Kultur 5 Min. Lesezeit Von Moritz Albrecht
«The Paper» Staffel 2: Liebe, Chaos und große Comedy-Wagnisse im Büro
Die zweite Staffel der Office-Spin-off-Serie «The Paper» stellt Liebesbeziehungen in den Mittelpunkt und wagt sich humoristisch an größere, teils absurde Szenen. Neue Figuren erweitern die Welt der fiktiven Zeitung Toledo Truth Teller.
In der fiktiven Redaktion der Zeitung Toledo Truth Teller ist die Liebe allgegenwärtig – in einem Graben, auf einem Schießstand, in einem Podcast und praktisch überall sonst. Die zweite Staffel von Peacocks «The Paper», die ab dem 9. September gestreamt wird, stellt Beziehungen ins Zentrum der Handlung und erweitert damit das Format der Office-Spin-off-Serie um neue, oft komödiantische Ebenen.
Die gesamte Staffel hängt an der aufkeimenden Romanze zwischen dem oft überforderten Chefredakteur Ned (Domhnall Gleeson) und der Starreporterin Mare (Chelsea Frei). Nach dem Erfolg bei den Journalistenpreisen in Staffel 1 beginnen die beiden eine geheime Bürobeziehung. Von romantischen Kurzurlauben mit Orwell-artigen Essenslieferwagen bis zu süßen FaceTime-Abendessen erinnern Ned und Mare an Jim und Pam aus «The Office» – allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Während sich das zentrale Paar der Originalserie über mehrere Staffeln im Kreislauf aus Sehnsucht und verpassten Gelegenheiten befand, ist Ned und Mare bereits in der Premiere der zweiten Staffel fest zusammen und muss sich den alltäglichen Herausforderungen einer neuen Beziehung stellen.
Fast jede Episode dreht sich darum, wie die Romanze auf unpassende, aber oft urkomische Weise mit dem Redaktionsalltag kollidiert. Ned ist eifersüchtig, als die ehemalige Soldatin Mare beim Schießen besser ist als er, während sie gemeinsam einen lokalen Polizisten umwerben. Sie moderieren einen Podcast im Debattenstil, bei dem sie gleichzeitig flirten und heftig widersprechen. Ein romantisches Wochenende wird abgebrochen, weil der Rest des Büros eine Wahlgeschichte nicht allein bewältigen kann. Dieser Ansatz zeigt eine Beziehung zwischen zwei Menschen mit derselben Leidenschaft – dem Printjournalismus – und nutzt die Romanze, um den Büroalltag bedeutungsvoller zu machen.
Allerdings gerät die Beziehung spät in der Staffel an einen vorhersehbaren Stolperstein, der typischerweise aus Missverständnissen und einem schimmeligen Muffin besteht. Auch die schiere Menge an Nebenfiguren mit eigenen Liebesgeschichten kann überwältigend wirken: Die Aufmerksamkeit suchende Esmeralda (Sabrina Impacciatore) und der Unternehmensangestellte Ken (Tim Key) liefern sich eine Reihe von Eskapaden, die an eine Pseudo-Beziehung grenzen. Oscar (Oscar Martinez) schmiedet einen Plan, um einen Angestellten eines Pflegeheims zu erobern. Selbst der CEO der Muttergesellschaft, Marv (Allan Harvey), versucht sich spät in der Staffel an der Liebe. Jede dieser Geschichten ist für sich genommen harmlos, aber in der Summe drohen sie die Serie von einer scharfen Mockumentary über den Journalismus in eine romantische Komödie mit zu vielen verflochtenen Handlungssträngen zu verwandeln.
Abgesehen von den vielen Romanzen zeichnet sich Staffel 2 durch große komödiantische Wagnisse aus, die über den kleineren Humor von «The Office» hinausgehen und oft an Farce grenzen. Intelligenter Humor ist weiterhin vorhanden – etwa ein wiederkehrender Gag über die Geliebte des Zeitungsmagnaten William Randolph Hearst, der zu den lustigsten Szenen der gesamten Serie zählt. Doch nicht jeder Ausflug gelingt: Wenn Esmeralda undercover als Teenager-Junge die Schule ihres Sohnes untersucht, wirkt das aufgesetzt. Wenn der Humor jedoch funktioniert, ist er brillant – etwa wenn Ned einen Rattenbiss vortäuscht und sich fast von einer falschen Krankenschwester eine riesige Spritze verabreichen lässt, nur um Mare etwas zu beweisen.
Die zweite Staffel führt zudem neue Figuren ein, die die Welt der Serie bereichern. Lisa Gilroy spielt die neue, völlig unangemessene HR-Vertreterin Lisa, die kompetent, boshaft, manisch und derb zugleich ist – ein klassischer Office-Universum-Charakter. Dazu gesellen sich Sitcom-Größen wie Andy Richter als kurzzeitiger Liebesinteresse für Esmeralda und Jon Lovitz als sandwich-liebender neuer Kollege. Über zwei Staffeln hat sich «The Paper» damit von seinen Ursprüngen als Office-Spin-off gelöst und eine eigene Identität außerhalb der Mauern von Dunder Mifflin entwickelt – sozial bewusster, weil es um unterfinanzierte Journalisten geht, und universeller in seinem Humor.



