Kultur 4 Min. Lesezeit Von Lukas Seifert
Stephanie Economou bringt Grunge-Sound in die HBO-Serie „Lanterns“
Die erste Grammy-Gewinnerin für Videospiel-Soundtracks, Stephanie Economou, hat die Musik für die neue HBO-Serie „Lanterns“ komponiert. Sie verbindet darin Grunge-Einflüsse mit experimentellen Klangwelten und erklärt, wie ihre Erfahrungen aus der Gaming-Branche die Arbeit für Film und Fernsehen bereichern.
Die neue HBO-Serie „Lanterns“ startet mit einem ungewohnten Sound: Komponistin Stephanie Economou, die als erste Frau überhaupt einen Grammy für einen Videospiel-Soundtrack gewann, hat für die DC-Serie eine Mischung aus Grunge, Rock und experimentellen Klängen entwickelt. Die Serie, die am 16. August auf HBO Premiere feierte, erzählt eine düstere Detektivgeschichte auf der Erde und bricht damit mit den bisherigen, eher kosmisch angelegten Adaptionen der Green-Lantern-Comics.
Economou beschreibt, wie sie für die beiden Hauptfiguren John Stewart und Hal Jordan unterschiedliche musikalische Identitäten schuf. Für John, gespielt von Aaron Pierre, wählte sie eine einsame, gestrichene Bariton-Gitarre mit Rubber-Bridge, die an Nirvana erinnert. „Ich wollte einen Bass-Riff für ihn schreiben, der sehr stetig und gemessen ist“, erklärt die Komponistin. Hal Jordan, dargestellt von Kyle Chandler, bekam dagegen einen rockigeren Sound, der an frühe Black Keys erinnert: „Swaggery, rau an den Kanten, ein ungezähmter Cowboy-Typ.“ Im Verlauf der Serie werden beide Themen variiert, reharmonisiert und in neue Klangwelten versetzt, etwa in eine eisige Ambient-Version oder eine Trip-Hop-Behandlung.
Für das Hauptthema der Serie wollte Economou etwas Großes, Dramatisches und Stolzes schaffen, das die Sci-Fi-Elemente der Vorlage betont. „Es gibt Synthie-Bends, die von Akkord zu Akkord wandern, ein Gefühl von Instabilität und Angst, aber auch Vorfreude“, sagt sie. Das Thema solle die Legende des Lantern Corps widerspiegeln und einen einzigartigen Klangkosmos eröffnen. Auch für die Manhunters, die gnadenlosen Gegner der Serie, entwickelte sie ein eigenes Motiv: ein einfaches, aber prägnantes Thema, das bei jedem Auftritt sofort erkennbar sein soll.
Besonders wichtig ist Economou der Einfluss ihrer Arbeit an Videospielen. „Ich liebe es, an Games zu arbeiten, weil man lange in der Musik leben kann“, sagt sie. Die vertikale Schichtung und die Art, wie Musik in Spielen Geschichten erzählt, habe sie geprägt. Diese Erfahrung bringe sie nun auch in Film- und Fernsehproduktionen ein: „Wir müssen uns bei einer TV-Serie keine Gedanken über Interaktivität machen, aber warum nicht versuchen, das Erlebnis für den Hörer so immersiv wie möglich zu gestalten?“
Der Grammy-Gewinn für den besten Soundtrack für Videospiele und andere interaktive Medien habe der Branche enorm geholfen, betont Economou. „Spieler haben diese Musik schon so lange gefeiert, dass sie sich fragten: Endlich, warum hat das so lange gedauert?“, sagt sie. Der Preis habe bewiesen, dass Videospielmusik ein wichtiger Teil des Zeitgeists sei und die Medienmusik insgesamt geprägt habe. Die vielen Live-Konzerte mit Spielmusik weltweit zeigten, wie reich diese Kunstform sei. Gleichzeitig hätten die Studios erkannt, dass Musik ein zentraler Bestandteil des Storytellings ist – und dass Auszeichnungen für Komponisten wichtig sind, um Sichtbarkeit zu schaffen. „Es ist wirklich eine Schande, dass Spielkomponisten nicht dieselbe Aufmerksamkeit bekommen wie ihre Kollegen bei Oscars oder Emmys“, so Economou.
„Lanterns“ läuft mit acht Episoden bis zum 4. Oktober auf HBO. Die Serie verbindet eine erdgebundene Mystery-Handlung mit den klassischen Elementen des Green-Lantern-Universums und setzt dabei bewusst auf einen Sound, der sowohl die düstere Atmosphäre als auch die musikalische Vielfalt der 90er-Jahre-Rockszene aufgreift.



