gebrauch, sich nicht selbst belasten zu müssen, und wies die Vorwürfe zurück. Der Ausschussvorsitzende Rand Paul treibt die Untersuchung seit Jahren voran und ist überzeugt, dass Fauci eine natürliche Herkunft des Virus propagiert habe, um ein mögliches Laborleck im chinesischen Wuhan zu verschleiern.

Kurz vor der Anhörung veröffentlichte Paul Auszüge aus Faucis Tagebüchern. Darin schrieb Fauci im Januar 2020, der chinesische Markt sei nicht der Ursprung, sondern der Verstärker gewesen. Später betonte er, niemand könne sich hundertprozentig sicher über den Ursprung sein. Im Mai 2021 notierte Fauci, er habe stets gesagt, dass ein natürlicher Ursprung sehr wahrscheinlich sei, doch angesichts der Spekulationen über ein Laborleck forderte er eine gründliche Untersuchung. Diese Tagebucheinträge werden nun von den Republikanern als Beleg für eine angebliche Vertuschungstaktik angeführt. Auch US-Präsident Donald Trump hat wiederholt behauptet, Fauci habe versucht, China zu schützen.

Fauci war während der Pandemie eine zentrale Figur in den USA. Er leitete fast vier Jahrzehnte lang das Nationale Institut für Infektionskrankheiten und arbeitete unter insgesamt sieben US-Präsidenten. Für Republikaner steht er symbolisch für alles, was im Kampf gegen die Pandemie falsch gelaufen sei. Der demokratische Senator Richard Blumenthal kritisierte die Anhörung scharf. Er warf dem Ausschussvorsitzenden Rand Paul vor, das Verfahren sei lediglich ein Versuch, Fauci eines strafrechtlichen Fehlverhaltens zu bezichtigen, was nicht der legitime Zweck von Ausschussanhörungen sei.

Die Debatte über den Ursprung des Coronavirus hat sich in den USA zuletzt wieder verschärft. Der Direktor des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, John Ratcliffe, gab im vergangenen Jahr bekannt, die CIA halte einen Laborunfall für wahrscheinlicher als einen natürlichen Ursprung – wenn auch mit geringer Sicherheit. Ein Unterausschuss des Repräsentantenhauses stützte diese Labortheorie in einem Bericht. Auch der frühere Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, äußerte sich kürzlich in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» ähnlich. Mit dem aktuellen Wissensstand sei ein Laborleck plausibler als ein natürlicher Sprung vom Tier auf den Menschen, so Wieler, der während des Corona-Ausbruchs bis März 2023 das RKI leitete.

Trotz jahrelanger Ermittlungen und zahlreicher Untersuchungen liegt bis heute kein eindeutiges Ergebnis zum Ursprung des Virus vor. Die wissenschaftliche Gemeinschaft bleibt gespalten, während die politische Instrumentalisierung des Themas anhält. Die Anhörung Faucis zeigt, wie tief die Gräben in der US-amerikanischen Gesellschaft auch Jahre nach dem Höhepunkt der Pandemie noch sind. Verschwörungstheorien und Misstrauen gegenüber Experten haben weiterhin großen Einfluss auf die öffentliche Debatte. Fauci selbst hat stets betont, dass er keine absichtliche Vertuschung begangen habe und dass die Wissenschaft den Ursprung weiterhin unvoreingenommen erforschen müsse.