Der Passauer Bischof Stefan Oster hat eine neue Videoreihe mit dem Titel «Jesus fragt» gestartet. Mit ihr will er Gläubigen Denkanstöße geben und sie dazu einladen, sich mit den Fragen auseinanderzusetzen, die Jesus im Neuen Testament stellt. Wie das Bistum Passau mitteilte, greift Oster in der Reihe einzelne dieser Fragen auf, erläutert ihren Kontext und gibt Antworten. Im Neuen Testament finden sich demnach an mehr als 300 Textstellen von Jesus gestellte Fragen.
Drei dieser Fragen hat der Bischof bereits in jeweils gut achtminütigen Videos besprochen: «Für wen haltet ihr mich?», «Was sucht ihr?» und «Was willst du, das ich dir tue?». Die Folgen sind nach Angaben des Bistums unter anderem auf der Homepage des Bischofs abrufbar. Weitere sollen regelmäßig folgen; das Bistum kündigte an, dass Oster künftig kontinuierlich über die Fragen Jesu sprechen will.
Besonders ausführlich ging Oster in seinem Beitrag auf die Frage «Was willst du, das ich dir tue?» ein. Jesus habe sie an einen blinden Bettler gerichtet, der sich gewünscht habe, wieder sehen zu können, und der Jesus anschließend gefolgt sei, erläuterte der Bischof. Hinter der Bitte, wieder sehen zu können, stehe ein tieferer Wunsch: «Hilf mir, dich zu erkennen. Hilf mir, zu verstehen, dass du der eigentliche Sinn meines Lebens bist, dem ich nachfolgen darf.» Oster versteht die Heilungsgeschichte damit als Einladung, Jesus nicht nur um konkrete Hilfe zu bitten, sondern in ihm den eigentlichen Sinn des eigenen Lebens zu erkennen.
Dieser Wunsch gelte auch dann, wenn es den Gläubigen etwas koste – oder besonders dann, wenn es ihnen gerade nicht gut gehe, so Oster. Der Glaube richte sich damit ausdrücklich auch an Menschen in schwierigen Lebenslagen und nicht nur an solche, denen alles leichtfalle. Die Frage an den blinden Bettler zeige, dass sich Glaube in einer persönlichen Bitte ausdrücken und in die Nachfolge Jesu führen könne. Mit der Reihe wolle Oster dazu beitragen, dass die Fragen Jesu im Alltag der Gläubigen präsent bleiben und zum Nachdenken anregen.
Die bereits ausgewählten Fragen gehören zu den bekannten Jesusworten der Evangelien. «Für wen haltet ihr mich?» richtet Jesus der biblischen Überlieferung zufolge an seine Jünger und fordert sie zu einem Bekenntnis heraus; im Markusevangelium antwortet Petrus mit dem Bekenntnis, Jesus sei der Messias. «Was sucht ihr?» begegnet im Johannesevangelium als eine der ersten Fragen Jesu an Menschen, die ihm begegnen; sie zielt auf die Erwartungen und Sehnsüchte der Fragenden. Die Frage an den blinden Bettler schließlich steht im Zusammenhang mit einer Heilungserzählung, in der der Geheilte Jesus nachfolgt. Alle drei Fragen eint, dass sie keine reine Wissensauskunft verlangen, sondern eine persönliche Antwort fordern.
Die Reihe greift damit einen Zug der Evangelien auf: Jesus erscheint dort nicht nur als Lehrer, der Antworten gibt, sondern auch als einer, der Fragen stellt. Seine Fragen zielen oft auf die Haltung des Gegenübers ab und fordern zu einer persönlichen Antwort heraus. Nach Angaben des Bistums will Oster mit der Reihe regelmäßig über die Fragen Jesu sprechen und Gläubigen Denkanstöße geben. Das Format der Videoreihe macht es möglich, die biblischen Texte einem breiten Publikum in verständlicher Sprache zugänglich zu machen. Jede Folge dauert rund acht Minuten und kann über die Homepage des Bischofs abgerufen werden.
