Wirtschaft 4 Min. Lesezeit Von Moritz Albrecht
Microsoft bietet Tausenden Mitarbeitenden Abfindungsprogramm an, auch Xbox betroffen
Microsoft startet das freiwillige Austrittsprogramm Voluntary Exit Offer für rund 60.000 Beschäftigte, darunter Teams von Xbox. Der Schritt folgt auf Massenentlassungen und einen Umbau bei Xbox unter CEO Asha Sharma.
Microsoft hat ein neues Programm namens Voluntary Exit Offer angekündigt, das tausenden Beschäftigten des Konzerns angeboten wird, darunter auch Mitarbeitenden im Xbox-Bereich. Das Unternehmen will damit Personal abbauen, verkauft das Angebot aber als Option für Menschen, die ohnehin über einen Wechsel nachgedacht haben und nun mit einem Abfindungspaket gehen können.
Laut Microsoft-Blog und einem Bericht von Bloomberg sind rund 60.000 Beschäftigte für das Programm berechtigt. Das entspricht mehr als einem Viertel der gesamten Belegschaft. Neben Xbox gehören die Bereiche Windows, Copilot und Finanzen zu den Teilen des Unternehmens, deren Angestellte das Angebot nutzen können. Nicht berechtigt sind laut dem Bericht Mitarbeitende in den Bereichen Rechenzentren, Vertrieb, Marketing, Cybersicherheit und Quantencomputing. Damit bleiben gerade jene Felder außen vor, die für die strategischen Pläne des Konzerns im Bereich künstlicher Intelligenz und Infrastruktur besonders wichtig sind.
Die Ankündigung erfolgt zwei Tage vor dem nächsten Quartalsbericht, der am 28. Oktober veröffentlicht werden soll. Microsoft investiert derzeit Hunderte Milliarden Dollar in seine großangelegte KI-Offensive, und in der Finanzwelt wird zunehmend infrage gestellt, ob dieses Ausmaß an Investitionen sinnvoll ist. Die Bedingungen des neuen Angebots sind bislang nicht veröffentlicht. Ein Sprecher erklärte gegenüber Bloomberg, wer das Angebot annehme, erhalte Leistungen ähnlich einem Abfindungspaket. Wie hoch diese Zahlungen ausfallen und wie lange sie laufen, ist daher noch offen.
Der Schritt reiht sich in eine Reihe von Einschnitten ein. Bereits im April bot Microsoft ein freiwilliges Vorruhestandsprogramm an, das Abfindung, weiterlaufende Aktienvergütung und verlängerte Gesundheitsleistungen umfasste. Rund 33 Prozent der berechtigten Beschäftigten nahmen dieses Angebot an. Im Juli folgten Massenentlassungen, von denen fast 5.000 Menschen betroffen waren, darunter umfangreiche Kürzungen bei Xbox. Das neue Programm ist damit die dritte größere Maßnahme innerhalb weniger Monate, mit der der Konzern seine Personalstruktur verändert.
Für Xbox war zudem berichtet worden, dass weitere Entlassungen im Oktober, eine weitere Runde im November und schließlich im Januar 2027 anstehen könnten. Der Journalist Tom Warren von The Verge teilte jedoch mit, dass die Xbox-Entlassungen nicht in diesem Monat stattfinden, sondern später erfolgen sollen. Unter der Führung von CEO Asha Sharma befindet sich Xbox in einer als »Reset« beschriebenen Neuausrichtung, zu der Massenentlassungen, Studioschließungen und abgesagte Spiele gehören. Für die Spielerinnen und Spieler bedeutet dieser Umbau, dass Projekte, auf die viele Fans gewartet haben, nicht mehr erscheinen und Studios verschwinden, die bislang an eigenen Titeln arbeiteten.
Auffällig ist der Kontrast zur wirtschaftlichen Lage des Konzerns. Microsoft meldete für den jüngsten Berichtszeitraum einen Umsatz von 90 Milliarden Dollar, ein Plus von 18 Prozent, sowie einen Gewinn von 35,8 Milliarden Dollar, ein Plus von 22 Prozent. Die Zahlen für den nächsten Berichtszeitraum sollen am 28. Oktober bekannt gegeben werden. CEO Satya Nadella sprach in einem internen Memo selbst von einem Rätsel des Erfolgs, um den scheinbaren Widerspruch zwischen massivem Stellenabbau und hohen Gewinnen zu beschreiben. Ob das Programm den Konzern langfristig entlastet oder die betroffenen Teams schwächt, wird sich erst in den kommenden Quartalen zeigen.
3



