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Telltale macht The Wolf Among Us mit neuer Optik wieder spielbar

Die Neuauflage des Noir-Adventures The Wolf Among Us bringt aufgefrischte Schauplätze und zusätzliche Hintergrundinhalte, bleibt bei Animationen aber hinter dem Anspruch zurück.

Telltale macht The Wolf Among Us mit neuer Optik wieder spielbar
The Wolf Among Us Remastered Review

Mit starken schauspielerischen Leistungen, dichter Atmosphäre und scharfem Drehbuch hat sich The Wolf Among Us bereits 2013 als eine der besten Produktionen von Telltale etabliert. Nun erscheint die Neuauflage The Wolf Among Us Remastered, die mit einer frischen Optik, überarbeiteten Schauplätzen und einer Reihe von Hintergrundinhalten aufwartet. Die Fortsetzung wird bereits seit Langem erwartet, und die Neuauflage soll die Wartezeit versüßen.

Das Spiel adaptiert Bill Willinghams beliebte Comicreihe Fables, in der Figuren aus Märchen und Folklore verdeckt unter Menschen leben, und zwar in einem New Yorker Vorort mit dem treffenden Namen Fabletown. Die Handlung spielt rund 20 Jahre vor den Ereignissen der Vorlage und ist als nicht kanonisches Prequel angelegt. Die Spielenden übernehmen die Rolle von Sheriff Bigby, dem Großen Bösen Wolf, der einen rätselhaften Mord aufklären muss. Auf seiner Veranda liegt ein abgetrennter Kopf, und die Ermittlungen müssen schnell vorankommen, da das Geheimnis der mythischen Gemeinschaft auf dem Spiel steht.

Die Figur Bigby steht zusätzlich unter Druck, weil seine Mitbewohner ihm nach Jahrhunderten als Bösewicht im Märchen nicht unbedingt vertrauen und jeden seiner Schritte beobachten. Er stützt sich deshalb auf bekannte Gestalten wie Schneewittchen, die kleine Meerjungfrau und Bufkin aus dem Zauberer von Oz, während er ein Geflecht aus Klassenbewusstsein, Armut und Machtmissbrauch entwirrt. Die Interaktionen sind überwiegend Gespräche aus der Third-Person-Perspektive, in denen man aus wenigen Antworten wählt, während eine Uhr abläuft. Zeugen lassen sich unter Druck setzen, und wer will, greift auch zu Gewalt, sofern dies mit der eigenen moralischen Haltung vereinbar ist.

Die Dialoge greifen das Märchenmaterial geschickt auf, ohne kitschig zu wirken, und bleiben emotional dicht, was auch auf das Drehbuch und die nachhaltigen Leistungen des Ensembles zurückgeht. Entscheidungen haben Folgen: Figuren erinnern sich an das, was man getan oder versprochen hat, und zeigen dies später. Ob Bigby seine düstere Herkunft ablegt und als Sheriff und Beschützer auftritt, liegt weitgehend in der Hand der Spielenden. Auch Szenen an Tatorten, etwa in Kneipen oder edlen Büros, verlangen moralische Abwägungen, etwa ob man eine Tür eintritt oder höflich anklopft.

Hinzu kommen Quick-Time-Events in intensiven Momenten, bei denen man etwa Kehlen durchtrennt, über Häuserblöcke springt oder Knochen richtet. Fehlschläge können zum Spielende führen, doch häufige Checkpoints bringen die Spielenden schnell zurück ins Geschehen. Die Neuauflage umfasst fünf Episoden von jeweils etwa zwei Stunden, die im Paket enthalten sind und nicht einzeln verkauft werden. Die Entscheidungen wirken meist spürbar, bis das Tempo in der vorletzten Episode deutlich abfällt und Figuren ihre Standpunkte unnötig wiederholen.

Schwächen bleiben bestehen: Die steifen und stellenweise unheimlich wirkenden Animationen des Originals wurden nicht überarbeitet, weshalb die Neuauflage nicht ganz als endgültige Fassung wirkt. Dennoch bleibt die Geschichte stark, und die aufgewertete Ausstattung verstärkt die düstere Stimmung. Für Spielende, die das Original nicht kennen, bietet The Wolf Among Us damit einen gelungenen Einstieg in eine Welt, in der Märchenfiguren zwischen den Menschen leben.

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Leonie Vogt

Autor

Gesellschaftsreporterin

Leonie Vogt berichtet für Junkr über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.