Die anhaltende Dürre in Europa hat die Donau vielerorts auf einen kritischen Wasserstand fallen lassen. In mehreren Abschnitten bleiben Kreuzfahrtschiffe in den seichten Fahrrinnen stecken, Atomkraftwerke entlang des Flusses mussten ihre Leistung drosseln oder Reaktoren vorübergehend vom Netz nehmen. Schifffahrt und Energieversorgung geraten damit gleichzeitig unter Druck.
Betroffen sind vor allem Strecken, auf denen die Fahrrinne für große Fahrgastschiffe ohnehin knapp bemessen ist. Reedereien können viele geplante Routen nicht mehr wie vorgesehen befahren, manche Anlegestellen werden bei dem aktuellen Niedrigwasser gar nicht mehr angesteuert. Die Schiffe müssen mit reduzierter Geschwindigkeit und geringerem Tiefgang fahren, um nicht auf Grund zu laufen. In den betroffenen Abschnitten warten einige Kreuzfahrtschiffe inzwischen auf steigende Pegelstände, andere mussten ihre Fahrt vorzeitig unterbrechen.
Für Reisende bedeutet das kurzfristige Änderungen, längere Liegezeiten oder den Wechsel auf Busse, um die nächste erreichbare Anlegestelle zu erreichen. Die Kreuzfahrtbranche trifft das Niedrigwasser mitten in der Hauptsaison: Flussreisen auf der Donau sind im Sommer besonders gefragt. Reedereien müssen ihre Fahrpläne kurzfristig anpassen, wer eine Reise gebucht hat, muss sich auf geänderte Routen oder alternative Anlegeplätze einstellen.
Auch die Energieerzeugung leidet unter der Trockenheit. Atomkraftwerke an der Donau sind auf Kühlwasser aus dem Fluss angewiesen. Sinkt der Pegel, lässt sich die Kühlwasserversorgung nicht mehr zuverlässig sicherstellen; die Betreiber fahren die Anlagen deshalb vorsorglich herunter. Wie lange die Abschaltungen dauern, ist unklar. Erschwerend kommt hinzu, dass die Hitze zugleich den Strombedarf für Kühlung und Klimaanlagen in die Höhe treibt.
Das Niedrigwasser bringt zugleich längst Vergessenes an die Oberfläche. Alte Schiffe, die seit Jahrzehnten auf dem Grund der Donau liegen, ragen wieder aus dem Wasser. Darunter befinden sich auch Überreste der früheren deutschen Wehrmachtflotte, die am Ende des Zweiten Weltkriegs im Fluss versenkt oder zurückgelassen wurde. Die EU hat inzwischen begonnen, diese Wracks zu räumen, weil sie in dem seichten Fahrwasser zu einem ernsten Hindernis für die Schifffahrt geworden sind.
Die Bergung der rostenden Rümpfe ist aufwendig. Die Wracks müssen abschnittsweise gehoben, zerlegt und anschließend abtransportiert werden. Entlang der Donau liegen nach wie vor zahlreiche solcher Schiffe, und solange der Wasserstand niedrig bleibt, dürften weitere historische Funde auftauchen.
Auslöser der Lage ist eine seit Wochen anhaltende Trockenheit mit hohen Temperaturen und ausbleibenden Niederschlägen. Der Fluss führt vielerorts so wenig Wasser, dass die Pegelstände an mehreren Messstationen deutlich unter dem üblichen Niveau liegen. Meteorologen erwarten in den kommenden Tagen keine nachhaltige Entspannung; erst kräftiger und länger anhaltender Regen würde die Flüsse wieder ansteigen lassen.
Die Donau ist eine der wichtigsten Wasserstraßen Europas. Frachtschiffe transportieren Güter durch mehrere Länder, Flusskreuzfahrtschiffe bringen Touristen zu den Städten und Landschaften entlang des Flusses. Fällt der Pegel, ist eine zentrale Verkehrsader des Kontinents beeinträchtigt. Nicht nur die Kreuzfahrtbranche, sondern auch die Binnenschifffahrt insgesamt spürt die Folgen: Frachtschiffe müssen ihre Ladung reduzieren oder bleiben ganz liegen. Die Donau verbindet dabei nicht nur Wirtschaftsräume, sondern ist auch für den Tourismus vieler Anrainerstaaten zentral. Städte wie Wien, Budapest oder Belgrad sind beliebte Ziele von Flusskreuzfahrten.
Behörden und Anwohner beobachten die Entwicklung mit Sorge. Kreuzfahrtschiffe bleiben vorerst in den Häfen, Frachter warten auf bessere Bedingungen. Eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht. Solange der Fluss nicht wieder deutlich mehr Wasser führt, bleiben die Aussichten für Schifffahrt, Energieversorgung und Tourismus gedämpft.



