Das US-Militär hat nach eigenen Angaben erneut Angriffe auf Ziele im Iran durchgeführt. Die Attacke in der Nacht zum Sonntag war bereits der dritte US-Militärschlag innerhalb einer Woche. Das zuständige Regionalkommando Centcom erklärte, die Angriffe seien eine direkte Reaktion auf einen vorangegangenen Angriff der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) auf ein Containerschiff in der Straße von Hormus gewesen.
Nach Darstellung des US-Militärs hatten die Revolutionsgarden das unter der Flagge Zyperns fahrende Containerschiff «GFS Galaxy» in der strategisch wichtigen Meerenge attackiert. Die iranischen Revolutionsgarden selbst teilten mit, sie hätten Warnschüsse auf ein Schiff abgegeben, das die maritime Sicherheit gefährdet habe. Mehrere Schiffe hätten zuvor versucht, eine nicht genehmigte Route zu befahren und Aufforderungen der Revolutionsgarden ignoriert, ihre Route zu korrigieren.
Infolge dieses Vorfalls erklärten die Revolutionsgarden, die Straße von Hormus bleibe bis auf weiteres und bis zum Ende der US-amerikanischen Eingriffe in der Region geschlossen. Die Durchfahrt sei verboten. Sollten die USA neue Angriffe gegen den Iran starten, werde man mit weiteren Angriffen auf «feindliche Stützpunkte» in der Region reagieren, hieß es in einer Mitteilung der Revolutionsgarden.
Die «GFS Galaxy» erlitt nach Angaben von Centcom erhebliche Schäden. Ein Feuer sei an Bord ausgebrochen, der Maschinenraum sei schwer beschädigt worden. Das Schiff sei nicht in der Lage, seine Reise fortzusetzen. Ein ziviles Besatzungsmitglied wird vermisst. Die britische Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt UKMTO bestätigte, dass ein Containerschiff östlich des Omans in der Straße von Hormus beschädigt wurde und ein Feuer ausgebrochen sei. Die Behörden untersuchen den Fall.
Der Iran habe mit dem Angriff auf das Schiff eine weitere Gelegenheit verpasst, sich an das Mitte Juni mit den USA ausgehandelte Rahmenabkommen zu halten, erklärte Centcom weiter. Teheran habe versagt. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth schrieb auf der Plattform X, der Iran habe eine schlechte Entscheidung getroffen. «Jetzt muss er dafür bezahlen.»
Iranische Medien wie der englischsprachige Sender Press TV berichteten über Explosionen in der Hafenstadt Buschehr und anderen Orten im Süden des Landes entlang des Persischen Golfs. Die Berichte ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Die USA und der Iran hatten sich Mitte Juni auf ein Rahmenabkommen geeinigt, das den Weg für ein dauerhaftes Ende des Konflikts ebnen sollte. Darin war vereinbart worden, innerhalb von 60 Tagen einen endgültigen Deal auszuhandeln. Das Abkommen beinhaltet auch die Forderung nach einer Öffnung der für den Welthandel wichtigen Straße von Hormus. Seit Anfang April galt zudem eine Waffenruhe, die jedoch immer wieder durch neue Angriffe gebrochen wurde.
Eigentlich hatten die USA Medienberichten zufolge ein Bekenntnis des Irans zu einer freien und sicheren Schifffahrt in der Straße von Hormus gefordert und Teheran dafür eine Frist bis Samstag gestellt. Die iranische Führung sollte öffentlich versichern, dass die Meerenge offen sei und der Iran von Angriffen auf Handelsschiffe absehe, berichteten unter anderem das Portal «Axios» und das «Wall Street Journal» unter Berufung auf US-Regierungsbeamte. Diese Forderung dürfte nun hinfällig sein.
Der Oman hatte einem Medienbericht zufolge einen Vorschlag zur gebührenfreien Durchfahrt der Straße von Hormus vorgelegt. Demnach soll der Schiffsverkehr auf der südlichen Route wie vor dem Krieg frei möglich sein, berichtete der Sender CNN unter Berufung auf eine ungenannte Quelle. Auf der nördlichen Route entlang der iranischen Küste wären demnach Genehmigungen Teherans nötig, allerdings ebenfalls keine Gebühren fällig. Vertreter des Irans und des Omans hatten zuvor in der omanischen Hauptstadt Maskat über eine Regelung des Schiffsverkehrs verhandelt. Das omanische Außenministerium teilte mit, die Gespräche würden auf technischer und politischer Ebene weiterlaufen.
Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran hatten sich in den Tagen zuvor durch Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus weiter verschärft. US-Präsident Donald Trump hatte Teheran zuletzt gedroht, sich aber zugleich offen für Gespräche gezeigt. Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Wasserstraßen für den globalen Öl- und Handelstransit. Eine langanhaltende Schließung könnte schwerwiegende wirtschaftliche Folgen haben.



