Ein schwerer Angriff auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin hat die LGBTQ-Gemeinschaft erschüttert. Ein Transporter fuhr am Samstagabend am Rande der Parade in eine Menschenmenge. Dabei kam eine Frau ums Leben, mindestens 16 weitere Menschen wurden verletzt, mehrere von ihnen schweben in Lebensgefahr. Die Berliner Polizei fahndet mit Hochdruck nach dem flüchtigen Tatverdächtigen und warnte vor einer konkreten Gefahr durch den Mann.

Die Veranstalter des Stuttgarter CSD zeigten sich in einer ersten Stellungnahme über die sozialen Medien tief betroffen. «Wir sind zutiefst erschrocken und traurig darüber, was heute in Berlin geschehen ist», hieß es in der Nacht in einem Instagram-Post. «Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei den Opfern, Angehörigen und Zeugen der Tat.» Der Stuttgarter CSD, der ebenfalls am Samstag mit tausenden Teilnehmenden durch die baden-württembergische Landeshauptstadt zog, verlief nach Angaben der Organisatoren ohne Zwischenfälle.

Die Umstände der Tat sind noch unklar. Die Ermittler gehen von einem möglichen islamistischen Motiv aus, da der Täter offenbar gezielt eine Menschenmenge auf einem queeren Fest angegriffen habe. Die Polizei veröffentlichte ein Foto des Verdächtigen und bat die Bevölkerung um Mithilfe. Bundespolizeigewerkschafter Manuel Ostermann erklärte, die Fahndung laufe auf Hochtouren, um weitere Gefahren zu verhindern.

In Stuttgart und anderen deutschen Städten hatten parallel zu Berlin ebenfalls CSD-Paraden stattgefunden. Viele Teilnehmer und Organisatoren reagierten mit Bestürzung auf die Nachrichten aus der Hauptstadt. Die Sicherheitsmaßnahmen bei der Stuttgarter Veranstaltung seien bereits im Vorfeld erhöht worden, teilten die Veranstalter mit. Man habe die Lage ständig beobachtet und stehe in engem Austausch mit den Behörden.

Der Angriff wirft erneut Fragen zur Sicherheit von Großveranstaltungen auf, insbesondere solchen, die für queere Sichtbarkeit und Rechte stehen. In den vergangenen Jahren waren CSD-Veranstaltungen immer wieder Ziel von Hass und Gewalt. Die Polizei kündigte an, die Präsenz bei künftigen Paraden zu verstärken. Die Stuttgarter Veranstalter riefen zur Solidarität auf: «Wir lassen uns nicht einschüchtern. Der CSD steht für Vielfalt und Zusammenhalt, und das werden wir weiterhin zeigen.»