Der Tatverdächtige des mutmaßlich islamistischen Terroranschlags am Rande des Christopher Street Days in Berlin ist tot. Abdul B. wurde bei einem Polizeieinsatz in einer Berliner Gartenlaube erschossen, nachdem er die Einsatzkräfte mit einer Stichwaffe angegriffen hatte. Das teilten die Behörden mit.

Der 21-jährige deutsche Staatsbürger mit libanesischen Wurzeln stand im Verdacht, am Samstagabend gegen 22 Uhr einen weißen Van in eine Menschenmenge nahe des Potsdamer Platzes gesteuert zu haben. Das Fahrzeug prallte gegen einen Baum. Anschließend soll B. mit einer Machete auf weitere Menschen eingestochen haben. Eine Frau erlitt tödliche Verletzungen, 29 weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Laut Polizei befand sich am Sonntagnachmittag niemand mehr in einem kritischen Zustand.

Bereits unmittelbar nach der Tat hatte die Polizei ein Foto des Verdächtigen veröffentlicht und zur Fahndung aufgerufen. Abdul B. war flüchtig. Die Einsatzkräfte orteten ihn schließlich in einer Gartenlaube im Berliner Stadtgebiet. Bei dem Zugriff griff der Gesuchte die Beamten mit einer Stichwaffe an, woraufhin die Polizei von ihrer Schusswaffe Gebrauch machte und ihn tödlich traf. Die genauen Umstände des Einsatzes werden nun untersucht, unter anderem durch die Staatsanwaltschaft.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CDU) bezeichnete die Tat als islamistischen Terroranschlag. Der Verdächtige sei der islamistischen Szene zuzuordnen und habe sich radikalisiert. Schon in der Vergangenheit sei B. «auffällig» geworden, so Dobrindt. Im Februar 2022 war er wegen Körperverletzung und räuberischer Erpressung verurteilt worden. Im Mai 2025 reiste er vom Flughafen Berlin-Brandenburg in den Libanon aus, um sich von dort aus dem Islamischen Staat anzuschließen. Im Libanon wurde er festgenommen und zu drei Monaten Haft verurteilt, unter anderem wegen Anstiftung zu religiösen Konflikten. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland kam er in Untersuchungshaft und wurde im Juli 2026 vom Amtsgericht Tiergarten unter anderem wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Zudem hatte er auf Instagram verbotene IS-Propaganda verbreitet.

Der Christopher Street Day, eine jährliche Demonstration für die Rechte von LGBTQ+-Menschen, wurde nach der Attacke abgebrochen. Viele Teilnehmer zeigten sich schockiert und trauerten um die getötete Frau. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner (CDU), lobte das schnelle Eingreifen der Polizei und die Besonnenheit der Veranstalter. Er sprach den Opfern und ihren Angehörigen sein Mitgefühl aus.

Die Ermittlungen zur genauen Motivlage und zum Tathergang dauern an. Offen ist unter anderem, ob Abdul B. tatsächlich allein handelte oder ob weitere Täter beteiligt waren. Zeugenaussagen zufolge gibt es unterschiedliche Angaben zur Täterzahl. Auch die Herkunft des weißen Vans ist noch nicht abschließend geklärt. Die Polizei stellte fest, dass es sich um ein Privatfahrzeug handelte. Die Bundespolizei ist bundesweit im Einsatz, an Bahnhöfen, Flughäfen und Grenzen, allerdings im Zusammenhang mit der Fahndung, die nun obsolet ist.

Der Fall wirft erneut Fragen nach der Überwachung von islamistischen Gefährdern und der Effektivität von Bewährungsstrafen auf. Abdul B. war trotz seiner Verurteilung im Juli 2026 auf freiem Fuß, weil die Jugendstrafe zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Opposition forderte eine schärfere Gangart gegen radikalisierte Straftäter und eine bessere Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden. Die Bundesregierung kündigte an, die Umstände des Falles zu prüfen und notwendige Konsequenzen zu ziehen.