Der 80-jährige Lula will zum vierten Mal Brasiliens Präsident werden. Seine Arbeiterpartei PT hat ihn bei einem Parteitag in São Paulo offiziell zum Kandidaten für die Präsidentenwahl gekürt. Vor Anhängern sagte er: «Ich bin unendlich viel besser in Form als damals, als ich 57 Jahre alt war und mein erstes Amt antrat. Ich bin topfit.» Die Kandidatur des Amtsinhabers ist damit besiegelt. Erneut wird der Wahlkampf von einem Duell zwischen Lula und der Familie Bolsonaro geprägt.
Lula ist seit 2023 Präsident und regierte das Land bereits von 2003 bis 2010. Nach der brasilianischen Verfassung darf ein Präsident nur einmal in Folge wiedergewählt werden. Wer zwei aufeinanderfolgende Amtszeiten absolviert hat, kann folglich nach einer Unterbrechung erneut antreten. Lula erfüllt diese Voraussetzung. Ein erneuter Sieg wäre verfassungsrechtlich zulässig, weil es sich nicht um eine dritte Amtszeit in Folge handeln würde. Bei einem Erfolg bei der Wahl im Oktober würde er seine insgesamt vierte Amtszeit antreten. An seiner Seite soll erneut Geraldo Alckmin als Vizepräsident kandidieren, der bereits in der aktuellen Regierung dieses Amt bekleidet.
Sein wichtigster Herausforderer ist der rechtsgerichtete Senator Flávio Bolsonaro von der Liberalen Partei (PL). Der älteste Sohn von Jair Bolsonaro war vergangene Woche von der PL, der Partei seines Vaters, nominiert worden. Wie schon vor vier Jahren heißt Lulas Gegner damit Bolsonaro, diesmal aber der Sohn des früheren Präsidenten. Jair Bolsonaro wurde wegen eines versuchten Staatsstreichs zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilt und steht aktuell unter Hausarrest. Die Familie Bolsonaro hat enge politische Verbindungen zu US-Präsident Donald Trump. Flávio kann bislang nicht auf die geschlossene Unterstützung des konservativen Lagers hoffen, weil er als weniger populär als sein Vater gilt.
Im Umfeld der Kandidatenkür sorgte Argentiniens Präsident Javier Milei für einen diplomatischen Eklat. Der ultraliberale Staatschef trat bei der Veranstaltung der Liberalen Partei auf und griff Lula und die brasilianische Justiz scharf an. Der Vorgang belastet die Beziehungen zwischen Brasilien und Argentinien. Er gilt als einer der schwersten Streitfälle zwischen den beiden Nachbarländern seit Jahrzehnten.
Ein KI-Video mit Jair Bolsonaro sorgte für weitere Kontroversen. Nach Angaben seiner Verteidigung hatte der Ex-Präsident die Nutzung des Videos nicht genehmigt. Die Wahlbehörden prüfen mögliche Verstöße gegen Wahlvorschriften. Ein Ergebnis steht noch aus. Eine Aberkennung der Kandidatur von Flávio Bolsonaro gilt jedoch als unwahrscheinlich.
Die jüngste Umfrage des Instituts Datafolha sieht Lula in der Wählergunst vor seinem Herausforderer. Andere Kandidaten kleinerer Parteien liegen demnach weit abgeschlagen. Gewählt wird am 4. Oktober in der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas. Sollte im ersten Wahlgang kein Kandidat die absolute Mehrheit erreichen, ist für den 25. Oktober eine Stichwahl angesetzt.



